Interview

Borchert: „Die Bauern müssen den Umbau der Tierhaltung wollen“

Trotz Machbarkeitsstudie bleibt der politische Widerhall zum Umbau der Tierhaltung verhalten. Jochen Borchert hofft, dass der Wahlkampf die Pläne positiv befeuert und fordert eine zügige Umsetzung.

Vor drei Wochen gab eine Machbarkeitsstudie grünes Licht für die rechtliche Umsetzung der Borchert-Pläne zum Umbau der Tierhaltung. Nach dem ersten medialen Echo haben sich die politischen Bemühungen um den Plan wieder abgekühlt. Der treibende Kopf hinter den Vorschlägen, der Vorsitzende des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung Jochen Borchert, erläutert im Interview, warum er weiter für eine zügige Umsetzung kämpft.

top agrar: Herr Borchert, wie bewerten Sie die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie?

Borchert: Ich bin positiv beeindruckt. Die Machbarkeitsstudie ist ja zu dem Ergebnis gekommen, dass die Empfehlungen des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung (KNW) umsetzbar sind. Natürlich gibt es noch Einzelheiten zu klären, die Punkte sind laut Aussage der Rechtsanwälte aber lösbar.

In der Machbarkeitsstudie stehen ­verschiedene Finanzierungsmodelle. Welches favorisieren Sie?

Borchert: Da lege ich mich noch nicht fest. Wir werden das zuerst in der Kommission beraten. Fakt ist aber, dass der administrative Aufwand bei der Erhebung der Verbrauchssteuer groß ist. Zudem sehe ich Probleme, dass wir bei diesem Modell ­gegebenenfalls Landwirte in anderen EU-Ländern fördern müssen. Die Anhebung der Mehrwertsteuer bei tierischen Produkten von 7 auf 19 % ist viel einfacher. Wie einfach das gehen kann, zeigt uns die Erhöhung der MwSt. in der Coronakrise. ­Alternativ könnten wir auch den MwSt.-Satz auf alle Lebensmittel erhöhen. Und zwar von 7 auf ca. 10 %.

Diskutiert wird auch über eine Ergänzungsabgabe auf die Einkommenssteuer. Welche Chance hat das Modell?

Borchert: Europa- und verfassungsrechtlich ist der sogenannte Fleisch-Soli überhaupt kein Problem. Abwarten muss man, was die Abgeordneten sowie die Finanz- und Haushaltspolitiker dazu sagen. Das könnte durchaus Gegenwind geben, denn wir haben ­gerade erst den Soli für den Aufbau Ost abgeschafft.

Beim Soli würden Geringverdiener ­weniger stark belastet, Gutverdiener zur Kasse gebeten. Richtig?

Borchert: Das ist so. Denn ein an die Einkommenssteuer gekoppelter Soli in Höhe von z. B. 1 % entlastet die ein­kom­mensschwachen Schichten und bit­tet die Gutverdiener stärker zur Kasse.

Die Mehrwertsteuer ist nicht zweckgebunden. Wie bekommen die Landwirte dann langfristig sicher ihr Geld?

Borchert: Die Idee der Zweckbindung müssen wir aufgeben. Denn damit ist erstens das Problem der Diskriminierung von Produkten aus anderen Ländern verbunden. Zweitens kann die Zweckbindung vom Parlament jederzeit wieder aufgehoben werden. Die Zahlungssicherheit kommt erst durch Verträge mit dem Staat. Wenn...


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Weiterhin von den NGOs etc.angeprangert werden.Da können wir machen was wir wollen.Die Politik schützt uns nicht davor und "sattelt immer noch einen drauf". Wie blöd muss man sein in einen Bereich zu investieren der von reiner Willkür abhängig ist ??? In dem Effizienz bestraft ... mehr anzeigen

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Borchert...die Landwirte müssen es wollen.

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Leider kann man nur verbal

applaudieren. Klatsch, klatsch. Sehr guter Kommentar. Bitte mal an die Regierung schicken

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Sicherheit in die Tierhaltung keinen cent mehr investieren! Von mir aus holt eure Lebenmittel aus der letzten Ecke dieser Welt! Diese Bürokratie in Landwirtschaft und Wirtschaft ist nicht mehr erträglich! Und zusätzliche Auflagen wird man alleine stemmen müssen. Also Leute so gehts ... mehr anzeigen

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Ich empfehlen dann 2-beinige Tiere mit akademischen Titeln aufzustallen.

