Ackerbauern für Gülle begeistern

Die Aufnahme von Gülle durch Ackerbauern war Thema beim Arbeitskreis Ackerbau und Schweinehaltung auf den DLG Unternehmertagen in Kassel. Stefan Vogelsang weiß bei jedem Fass, das er aufs Feld fährt, wie viel Stickstoff er ausbringt. Der Milchvieh- und Sauenhalter hat einen NIRS Sensor an seinem Güllefass befestigt.

Die Teilnehmer des Arbeitskreises diskutierten mit den Zuschauern im Publikum. (Bildquelle: Schulze-Harling)

Die Aufnahme von Gülle durch Ackerbauern war Thema beim Arbeitskreis Ackerbau und Schweinehaltung auf den DLG Unternehmertagen in Kassel.

Stefan Vogelsang weiß bei jedem Fass, das er aufs Feld fährt, wie viel Stickstoff er ausbringt. Der Milchvieh- und Sauenhalter aus Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen, hat einen Nah-Infra-Rot-Spektroskopie (NIRS) Sensor an seinem Güllefass befestigt. Damit misst er live, wie viel Nährstoffe in jedem einzelnen Fass sind, und passt danach seine Gülleausbringung an. Durch die Phasenbildung der Gülle sind die Einzelproben aus einem Güllebehälter oft ungenau. Das stört Ackerbauern, die exakte Nährstoffgehalte im Dünger haben wollen.

So hat der NIRS-Sensor bei einem 1000 m³ Güllebehälter schon Unterschiede von 1 kg N/m³ nachgewiesen, obwohl die Gülle aufgerührt war, berichtete Vogelsang in Kassel. Dort traf sich der DLG Arbeitskreis Ackerbau und Schweinehaltung zum Thema „Ackerbau plus Mast – das passt“ auf den DLG Unternehmertagen am 4. September. 

 

NIRS Sensor fertigt Ackerschlagkartei an

Der hohe bürokratische Aufwand schrecke Ackerbauern oft vor der Gülleaufnahme ab. Dafür hat Vogelsang ebenfalls eine Lösung. Mit dem NIRS Sensor weist er genau nach, wie viel Stickstoff über die Gülle auf dem Acker gelandet ist. Daneben setzt er den Sensor in der Ernte ein und erfasst die Erträge. Damit kann er dann im nächsten Jahr jeden Schlag nach Bedarf düngen. Die Ertragswerte des NIRS Sensors stellt er seinen aufnehmenden Ackerbaubetrieben als Dienstleistung ebenfalls zur Verfügung.

Bodennahe Ausbringtechnik senkt N-Verluste

Dr. Marco Schneider vom Beratungsteam Pflanzenbau, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, Alsfeld erläuterte, wie die Ausbringtechnik Nährstoffverluste beeinflusst. Vor allem bei hohen Temperaturen und Breitverteilung gingen bis zu 78 % Stickstoff verloren. Kühleres Wetter und bodennahe Ausbringtechnik senke die Verluste beispielsweise bei Schleppschuhen auf bis zu 11 %.

Neben dem NIRS Sensor hat Vogelsang auch ein Schleppschuhgestänge an seinem Güllefass. Für die Technik hat der Landwirt viel investiert. „Eine halbe Million Euro kostet das Güllefass mit einem 200 PS Schlepper inklusive Reifenregeldruckanlage“, sagte er. Das lohne sich nur mit entsprechender Förderung. Die erhält er unter anderem auch, weil er einer von 31 Modellbetrieben in NRW ist, die besonders wasserschonend wirtschaften wollen.

Ab 25 €/m³ lohnt die Schweinehaltung nicht mehr 

„Steigen die Kosten der Gülleverwertung auf 25 €/m³, ist eine Bestandsabstockung für Schweinehalter sinnvoller“, rechnete Ruth Beverborg, Leiterin des Sachgebietes Betriebswirtschaft der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, vor. Sie zeigte die Kosten der unterschiedlichen Varianten wie der N- und P-reduzierten Fütterung, der Transport von Dünn- und Dickgülle sowie der Flächenzupacht. Für die Ackerbauern lohne sich die Gülleaufnahme, da diese die Kosten für Mineralstoffdünger einsparen können.

Artikel geschrieben von

Maike Schulze Harling

Redakteurin Betriebsleitung

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Diskussionen zum Artikel

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von Edelhard Brinkmann

Weniger Bürokratie ist wichtiger

Der Wunde Punkt ist die Bürokratie in dem Verfahren........... Und noch viel schlimmer ist das es nicht genug Behälter auf der abnehmenden Seite gibt und das der Bau gleicher mehr verhindert wird als unterstützt. Der Berufsverband der Landwirte sollte ein bisschen mehr für die Landwirtschaft da sein als dagegen. Vor 10 Jahren ohne LWK lief das alles wie geschnitten Brot. Und heute wie ?????? lieber nicht fragen nur wundern.

von Gerhard Seeger

Ich frage mich ....

... ob man grundsätzlich jemanden für den Einsatz von Gülle begeistern muß, der hernach seine Ernte gerne an Veredlungsbetriebe veräußern möchte. Da sollte der Einsatz von Wirtschaftsdünger eigentlich obligatorisch sein. Eine Hand wäscht die andere.

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