Afrikanische Schweinepest

ASP: Wendorff fordert Strategiewechsel

Die Forderung nach einem Ankauf und künftigem Verbot von Hausschweine-Kleinsthaltungen in von der ASP bei Wildschweinen betroffenen Regionen wird immer lauter.

Angesichts der drei ASP-Ausbrüche bei Hausschweinen in Brandenburg fordern der Präsident des Landesbauernverbandes (LBV) Brandenburg, Henrik Wendorff, und DBV-Veredlungspräsident Hubertus Beringmeier einen Strategiewechsel. Private Kleinsthaltungen von Schweinen in den von der ASP bei Wildschweinen betroffenen Regionen sollten nach Möglichkeit herausgekauft werden, um das Gesamtrisiko zu reduzieren.

Wendorff übte am Freitag (16.07.21) vergangener Woche zudem Kritik an der Potsdamer Landesregierung. „Als hochproblematisch empfinden wir die unzureichende Informationspolitik der zuständigen Verbraucherschutzministerin. Es ist höchst befremdlich, wenn in einer solchen Krisenlage mit der Presse, nicht aber mit den Betroffenen gesprochen wird“, so der LBV-Präsident.

Einheitliche digitale Informationsplattform fehlt

Wendorff bekräftigte die Forderung nach einem Strategiewechsel in der Seuchenbekämpfung. Bislang seien die Maßnahmen, die als zielführend erkannt worden seien, nicht schnell, konsequent und koordiniert genug umgesetzt worden. Die „Alibi-Krisenstäbe“ gehörten laut LBV abgeschafft.

Der Verband forderte neben dem Ankauf von Kleinstschweinehaltungen eine personelle Unterstützung für unterbesetzte Landkreise, die sofortige vollständige Entnahme der Wildschweinbestände, die Anordnung von Schlachtungen gesunder Tiere bei Annahmeverweigerungen der Schlachthöfe, die Schaffung einer einheitlichen digitalen Informationsplattform sowie den sofortigen Baubeginn weiterer Sicherheitszonen, vor allem des zweiten Schutzzauns an der Grenze zu Polen.

Letzteres forderte auch der Bundesverband Rind und Schwein (BRS). Er erklärte, es sei bitter, dass diese Situation vorhersehbar gewesen und es nicht gelungen sei, schnellere und bessere Präventivmaßnahmen durchzusetzen. Dazu hätte nach Auffassung des BRS neben dem Zaunbau auch ein „rechtssicheres Aufstallungsgebot“ in gefährdeten Gebieten gehört.

Kritik an Freilandhaltung

Regelrecht erzürnt zeigte sich auch der agrarpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Brandenburger Landtag, Johannes Funke, allerdings aus einem anderen Grund. „Ich bin ausgesprochen verärgert darüber, dass es angesichts der aktuellen Bedrohungslage immer noch Akteure in der Landespolitik gibt, die eine Freilandhaltung von Schweinen in Seuchenzeiten für praktikabel halten“, sagte Funke. Jetzt heiße es wegfahren oder einstallen. Nur mit Elektrodrähten werde niemand eine Seuche aufhalten, so der SPD-Agrarsprecher.

Tiere waren im Stall

Derweil wies der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) darauf hin, dass der betroffene Biobetrieb seine Tiere aufgrund einer amtlichen Anordnung schon seit September nicht mehr aus dem Stall habe lassen dürfen, weshalb die artgerechte Auslaufhaltung nicht als spezifischer Grund für die Ansteckung des Tieres infrage komme. Die üblichen strengen Infektionsschutzmaßnahmen, die für alle Betriebe gelten würden, habe der Hof eingehalten.

Es müsse deshalb von Infektionsquellen ausgegangen werden, die auch konventionelle Schweinehalter betreffen könnten, z.B. eine Erregerverschleppung durch den Menschen, Futter oder andere Infektionswege. Es sei jetzt an den Behörden, dazu Nachforschungen anzustellen und die Ausbreitung der infizierten Wildschweine im Umfeld der Infektionsregionen einzudämmen.

Jägerschaft in Krisenstab einbeziehen

Der Deutsche Jagdverband (DJV) nahm die ASP-Fälle in Hausschweinbeständen zum Anlass, seine Forderung zu erneuern, jetzt endlich die Jägerschaft in den zentralen Krisenstab Tierseuchen einzubeziehen. Die ASP-Bekämpfung sei eine nationale Aufgabe. Behörden auf kommunaler, Landes- und Bundesebene müssten dringend effektiver zusammenarbeiten“, mahnte DJV-Präsident Dr. Volker Böhning.

Erforderlich seien bessere politische Rahmenbedingungen für die Reduzierung der Schwarzwildbestände. Dazu gehören laut Böhning finanzielle Anreize wie eine kostenlose Trichinenuntersuchung sowie der Wegfall bürokratischer Hürden bei der Direktvermarktung von Wildbret. Beispielsweise sollte es bundesweit möglich sein, dass Jäger gemeinsam mit lokalen Metzgern die Direktvermarktung von Wildbret ausbauen könnten.


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