Schweinekrise

BMEL arbeitet an Wiederöffnung des Exportmarktes für Schweinefleisch

Das Landwirtschaftsministerium versucht Regionalisierungsabkommen für den Export von Schweinefleisch in Drittländer zu erreichen. China will nun zumindest mit den Chefveterinären darüber beraten.

Seit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen im September liegt der Drittlandsexport von Schweinefleisch so gut wie brach. Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) bekräftigte am Donnerstag, dass es weiter in intensiven Verhandlungen mit dem wichtigsten Drittlandsimporteur für Schweinefleisch China ist.

Gespräche der Chefveterinäre über Regionalisierung

Die Staatssekretärin im BMEL, Beate Kasch, habe in den zuletzt geführten Gesprächen mit der chinesischen Hauptzollbehörde und dem chinesischen Landwirtschaftsministerium erreicht, dass die chinesische Seite bereit ist, die Gespräche zunächst auf Ebene der Chefveterinäre fortzusetzen, heißt es. In den Mittelpunkt der Gespräche will das Ministerium den Wunsch der Anerkennung der Regionalisierung stellen, damit ein Export aus ASP freien Gebieten in Deutschland wieder möglich wird.

Chinesischer Fragenkatalog ist beantwortet

Kürzlich habe das BMEL bereits einen umfassenden chinesischen Fragenkatalog an das chinesische Landwirtschaftsministerium übermittelt. Darin sei es unter anderem um die ergriffenen Maßnahmen, damit sich die ASP nicht weiter verbreitet, die Verhinderung von Neueinträgen nach Deutschland sowie zur Früherkennung von ASP-Ausbrüchen in der Wild- und Hausschweinepopulation Deutschlands gegangen. Eine Reaktion der Volksrepublik China auf den Fragenkatalog stehe aber bisher aus, heißt es beim BMEL weiter.

Bisher hat kein EU-Land eine Regionalisierung mit China erreicht

Nach dem ersten Auftreten ASP bei Wildschweinen in Deutschland am 10. September 2020 haben zahlreiche Drittländer, darunter China, Deutschland für den Export von Schweinefleisch gesperrt. Obwohl das Prinzip der Regionalisierung international anerkannt ist, ist es weder der EU noch einem anderen Mitgliedstaat bisher gelungen, bei der Volksrepublik China eine Akzeptanz der Regionalisierung im Hinblick auf ASP zu erreichen.

Kanada führt weiterhin deutsches Schweinefleisch ein

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat derweil gestern mit der kanadischen Agrarministerin Marie-Claude Bibeau über den Export von Schweinefleisch in das Land gesprochen. Sie dankte ihr nach Informationen aus dem BMEL ausdrücklich, dass Kanada trotz Ausbruch der ASP bei Wildschweinen in Deutschland den Export von Schweinefleisch aus nicht betroffenen Gebieten weiterhin ermöglicht.

Mittlerweile 293 ASP-Fälle bei Wildschweinen nachgewiesen

Nach wie vor sind Hausschweinbestände in Deutschland frei von ASP. Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) hatte allerdings gestern und heute (10.12.20) fünfzehn weitere ASP-Funde in den brandenburgischen Landkreisen Oder-Spree und Märkisch-Oderland bestätigt. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der ASP-Funde bei Wildschweinen in Deutschland auf 293. Um wieder als ASP-frei zu gelten und frei exportieren zu können, muss Deutschland nachweisen, dass mindestens 12 Monate keine ASP-Funde mehr aufgetreten sind.


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