Beringmeier: „Hauspreise der großen Unternehmen sind eine Frechheit!“

Schlachtschweine sind rege gefragt, weil das Angebot im Hinblick auf die Nachfrage vergleichswiese klein ausfällt. Schweinemäster haben überhaupt keine Probleme, auch für das Wochenende schlachtreife Tiere am Markt unterzubringen.

Hubertus Beringmeier (Bildquelle: Archiv)

Schlachtschweine sind rege gefragt, weil das Angebot im Hinblick auf die Nachfrage vergleichswiese klein ausfällt. Schweinemäster haben überhaupt keine Probleme, auch für das Wochenende schlachtreife Tiere am Markt unterzubringen.

Deshalb ist der Ärger unter den Landwirten groß, dass die führenden Schlachter Deutschlands, darunter die beiden großen westfälischen Unternehmen Tönnies und Westfleisch, von der Preisempfehlung der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften abweichen und sogenannte „Hauspreise“ zahlen, die drei Cent unter dem Nordwestpreis liegen, erklärte der Bauernverband WLV am Freitag. Für Vertragsmäster kürzt die Westfleisch SCE den Vereinigungspreis allerdings lediglich um einen Cent.
 
„Das Gebaren der großen Schlachter ist besorgniserregend“, sagte Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des WLV-Veredlungsausschusses, heute in Münster. Während mittelständische Unternehmen und die Erzeugergemeinschaften ihren Lieferanten und Mitgliedern ohne Murren den Nordwestpreis zahlten, gelinge es den Marktführern wie von Zauberhand eine eigene Linie bei der Preisgestaltung zu finden.

„Für mich riecht das nach Abstimmung“, so Beringmeier. Es stimme ihn nachdenklich, dass die Marktmarkt der größten Schlachtunternehmen mittlerweile so dominant sei, dass sie gegen die Marktentwicklung agieren könnten. Ganz offensichtlich gelinge es ihnen zunehmend, das Marktrisiko beim Verkauf von Fleisch und Fleischerzeugnissen auf die Erzeugerseite abzuwälzen.
 
Beringmeier appelliert an die Schweinehalter, ihr Vermarktungsverhalten kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, wer ein verlässlicher Marktpartner sei, ganz gleich ob es sich um Viehhandelsunternehmen, Erzeugergemeinschaften oder Schlachtunternehmen handele. „Ich will, dass der Vereinigungspreis die Richtschnur bleibt“, so der Landwirt, denn die Vereinigung von Erzeugergemeinschaften sei gezwungen marktgerechte Preise zu finden.

Die Erzeugergemeinschaften zahlten ihren Mitgliedern den ermittelten Preis und übernähmen damit die wirtschaftliche Verantwortung für ihr Tun. Dies wünsche er sich auch von den großen Schlachtunternehmen. Deren Verhalten schwäche die Wettbewerbskraft der heimischen Schweinehalter und gefährde die Bedeutung des Nordwestpreises insgesamt.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Henrik Plaas-Beisemann

200 Jahre Raiffeisen

- die Genossenschaftsidee,die Westfleisch und der Hauspreis. War die Genossenschaftsidee nicht, gemeinsam mehr am Markt zu erzielen? Der Schweinepreis ist derzeit nun wahrlich nicht überzogen hoch. Wenn die rote Seite so weiter macht, steigen noch mehr schwächere Schweinemäster aus und die stärkeren bekommen keine Genehmigung mehr zum Wachsen, am Ende fehlen in ein paar Jahren die Schweine. Die Metzger sollten doch wissen, dass man sich nicht ins eigene Fleisch schneidet.

von Gerhard Steffek

Beim Geld hört sich die Freundschaft auf!

Wenn die großen Schlachter so knausern, dann muß halt rigoroser Weise das Schwein dahingehen wo es den besten Preis bekommt. Angebot und Nachfrage regeln den Preis!

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