Antibiotikaresistenzen

BMEL: Antibiotikaeinsatz in Nutztierhaltung sinkt um 32%

Julia Klöckner hat heute die Ergebnisse des Antibiotikaminimierungskonzeptes im Kabinett vorgestellt. Die stärkste Reduktion wurde bei den Schweinen erreicht.

Antibiotikaresistenzen sind in der Human- und Veterinärmedizin ein schwerwiegendes, weltweites Problem. Um der Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen im Bereich der Tierhaltung entgegen zu wirken, wurde in Deutschland im Jahr 2014 mit der 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes ein nationales Antibiotikaminimierungskonzept für Masttiere eingeführt. Die veröffentlichten Zahlen umfassen den Zeitraum des zweiten Halbjahres 2014 bis einschließlich 2017. Das Bundeskabinett befasste sich in seiner heutigen Sitzung mit dem Bericht, den Bundesministerin Julia Klöckner vorstellte.

Zentrale Ergebnisse sind:

  • Die Gesamtverbrauchsmenge an Antibiotika bei allen sechs Nutzungsarten sank im untersuchten Zeitraum von 298 Tonnen auf 204 Tonnen, sie reduzierte sich damit um 31,6 Prozent.
  • Die stärkste Reduktion wurde bei Schweinen erreicht: Mastferkel minus 46 Prozent (von 87,5 t auf 47,2 t); Mastschweine minus 43 Prozent (von 115 t auf 65,2 t).
  • Mastputen minus 4 Prozent (von 38,1 t auf 36,7 t); Masthühner minus 1 Prozent (von 29,7 t auf 29,5 t); Mastkälber minus 4 Prozent (von 26 t auf 25 t).
  • Bei Mastrindern betrug die errechnete Reduktion minus 76 Prozent. Die absolut eingesetzten Mengen waren mit 1,7 t am Anfang und 0,4 t am Ende des Beobachtungszeitraums insgesamt sehr gering.
  • Reserveantibiotika wurden bei Schweinen und Rindern in geringem Umfang eingesetzt (jeweils weniger als 10 Prozent der jeweiligen Verbrauchsmenge). Bei Masthühnern und Mastputen mit einem Anteil von rund 40 Prozent der jeweiligen Verbrauchsmenge.

„Zu viel Antibiotika haben in Ställen und vor allem in Tieren nichts zu suchen! Mein Ministerium arbeitet intensiv an der Reduzierung.“, sagte Bundesministerin Julia Klöckner. Durch die Evaluierung seien erstmals behördliche Zahlen zur Höhe der Anwendung von Antibiotika in der Tiermast bei bestimmten Tierarten, nämlich Schweinen, Rindern, Hühnern und Puten, erhoben worden. Die Resistenzlage insgesamt habe sich verbessert. Der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast wurde insgesamt um knapp ein Drittel reduziert. „Vor allem die erheblichen Reduktionen bei Mastschweinen und Mastferkeln zeigen: Unser innovatives System zur Antibiotikaminimierung funktioniert.“, so die Ministerin weiter.

Hohe Anteil an Reserveantibiotika

Deutlich geringer, so geht es aus dem Bericht hervor, sind die Verbrauchsmengen von Antibiotika bei Masthühnern und Mastputen zurückgegangen. Auch der Umfang des Einsatzes so genannter Reserveantibiotika, also Antibiotika, die in erster Linie der Behandlung bestimmter Infektionskrankheiten beim Menschen dienen, ist zu hoch bei diesen Nutzungsarten. Sie beträgt fast 40 Prozent des Gesamtverbrauchs. „Der hohe Anteil an Reserveantibiotika ist nicht akzeptabel. Die Branche steht hier in der Pflicht, zu handeln. Das werden wir überprüfen.“, sagte Klöckner. Die Ministerin erwartet auch von der Branche selbst konkrete Vorschläge und Aktivitäten. Andernfalls werde das BMEL gesetzgeberisch tätig werden.

Die Redaktion empfiehlt

Der Antibiotikaeinsatz in QS-Betrieben ist bei alle Tierarten rückläufig. Zwischen 2014 und 2018 sank die im QS-System erfasste Abgabe von Antibiotika um 35,7 %.

John Deere stellt neue Traktoren der Serie 6M vor

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Christina Lenfers

Redakteurin top agrar Online

Schreiben Sie Christina Lenfers eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen