Architekturwettbewerb

Architektur für Schweine

In Berlin wurden in der vergangenen Woche die Sieger des Ideenwettbewerbs „Vom Stall bis zur Theke – Tierwohl bis zum Ende gedacht“ für Studierende der Architektur vorgestellt.

Die konventionelle Schweinehaltung muss derzeit viel Kritik einstecken. Der Ruf nach tierwohlgerechteren Ställen, geschlossenen Nährstoffkreisläufen, einer geringeren Belastung der Umwelt und mehr Regionalität wird immer lauter. Doch wie bekommt man das alles unter einen Hut?

Querdenken erwünscht

Auf der Suche nach neuen, frischen Ideen, die bewusst auch den technischen Blickwinkel verlassen und neue, mutige Wege beschreiten durften, lobten das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) und die Stiftung LV Münster im April 2019 einen Ideenwettbewerb für Studierende der Architektur aus. Das Motto: „Vom Stall bis zur Theke – Tierwohl bis zum Ende gedacht“. Insgesamt beteiligten sich 49 Studierende der Universitäten Braunschweig, Darmstadt, München und Stuttgart.

Gesucht wurde ein Gesamtkonzept für einen Maststall mit 500 Plätzen, in dem die Schweine ihr Verhalten möglichst artgerecht ausleben können. Der Stall sollte verschiedene Klimazonen aufwiesen, vorzugsweise Außenklima. Zudem sollte er in unterschiedliche Funktionsbereiche untergliedert sein sowie den Tieren ausreichend Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten anbieten. Abgerundet werden sollte das Konzept durch ein angegliedertes Schlachthaus und einen Hofladen. Als Referenzgrundstück diente eine Hofstelle am nördlichen Stadtrand von Münster.

Die Gewinner

Die Sieger des Architekturwettbewerbs mit dem Kuratoriumsvorsitzenden der Stiftung LV Münster, Hermann Bimberg (links), und dem KTBL-Präsidenten Prof. Dr. Eberhard Hartung (2.v. rechts). (Bildquelle: H. Lehnert)

Gewinner ausgezeichnet

Den Wettbewerb gewonnen hat Katharina Münch von der TU Darmstadt mit ihrem Entwurf „Schweine Villa“. Der zweite Preis ging an Jakob Köppel und Benedikt Stoib von der TU München für ihren Entwurf „Co-op Gittrup + Pig Portable“. Den dritten Platz belegten Jessica Vetter und Pepe Fritz von der Universität Stuttgart mit ihrem Konzept „transparent arbeiten“. Darüber hinaus gab es Anerkennungen und lobende Erwähnungen für weitere vier Arbeiten.

2. Preis

Der zweite Preis ging an Jakob Köppel und Benedikt Stoib von der TU München für Ihren Entwurf "Co-op Gittrup + Pig Portable". (Bildquelle: H. Lehnert)

Nach einem Workshop in Münster-Hiltrup im Mai 2019, bei dem die Studierenden viel über die technischen und rechtlichen Grundlagen beim Stallbau erfuhren und ihre ersten Entwürfe mit 12 jungen Schweinehaltern aus dem ganzen Bundesgebiet diskutierten, war es in der letzten Woche endlich so weit. Im Aedes Architekturforum in Berlin wurden am 15. Januar 2020 die besten Arbeiten durch den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Uwe Feiler, ausgezeichnet. Aus den eingereichten Plänen hatte eine hochkarätige Jury sieben preiswürdige Arbeiten ausgewählt.

Nicht alles ist 1:1 umsetzbar

Der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung LV Münster, Hermann Bimberg, zeigte sich beeindruckt von den außerordentlich kreativen Ideen aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer. „Mit diesem Wettbewerb wollten und konnten wir gemeinsam mit dem KTBL wichtige Impulse für eine gleichermaßen umwelt- und tiergerechte sowie anspruchsvolle Landschaftsarchitektur geben“, sagte Bimberg. „Wobei es uns nicht in erster Linie wichtig war, dass die Entwürfe 1:1 umsetzbar sind. Ziel war auch, neue Ideen bzw. Visionen zu entwickeln und junge Architekten mit jungen Landwirten ins Gespräch zu bringen“, ergänzte KTBL-Präsident Prof. Dr. Eberhard Hartung in seiner Begrüßungsrede.

3. Preis

Jessica Vetter und Pepe Fritz von der Universität Stuttgart erhielten den dritten Preis für ihren Entwurf "transparent arbeiten. leben. konsumieren. wertschätzen". (Bildquelle: KTBL)

Die hohe Qualität der prämierten Entwürfe zeigt sich auch am Interesse der namhaften Galerie Aedes Architekturforum, die die Pläne und Modelle der Preisträger in ihren Räumen in der Christinenstraße 18 in 10119 Berlin (Öffnungszeiten: Di-Fr 11-18.30 Uhr, So-Mo 13-17 Uhr) noch bis zum 5. März 2020 in einer sehenswerten Ausstellung präsentiert. Der Eintritt ist frei. Die Projekte werden zudem in kurzen Filmen auf dem YouTube-Kanal des KTBL vorgestellt. Zur Playlist der prämierten Projekte gelangen Sie hier.

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