ASP: Schweinehalter sollen Sicherheitsmaßnahmen verschärfen

Das Bundeslandwirtschaftsministerium und das Bundesinstitut für Tiergesundheit rufen Schweinehalter auf, die Vorsorge gegen die Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest zu überprüfen und zu verschärfen. Einen Exportstopp hofft Minister Schmidt im Falle des Ausbruchs mit einem Regionalisierungskonzept zu vermeiden.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) und das Bundesinstitut für Tiergesundheit (FLI) rufen Schweinehalter auf, die Vorsorge gegen die Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu überprüfen und zu verschärfen. Einen Exportstopp hofft Minister Schmidt im Falle des Ausbruchs mit einem Regionalisierungskonzept zu vermeiden.

„Wir tun alles, um eine Einschleppung zu verhindern“, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in dieser Woche vor Journalisten in Berlin. Die Afrikanischen Schweinepest (ASP) werde nicht nur durch die Übertragung von Tier zu Tier sondern vor allem durch den Menschen verbreitet, so Schmidt. Neben den Aufrufen an die Bevölkerung keine ungekochten Schweinefleischprodukte aus Osteuropa mitzunehmen und außerdem keine Lebensmittel achtlos in offene Müllbehälter zu schmeißen, wandte sich Schmidt diese Woche auch explizit an die Schweinehalter. Sie könnten selbst zu einer Vermeidung einer Übertragung des Erregers in ihre Bestände viel beitragen, sagte Schmidt. Er rief dazu auf, dass alle ihre Hygienemaßnahmen im Stall, die komplette Reinigung der Transportfahrzeuge und eine Abschottung der Hausschweinbestände von Wildschweinen überprüfen und gegebenenfalls verschärfen sollten. Jeder Tierhalter habe eine eigene Verantwortung, betonte Schmidt.

ASP-Verdacht bei Haus- und Wildschweinen melden

Das Größte Problem bei der Übertragung der Afrikanischen Schweinepest seien nicht die Wildschweine, sondern der Mensch, sagte auch der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Prof. Thomas Mettenleiter. Die bisher in Osteuropa beobachtete Übertragung des Erregers über sehr große Entfernungen könne nicht von Wildschweinen stammen. „Jeder Schweinehalter hat es in der Hand, auf welchem Niveau er die Biosicherheitsmaßnahmen hält“, appellierte Mettenleiter die Schweinehalter zu eigenen Vorsichtsmaßnahmen. Er rief dazu auf, so schnell wie möglich, den Verdacht auf ASP sowohl bei Hausschweinen als auch bei gefundenen oder geschossenen Wildschweinen einem Veterinär zur Überprüfung zu melden. Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat gemeinsam mit der Universität Kiel für Wildfunde mittlerweile eine App entwickelt. Die Tierfund-Kataster-App könne für Android und das iPhone herunter geladen werden. Weitere Infos gibt es unter www.tierfund-kataster.de.

Keine Prozentvorgabe zur Dezimierung des Schwarzwildbestandes

Keine sachliche Begründung gibt es nach Auffassung von Prof. Mettenleiter für eine konkrete Zielvorgabe zur Dezimierung des Schwarzbildbestandes zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest. Die vom Deutschen Bauernverband (DBV) geforderte Reduzierung des Wildschweinebestandes um 70 Prozent beruhe lediglich auf einem Ausbruchsszenario unter sehr bestimmten Annahmen, so Mettenleiter. Er warnte vor unseriösen Zahlen in diesem Zusammenhang. In Deutschland gebe es überhaupt keine validen Zahlen über die Anzahl der lebenden Wildschweine sondern nur Näherungen. Klar sei allerdings, dass die gesamte Wildschweinpopulation ein Reservoir für das ASP-Virus darstelle. Eine stärkere Bejagung diene daher auch der Bekämpfung der Seuche, sei aber nicht die wichtigste und einzige Maßnahme, sagte Mettenleiter.

Regionalisierung soll Exportstopp verhindern

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt äußerte die Hoffnung, mit einer Regionalisierung im Falle eines Ausbruchs den Export aus anderen Regionen weiter offen zu halten. „Wir wollen den Ausbruch regional begrenzen, wo immer möglich“, sagte er. Bereits im Vorfeld will Schmidt dafür sorgen, dass die Einschränkungen für Schweinefleischlieferungen eingegrenzt und ein kompletter Exportstopp aus Deutschland im Falle eines Ausbruches vermieden werden könne. „Ich will einen Blick auf die Regionalisierung legen“, sagte Schmidt. Innerhalb der EU würde die Regionalisierung bereits greifen, da es in Osteuropa ja bereits betroffene Gebiete gebe, so Schmidt. International sei das BMEL bereits jetzt in Gesprächen mit dem Hauptimporteur von Schweinefleisch China, um dort das Vertrauen in die deutsche Produktion und Krisenvorsorge zu stärken. Auch EU-Agrarkommissar Phil Hogan habe ihm auf der Internationalen Grünen Woche zugesichert, dass er die Regionalisierung für einen möglichen Seuchenfall zu seinem Thema mache. Außerdem würde auch Hogan dafür bald nach China reisen, verdeutlichte Schmidt.

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