Afrikanische Schweinepest

ASP-Bekämpfung: Jetzt ist Teamarbeit gefragt! Plus

Die Kritik an der ASP-Bekämpfung in Brandenburg wird lauter. top agrar sprach mit der Leiterin des Brandenburger Landeskrisenstabs, Staatsekretärin Anna Heyer-Stuffer.

Das ASP-Geschehen weitet sich aus. Letzte Woche wurde auch außerhalb des ersten Restriktionsgebietes im Landkreis Märkisch-Oderland ein ASP-infiziertes Wildschwein entdeckt. Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage?

Heyer-Stuffer: Die Lage ist ernst, denn sie betrifft die Landwirtschaft in ganz Deutschland. Bei vielen Landwirten geht es um massive wirtschaftliche Einbußen, möglicherweise sogar um die Existenz. Alle Verantwortlichen in Brandenburg arbeiten deshalb mit Hochdruck daran, die Afrikanische Schweinepest so schnell wie möglich einzudämmen. Uns allen muss aber bewusst sein, dass die ASP-Krise nicht in wenigen Wochen überwunden sein wird. Für diese Krise brauchen wir einen langen Atem. Es wird dauern, bis Deutschland den Status „seuchenfrei“ wiedererlangt. Entscheiden ist, dass die Hausschweinebestände nach wie vor frei von ASP sind. Und wir werden alles tun, damit das so bleibt.

Der Elektrozaun, der rund um die beiden Kerngebiete aufgestellt wurde, steht besonders in der Kritik. Er sei zu niedrig, der Abstand zum Boden zu groß und er führe nicht überall Strom. War er eine Fehlinvestition?

Heyer-Stuffer: Nein, dieser Kritik widerspreche ich ausdrücklich! Diese mobilen Wildschutzzäune werden seit vielen Jahren eingesetzt, z.B. beim Deichschutz. Hier haben sie sich zur Abwehr von Wildschweinen bewährt. Auch Tschechien hat, als sich dort im Jahr 2017 die ASP ausbreitete, mit dem Einsatz von Elektrozäunen sehr gute Erfahrungen gesammelt. Die mobilen Elektrozäune sind zur ersten Absicherung eines Fundortes erste Wahl. Alle anderen Länder wären genauso vorgegangen. Daran gibt es von den Experten auch überhaupt keine Kritik. Wir mussten allerdings feststellen, dass die Zäune vor Ort immer wieder mutwillig beschädigt oder Batterien gestohlen werden. Das ist natürlich fatal. Diese Zäune dienen vor allem zum Schutz unserer Landwirtschaft.

Rund um das erste Kerngebiet soll eine „Weiße Zone“ eingerichtet werden. Was ist genau geplant?

Heyer-Stuffer: Neben der intensiven und gründlichen Fallwildsuche sowie der Bergung der Kadaver ist das die zweite Säule unserer Strategie. Die „Weiße Zone“, die sich zwischen einem inneren und einem äußeren Zaun erstreckt, haben wir auch mit den Experten der EUVET-Mission der Europäischen Kommission abgestimmt. Durch das Einrichten einer „Weißen Zone“ hat auch Belgien erfolgreich dazu beigetragen, ein Überspringen der ASP auf Deutschland zu verhindern.

Wir werden um das erste Kerngebiet einen mindestens fünf Kilometer breiten Streifen mit festen Zäunen sichern. Der äußere Zaun hat eine Länge von mehr als 50 Kilometern, der innere Zaun von circa 40 Kilometern. Das Landeskrisenzentrum-ASP in Potsdam bereitet das mit den Krisenzentren der betroffenen Landkreise gemeinsam vor. Damit wollen wir die Ausbreitung der ASP stoppen. Sobald diese „Weiße Zone“, die etwas 250 Quadratkilometer umfasst, mit festen Zäunen gesichert ist, sollen darin die Wildschweine stark reduziert werden.

In Tschechien wurden die Wildschweine im Kerngebiet mit Nachtsichtgeräten und Sachalldämpfern erfolgreich bejagt. Werden Sie das tschechische Modell kopieren?

Heyer-Stuffer: Auch wir werden zu einem späteren Zeitpunkt die verbleibenden Wildschweine aus dem Kerngebiet mit geeigneten jagdlichen Maßnahmen entnehmen. Dabei spielt neben dem Einsatz von Schwarzwildfallen auch die Nachtsichttechnik eine wichtige Rolle.

Welche weiteren Maßnahmen sind für das jetzt deutlich vergrößerte gefährdete Gebiet und die Pufferzone geplant?

Heyer-Stuffer: Im Gefährdeten Gebiet besteht ein vorläufiges Jagdverbot für alle Tierarten,...


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Diskussionen zum Artikel

von Rudolf Rößle

Wenn

es Möglichkeiten gibt, die ASP schnell zu beseitigen, wird Hilfe in den Regionen kein Problem sein. Bei Hochwasser schaufelt auch jeder Sandsäcke voll. Die Bauern helfen sicher gerne mit, schon aus Eigeninteresse.

von Karlheinz Gruber

WArum wird so ein Aufstand bei der Beerntung gemacht

Für mich wäre es auf den ersten Blick praktikabel wenn man die Maisflächen kurz vor der Beerntung mit einer Drohne abfliegt und schaut was im Bestand los ist. Ist machbar und Möglich. Dann kann beerntet werden. Desweiteren kann man doch von der Westgrenze des Sperrgebietes mit der ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Und wieder

wird es so dargestellt, als ob man die ASP "nur" für die Landwirtschaft stoppen müsste. Dabei sind es allem voran die Millionen schutzlos ausgelieferten übrigen Wildschweine in Deutschland und den Nachbarländern, die vor dem grausamen Verrecken bewahrt werden. Die Nutztiere sind in ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Anna Heyer-Stuffer!

Lese ich mir ihre Vita durch, dann weiß ich woran ich bin. Juristin, Grünen-Mitglied, von 2011 bis 2015 Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung, was kann man da erwarten? Die Brandenburger haben in Potsdam vor ihrer eigenen Haustüre doch schon so ein Wildschweinproblem in den ... mehr anzeigen

von Günter Schanné

FJS

FJS hat mit der WAA in Wackersdorf goldene Berge versprochen und ist am Realitätssinn und der Widerstandsfähigkeit der bayerischen Bürgerinnen und Bürger jämmerlich gescheitert.

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