Baden-Württemberg

Bauernvertreter sprachen mit Handel und Verarbeitung über Schweinepreisverfall

Joachim Rukwied, Klaus Mugele und Hans-Benno Wichert haben mit Vertretern von EDEKA Südwest, Kaufland sowie der Müller Gruppe und Vion Crailsheim über die Krise am Schweinemarkt gesprochen.

Die Schweinehaltung im Land befindet sich in der größten Krise seit Jahrzehnten. Der Schlachtschweinepreis ist auf 1,19 €/kg abgestürzt, der Ferkelpreis liegt in Baden-Württemberg auf desaströsen 23,20 € je Ferkel.

Die Situation auf den Höfen ist dramatisch. Der Präsident des Landesbauernverbandes (LBV) Joachim Rukwied und die Vizepräsidenten Klaus Mugele und Hans-Benno Wichert haben sich am Dienstag in einer Videokonferenz mit Vertretern von EDEKA Südwest, Kaufland sowie der Schlachtunternehmen Müller Gruppe und Vion Crailsheim über die Krise am Schweinemarkt und deren Auswirkungen auf die regionale Schweinehaltung ausgetauscht.

„In der Schweinehaltung sind in Folge dieser Krise bereits jetzt Strukturbrüche erkennbar. Wir brauchen umgehend ein klares Bekenntnis seitens Handel und Schlachtbranche zur regionalen Schweinfleischerzeugung“, bekräftigte Präsident Rukwied die Forderung des Berufsstandes beim Austausch mit Vertretern der Branche.

Die Beteiligten waren sich am Ende der Diskussion einig: Die Senkung der Erzeugerpreise löst keine Vermarktungsprobleme, sondern gefährdet die Schweine haltenden Familienbetriebe und letztendlich die Zukunft der regionalen Schweinefleischerzeugung in Baden-Württemberg. Ferkelerzeuger und Schweinemäster brauchen jetzt dringend positive Preissignale.

Stärkung der regionalen Produktion

Die EDEKA Südwest und Kaufland möchten die Vermarktung ihrer regionalen Produkte in der Krise nochmals stärken. In ihren unterschiedlichen Regionalprogrammen bieten sie weiter stabile Abnahmekonditionen für die Erzeugerseite. „Damit stehen wir unseren regionalen Schweinehaltern in dieser schwierigen Situation zur Seite“, bekräftigen die Handelsvertreter.

„Wir begrüßen es, dass sich die Akteure der baden-württembergischen Fleisch- und Handelsbranche gegen den Preisverfall am Schweinemarkt aussprechen und zumindest ihre Regionalprogramme stabil halten wollen. Zur Bewältigung dieser Krise müssen jedoch die Erlöse aller Schweinehalter schnellstmöglich deutlich erhöht werden“, betont Rukwied.

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Müller-Gruppe zahlt ab sofort zusätzliche Schweineprämie!

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„Wir haben bisher in unsere Programme jährlich mehrere Millionen Euro investiert. Wichtig ist, dass unsere Zuschläge jetzt auch kurzfristig bei den Ferkelerzeugern ankommen“, sagt Geschäftsführer Martin Müller (Bildquelle: Logo)

Am Gespräch beteiligt waren auch die Geschäftsführer der Müller Gruppe, Stefan und Martin Müller. Die Unternehmer aus Birkenfeld schilderten, dass die Müller Gruppe den Vertragspartnern ab sofort zusätzliche Prämien für ihre Schweine zahlt.

Die landwirtschaftlichen Betriebe sollen in drei Bereichen deutliche Zuschläge für ihre Schlachttiere bekommen.

Die Beteiligten seien sich am Ende der Diskussion einig gewesen, dass die Senkung der Erzeugerpreise keine Vermarktungsprobleme löst, sondern die Schweine haltenden Familienbetriebe und letztendlich die Zukunft der regionalen Schweinefleischerzeugung in Baden-Württemberg gefährdet.

Plus 2 €: „Geprüfte Qualität“ (GQ) und „Süddeutsches Schweinefleisch“ (SDS)

Der Zuschlag für die süddeutsche Ferkelherkunft wird bei allen angelieferten Vertragsschweinen der Programme GQ und SDS ab sofort gewährt. Davon profitieren die Ferkelerzeugerbetriebe, deren Tiere bei den Unternehmen der Müller Gruppe, Ulmer Fleisch GmbH und Süddeutsches Schweinefleischzentrum Ulm Donautal GmbH, angeliefert werden.

Einzige Voraussetzung dafür ist die Eingabe der kompletten VVVO-Nummern der Herkunftsbetriebe.

Verdoppelung des Tiergesundheitsbonus auf 1 €

Alle angelieferten Vertragstiere aus den Programmen GQ und SDS werden mit einem doppelt so hohen Tiergesundheitsbonus vergütet. Der „Müller Fleisch Tiergesundheitsbonus“, den das Unternehmen selbst entwickelt hat und seit Jahren gewährt, soll zur Stärkung der gesamten Wertschöpfungskette beitragen und zusätzlich einen Anreiz für weitere Tierwohlaufwendungen bieten.

Plus 2 €: Haltungsstufe II in Phase 3 der Initiative Tierwohl (ITW)

Ab dem 1. Januar 2021 zahlt das Unternehmen allen Vertragsschweinemästern, die sich neu für die ITW Haltungsstufe II anerkennen lassen, einen Übergangsbonus von 2 € pro Tier. Die Voraussetzung dafür ist die Vorlage des ITW-Zertifikats. Dieser Bonus ist vorerst bis zum 1. Juli 2021 befristet, weil dann der neue Zuschlag von 5,28 € pro Schwein für Haltungsstufe II ausbezahlt wird.

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