A.pp.: Impfen allein reicht nicht Premium

Die A.pp.-bedingten Probleme nehmen zu. Wie sich die Erkrankung äußert, warum die Biestmilchaufnahme so wichtig ist und welche Impfstoffe zur Verfügung stehen, erläutert Prof. Dr. Isabel Hennig-Pauka, Tierärztliche Hochschule Hannover.

Es passierte an einem Herbsttag 2018 und traf Mäster Heiner Frerks (Name geändert) völlig unvorbereitet: Beim morgendlichen Kon-trollgang fand er plötzlich drei Mastschweine tot in der Bucht vor. Am Tag zuvor hatten sich die rund 70 kg schweren Tiere noch vollkommen unauffällig verhalten. Dem einen oder anderen Schwein machte zwar die für die Jahreszeit ungewöhnliche Wärme zu schaffen. Trotzdem schienen die Tiere munter und ihr Appetit normal zu sein.

Das einzige Auffällige war etwas blutig-schaumiger Ausfluss, der vor den Rüsselscheiben der verendeten Tiere auf dem Spaltenboden zu erkennen war. Frerks und sein Hoftierarzt tippten deshalb sofort auf eine A.pp.-Infektion, verursacht durch das Bakterium Actinobacillus pleuropneumoniae. Allerdings wird im Betrieb schon seit mehreren Jahren gegen den A.pp.-Serotyp 2 geimpft, der in Deutschland derzeit am häufigsten vorkommt. Wirkte die Impfung womöglich nicht mehr? Oder bereitete im Betrieb inzwischen ein neuer Serotyp Probleme?

Leider konnten die verendeten Schweine nicht im Labor untersucht werden. Das Anzüchten des Erregers zur genauen Typisierung gelingt nur selten, wenn die Tiere schon mehrere Stunden tot sind.

Mütterliche Antikörper

Um die Ursache eingrenzen zu können, untersuchten Frerks und sein Hoftierarzt deshalb zunächst den gesamten Bestand. Dabei achteten sie vor allem auf hustende Tiere und Schweine, die nicht fressen wollten. Zum Zeitpunkt der Untersuchung war jedoch kein Tier so schwer erkrankt, dass es getötet und für die Diagnostik geopfert werden konnte.

Es fiel allerdings auf, dass einzelne ältere Saugferkel bereits an der Sau husteten. Auch im Flatdeck und in der Mast beobachteten die beiden in allen Altersgruppen einzelne Tiere, die Atemwegsprobleme hatten. Der Tierarzt beprobte deshalb bei diesen Tieren mit einem Tupfer die Mandeln (Tonsillen). Außerdem wurde ein Endmasttier zur Sektion gebracht, das einige Tage nach der Bestandsuntersuchung verendet war.

Ergebnis: Bei 80% der beprobten Saugferkel konnten Antikörper gegen A.pp. nachgewiesen werden, die die Ferkel mit der Biestmilch von ihren Müttern aufgenommen hatten. Bei zwei Wurfgeschwistern, bei denen sich keine Antikörper nachweisen ließen, konnte der Erreger allerdings per Tupferprobe im Rachen gefunden werden.

Das zeigt: Mütterliche Antikörper, die von den Ferkeln mit der Biestmilch aufgenommen werden, können die Gefahr einer frühen Besiedelung der Ferkel mit dem A.pp.-Erreger zumindest verringern. Auch bei dieser Erkrankung ist es also enorm wichtig, dass die Ferkel in den ersten 24 Lebensstunden...

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