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nur mal für Sie so zur Info von meiner Basisseite her. Der Wille zum Umbau wäre ja da und ich tu auch für die Tiere immer wieder investieren, trotz schlechter Zeiten. ABER ich habe langsam die Schnauze voll. Was hilft mir mein Wille, wenn es einen Willen außerhalb der LDW gibt, der ... mehr anzeigen

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Die Bauern müssen wollen!

Diese tolle Formulierung enthält bereits das Grundprinzip dieses vollkommen überflüssigen Borchert-Planes: Zwang !!!

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So ein Quatsch

90 Prozent in Deutschland müssen schauen das sie finanziell über die Runden kommen die werde keinen Cent mehr für ihr Fleisch ausgeben wenn es Alternativen gibt soll für uns ausser Spesen auch noch was ankommen müsste Schweinefleisch doppelt so teuer sein wie zur Zeit und das in der ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Warum muss man so maßlos übertreiben?

Wenn der Erzeuger 50 Cent mehr pro kg erhält, ist damit beinahe jede Haltungsform möglich. Das wären 5 cent pro 100 g Aufschnitt. Also quasi kaum zu merken. Vorausgesetzt, Handel und Verarbeiter machen sich nicht wie gewohnt die Taschen voll.

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Entschuldigung

Aber so ein politischer (...)!!!!!!! Wir sind doch nicht die Knechte der Nation, das wir für eine verblödete Gesellschaft arbeiten zum Nulltarif. Entweder die LEH bezahlen den Aufwand oder sonst können Sie sich ihre Tierwohlprodukte aus dem Ausland holen, das dumme nur die haben auch ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Ginge das auch ohne den verbalen Angriff?

?

von Hans Spießl

es sind Vorschläge, nur Ablenkung...

und gerade Borchert Kind einer Flüchtlingsfamilie die vor der Planwirtschaft geflüchtet ist müsste im Grunde wissen was Das Bedeutet Planwirtschaft, Vorgaben des Staates.... wirklich nix gelernt..... oder schon vergessen

von Andreas Gerner

Das "Wollen" ist schwierig,

solange gar nicht klar ist, ob es eine Finanzierung geben wird, mit der man dann etwas verdienen kann. Vom Buckeln ohne Lohn hat die Branche längst die Nase gestrichen voll.

von Peter Beiersdorfer

Nein Herr Gerner

das geht nicht mehr! Allein wie Kollege Meier schon geschrieben, die Formulierung die Bauern müssen es wollen. Bitte wenn Sie der Meinung sind ,weil eine Minderheit im Volk durch die neureichen NGOs eine Meinung der Mehrheit aufzwingen wollen, dann ist bei mir die rote Linie ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Denn dann werden die staatlichen Vorgaben erhöht...

Das ist ein klare Kampfansage an die Bauern. Entweder ihr spurt, oder wir ziehen die Daumenschrauben stärker an. Wieso soll man da noch etwas investieren? Besonders für die ältere Generation ist dies eine deutliche "Empfehlung" den Betrieb auslaufen lassen. Es gibt auch ein Leben ohne Schweine!

von Dirk Rathmann

Nee Herr Borchert! Alle müssen das (bezahlen) wollen!

Der Bauer KANN nicht mehr! Der Politik (in der allergrößten Mehrheit) ist die deutsche Landwirtschaft scheißegal! Sonst hätten sich schon mal einige VOR die Landwirtschaft gestellt, aber das traut sich keiner. Er will ja gewählt werden. Der Verbraucher will günstig und dabei ist ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

UMLAGE !!!

Keine Steuer. Geht beim Strom auch: EEG Umlage. Zweckgebunden. Kein Problem. Nur deutsche Erzeuger von regenerativem Strom werden gefördert. Kein Problem. Jede Kwh wird verteuert. Kein Problem.

von Dietmar Weh

Man muß sich Fragen wer zu diesen Bedingungen nicht mehr Will oder Kann!

Für die muß eine Ausstiegsperspektive geschaffen werden. Ansonsten haben wir die schlechte Presse bis zum Sanktnimmerleinstag.

von Gerhard Steffek

Schlechte Presse bis zum Sanktnimmerleinstag?

Nein, das wird nur so lange dauern wie es Tierhaltung in Deutschland gibt. Eher wird es hier keine Ruhe geben, da die Querulanten immer ein Haar in der Suppe finden werden, schließlich ist dies ihre Einkommensgarantie.

von jörg Meyer

Blöde Überschrift

Sie Bauern müssen von der Tierhaltung leben können ohne 80 Stunden-Woche und mit Sonn- Feiertags- und Nacht- und Überstundenzuschlag, mit freien Wochenende (hin und wieder und der Möglichkeit auch mal krank sein zu dürfen und in Urlaub zu fahren und gelichzeitg wie von der ... mehr anzeigen

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