Landwirtschaft im Dialog

Benning: "Tier- und Umweltschutz bilden in der Schweinehaltung ein Dreamteam"

Im Vorfeld der Veranstaltung „Landwirtschaft im Dialog" sprachen wir mit Reinhild Benning von der Deutschen Umwelthilfe unter anderem darüber, wie sich Tier- und Umweltschutz vereinen lassen.

Mehr Tierwohl in den Ställen und bessere Arbeitsbedingungen an den Schlachthöfen: Was leistet der Markt und wo braucht es den Staat? Darüber diskutiert top agrar am 5. Mai ab 19 Uhr im Rahmen des Formats „Landwirtschaft im Dialog“ per Livestream. Im Vorfeld der Veranstaltung sprachen wir mit Reinhild Benning, Referentin für Landwirtschaft und Tierhaltung der Deutschen Umwelthilfe.

Verfolgen Sie die Veranstaltung am 5. Mai ab 19 Uhr live und kostenlos auf unserem YouTube-Kanal unter www.youtube.com/topagrar

Mehr Tierwohl geht häufig zu Lasten des Umweltschutzes und umgekehrt. Wie lässt sich dieser Zielkonflikt aus Ihrer Sicht lösen?

Benning: Wo sind die Belege für diesen angeblichen Zielkonflikt? Schon vor zehn Jahren hat der Nationale Bewertungsrahmen Tierhaltung gezeigt wie Klima- und Tierschutz optimal ineinandergreifen können. Untersuchungen aus Hessen und auch Fachpapiere in der Borchert-Kommission zeigen, dass Tierschutz und Klimaschutz z.B. in der Schweinehaltung ein Dreamteam bilden, mit dem Immissionen stark gesenkt werden können.

Welche Haltungssysteme sind aus Ihrer Sicht zukunftsweisend, um Tier- und Umweltschutz unter einen Hut zu bekommen?

Benning: Beispielsweise Weidehaltung, Offenfrontställe mit getrennten Funktionsbereichen für Schweine, Mobilställe für Geflügel und viele andere Haltungsverfahren, die im Nationalen Bewertungsrahmen Tierhaltung bei der KTBL nachzulesen sind. Wichtig sind außerdem die Sicherung der Flächenbindung, die heimische Herkunft der Futtermittel und Bestandsobergrenzen.

Wer jetzt nicht mitmacht bei der Transformation, könnte aus dem Markt fliegen wie vor 10 bis 15 Jahren die Käfigbarone. Heute gibt es gut 60 % mehr Legehennenbetriebe als damals, aber mit im Schnitt kleineren Tierbeständen in definierten besseren Haltungsverfahren, oft mit regionaler und verbesserter Wertschöpfung.

Stichwort Regionalisierung: Was muss sich in der Schlachtbranche und der Vermarktung ändern?

Benning: China will den Fleischkonsum bis 2030 halbieren, Russland exportiert bereits Fleisch, diese Exportmärkte schrumpfen. Menschen in Deutschland essen weniger Fleisch, mehr teure vegetarische Produkte und sie fragen bestimmte Qualitäten beim Fleisch nach. Wachsende Segmente innerhalb des schrumpfenden Fleischmarktes sind Bio, ohne Gentechnik, Antibiotika-frei und natürlich die von unabhängiger Seite definierten Tierschutzprodukte von bäuerlichen Betrieben. Das bietet Chancen für neue regionale Markenprogramme mit den oben definierten Qualitäten, besonders auch für handwerkliche Metzgereien.

Umstellungswilligen Landwirtschafts- und Schlachtbetrieben empfehle ich die Programme der Europäischen Innovationspartnerschaft zu nutzen, um die Marktdifferenzierung auf Länderebene für eine bessere, stabilere Wertschöpfung bei einer insgesamt sinkenden Tierzahl aktiv voran zu bringen. Der Handel konkurriert zunehmend über Nachhaltigkeits-Produkte und wird das annehmen, zumal Regionalität als Megatrend begriffen wird.

"Wer weiter Masse für den Massen- und Exportmarkt produziert und dabei Bäuerlichkeit, Beschäftigte, Tierschutz, Antibiotikaverbrauch und Umwelt nicht achtet, muss zunehmend mit dem Druck der Gesellschaft rechnen." - Benning

Die Überkapazität an Schlachthaken in Großschlachthöfen könnte in absehbarer Zeit abgewrackt werden, zumal große Fleischkonzerne massiv in Fleischalternativen investieren. Erweiterungspläne einiger Schlachtkonzerne spiegeln eher Konzentrations-Machtkämpfe wider - oft auf Kosten der Tierhalter, die bei zunehmender Konzentration weniger Wahl beim Verkauf ihrer Schlachttiere haben. Für dieses Segment dürften Erzeugerpreise im unteren Bereich volatil bleiben und weiter das Eigenkapital der Erzeugerbetriebe gefährden.

Das genaue Programm und welche Referenten noch bei der digitalen Veranstaltung teilnehmen, lesen Sie hier:


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