Afrikanische Schweinepest

ASP: Schweinehalter fordern mehr Tempo beim Zaunbau

Die Schweinehalter in Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt fordern den forcierten Bau fester, wildschweinsicherer Zäune und eine zentrale Koordination der Maßnahmen.

Durch die gestrige Bestätigung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei zwei Wildschweinkadavern außerhalb des Kerngebietes im Landkreis Märkisch-Oderland sieht der Landesbauernverband Brandenburg (LBV) seine Forderung nach einer zügigen festen Einzäunung des Kerngebietes bestätigt.

„Wir fordern bereits seit Wochen, dass der schwarzwildsicheren Einzäunung der ASP-Kerngebiete oberste Priorität einzuräumen ist. Mobile Zäune, die nicht regelmäßig auf ihre Funktion hin überprüft und gewartet werden, bieten keinen ausreichenden, dauerhaften Schutz. Dafür haben wir jetzt den traurigen Beweis“, erklärt LBV-Präsident Henrik Wendorff in einer Pressemitteilung.

„Bis März müssen die Weißen Zonen schweinefrei sein!“

Der LBV Brandenburg fordert deshalb den zuständigen Landkreis auf, dies bei der nun notwendigen Ausweitung des Kerngebietes zu berücksichtigen und beim Bau der noch ausstehenden festen Zaunanlage, als Ersatz für den Mobilzaun, das Tempo zu forcieren. „Die Aktivitäten müssen darauf ausgerichtet werden, die Entnahme von Schwarzwild im Kerngebiet und der angrenzenden „Weißen Zone“ bis Ende März abzuschließen. Das gilt auch für die anderen Landkreise“, fordert Wendorff.

Allen sei bewusst, dass die Seuchenbekämpfung allen Beteiligten viel Kraft sowie einen hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand abfordere, so Wendorff. Ein richtiges und wichtiges Signal sei deshalb die Zahlung einer Aufwandsentschädigung für die Entnahme von Schwarzwild an die unterstützenden Jäger durch den Landkreis Märkisch-Oderland. Denn auf den Schultern der Jäger laste jetzt eine sehr hohe Verantwortung. „Bei allen eingeleiteten Maßnahmen ist uns bewusst, dass wir die Seuche hier stoppen müssen, sonst sind die Schweinehaltung und die Frühjahrsaussaat extrem gefährdet“, ergänzt der LBV-Präsident.

„Bejagung und Zaunbau müssen zentral koordiniert werden“

So sehen es auch die Mitglieder der Interessengemeinschaften (IGS) der Schweinehalter in Brandenburg, Sachsen und Thüringen sowie des Schweinewirtschaftsverbandes Sachsen-Anhalt, die am vergangenen Wochenende das ihrer Meinung nach viel zu lasche und inkonsequente Vorgehen des Landes Brandenburg bei der ASP-Bekämpfung in einer gemeinsamen Stellungnahme (White Paper) angeprangert hatten (top agrar berichtete).

Zwar hatten die Leiterin des ASP-Krisenstabes, Verbraucherschutz-Staatsekretärin Anna Heyer-Stuffer und Agrar-Staatssekretärin Silvia Bender zeitnah reagiert und sich mit Vertretern der IGS´s am 19.01.21 in einer gemeinsamen Online-Konferenz fachlich ausgetauscht. „Unsere Fragen, warum es kein einheitliches Bejagungskonzept gebe und weder die Bejagung noch der Zaunbau zentral koordiniert werde, blieben jedoch unbeantwortet“, kritisierte der Sprecher des Brandenburger Interessengemeinschaft, Frank Tiggemann, gegenüber top agrar.

Finanzieller Rettungsschirm fehlt

Sauer sind die Schweinehalter auch, dass es noch immer keinen finanziellen Rettungsschirm für die betroffenen Schweinehalter im Gefährdeten Gebiet gibt. Angeboten worden waren eine Transportunterstützung und ein Corona-Hilfspaket. „Uns wurde jedoch mitgeteilt, dass eine finanzielle Unterstützung der Schweinehalter in den Gefährdeten Gebieten aufgrund des EU-Subventionsrechtes nicht möglich sei“, so Tiggemann.

Unbeantwortet sei auch die Frage geblieben, ob das Land den Vorschlag der „Initiative Schweinehaltung Deutschland“ (ISD) weiter verfolgen werde, entlang der Autobahnen 10, 11, 13 und 17 die vorhandenen Wildschutzzäune zu verbinden und so eine zweite, wildschweinsichere Barriere zu schaffen (siehe top agrar-Meldung vom 19.01.21). Durch diese zusätzliche Abschottung könnte das ASP-Risikogebiet nach Auffassung der Landwirte nachvollziehbar eingegrenzt werden, was die Exportverhandlungen mit Drittländern wie China sicherlich erleichtere.


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