"Verantwortungslose Preissenkung"

WLV und HBV erwarten von Fleischbranche uneingeschränkte Solidarität

„Jede weitere Preissenkung wäre verantwortungslos!“, kritisieren Hubertus Beringmeier und Karsten Schmal mit Blick auf den Schweinepreis, den die Fleischbranche direkt nach dem ersten ASP-Fall senkte

Nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in brandenburgischen Wildschweinbeständen ist der Markt für Schweinefleisch und Ferkel in Deutschland unter starken Druck geraten. Am 11. September fiel der Erzeugerpreis für Schweinefleisch von 1,47 kg auf 1,27 €/kg Schlachtgewicht, der Preis für Ferkel sank parallel um 12 €.

Vor dem Hintergrund von Überlegungen der in Deutschland ansässigen Schlachtunter-nehmen, noch weitergehende Preissenkungen durchzuführen, erklärte der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) und Sprecher für den Bereich der Schweinehaltung im Deutschen Bauernverband, Hubertus Beringmeier, am Freitag in Münster:

„Der dramatische Einbruch der Erzeugerpreise als unmittelbare Reaktion auf den ASP-Nachweis war hart, hat aber dazu beigetragen, dass ein Chaos auf den Märkten vermieden wurde. Allen Beteiligten war und ist jedoch klar, dass eine kostendeckende Erzeugung von Ferkeln und Mastschweinen damit aktuell unmöglich ist. Wenn jetzt von einzelnen Schlachtunternehmen Überlegungen angestellt werden, die Erzeugerpreise noch weiter abzusenken, so ist dies schlicht verantwortungslos und wird auf den massiven Widerstand der Bauern treffen."

Die Erzeugerpreise in wichtigen Nachbarländern wie Dänemark, Spanien und Italien liegen derzeit zwischen 1,46 und 1,77 € je kg Schlachtgewicht und damit deutlich oberhalb des deutschen Preisniveaus. Hieran sollten sich die heimischen Schlachtunternehmen orientieren. Diese und ihre Abnehmer sieht Beringmeier hier gleichermaßen in der Pflicht. "Die deutschen Bauern erwarten keine Wertevernichtung, sondern uneingeschränkte Solidarität in wahrhaft schweren Zeiten!“

Schmal schreibt an Fleischerverband Hessen

Karsten Schmal

Karsten Schmal (Bildquelle: HBV)

Verärgert ist auch Hessens Bauernpräsident Karsten Schmal. "Diese massive Preissenkung ist unverhältnismäßig und auch nicht durch die von China, Japan und andere Länder verhängten Importstopps zu begründen. Sie treibt unsere Schweinehalter in den Ruin“, schrieb Schmal an den Landesinnungsmeister des Fleischerverbandes Hessen, Eckhart Neun. Er bittet ihn eindringlich, an seine Metzgerkollegen zu appellieren, an diesem für die Schweinehalter existenzbedrohenden Preisverfall nicht mitzuwirken. Damit würden die Metzger ein starkes Zeichen der Solidarität mit den Schweinefleischerzeugern setzen.

„Gleichzeitig sichern sie damit die von vielen Verbrauchern gewünschte regionale Versorgung mit hochwertigen Fleisch- und Wurstwaren aus heimischer Produktion. Unsere Schweinehalter erfüllen höchste Standards und liefern beste Qualität“, so Schmal. Faire und angemessene Erzeugerpreise seien dafür unabdingbar.


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Diskussionen zum Artikel

von Erwin Schmidbauer

Haha...

Solidarität, das ist was für Sonntagsreden. In der Geschäftswelt gibt es andere Bandagen, mit denen gekämpft wird. Das was ich in den letzten Jahren mit angeblich bäuerlichen und/oder landwirtschaftsnahen Genossenschaften und Organisationen erlebt habe, zeigt, dass die ... mehr anzeigen

von Karlheinz Gruber

Das Wort Solidarität

muß die Fleischbranche erst nachschlagen. Es ist ein unbekanntes Fremdwort für Sie und den Einzelhandel

von Rudolf Rößle

Amerika

Ich habe einen Freund der als Entwickler in einer Ammifirma arbeitet. Da zählt nur, was hinten an Gewinn am Ende rauskommt. Betriebsentscheidungen sind oft nicht nachvollziehbar und für einen Kugelschreiber musst du unterschreiben.

von Gerd Uken

Über 16.000 mehr an Schweinen wurden

In Deutschland letzte Woche geschlachtet- hat vielleicht auch da was mit zu tun?

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