Geseker Schweineabend

Borchert-Konzept mit Hochdruck vorantreiben

Der diesjährige Geseker Schweineabend war wieder einmal mit hochkarätigen Referenten besetzt. Diskutiert wurde über die Zukunft des Borchert-Konzepts und die aktuelle ASP-Situation.

„Es ist ein politisches Versagen der ehemaligen Bundesregierung, dass die Borchert-Pläne zum Umbau der Nutztierhaltung trotz breiter parlamentarischer Zustimmung nicht mehr umgesetzt wurden“, beklagte der ehemalige agrarpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Friedrich Ostendorff, anlässlich des 33. Geseker Schweineabends, der am vergangenen Dienstag coronabedingt zum zweiten Mal online stattfand. Rund 280 Zuschauer verfolgten die Online-Vorträge und Diskussionen der Veranstaltung, zu der die Tierarztpraxis Vivet und der Landwirtschaftliche Ortsverein Geseke eingeladen hatten. Ostendorff referierte dabei zum Thema „Umbau der Nutztierhaltung – wie geht es weiter mit den Plänen der Borchert-Kommission“.

Dem LEH nicht das Feld überlassen

Es ärgere ihn aber auch, dass der Begriff „Borchert“ im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung an keiner Stelle erwähnt werde, erklärte Ostendorff, der bei den letzten Bundestagswahlen nicht mehr kandidiert hatte. Denn das Konzept sei gut und man dürfe es nicht allein dem Handel überlassen, die Eckpunkte für den geplanten Umbau der Nutztierhaltung zu formulieren. Ostendorff appellierte daher an die Bäuerinnen und Bauern, ihre Forderungen klar und deutlich an die Parlamentarier heranzutragen. Die Politik müsse den Umstrukturierungsprozess aktiv begleiten und den landwirtschaftlichen Familienbetrieben endlich eine Zukunft weisen sowie eine wirtschaftliche Perspektive bieten.

Die Gespräche zwischen der Borchert-Kommission und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir sollten jetzt so schnell wie möglich aufgenommen werden, mahnte Ostendorff. Denn durch die katastrophale Preissituation am Ferkel- und Schweinemarkt verliere Deutschland von Tag zu Tag mehr Veredlungsbetriebe. Und der drohende Strukturbruch sei für den ländlichen Raum tödlich.

ASP: Früherkennung ist das A und O

Interessante Erkenntnisse liefert die Veranstaltung auch zur Afrikanischen Schweinepest. ASP-Experte Dr. Klaus Depner vom Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems betonte noch einmal, wie wichtig es für eine schlagkräftige Bekämpfung des Virus sei, Seucheneinträge so früh wie möglich zu erkennen. Das gelte für Haus- ebenso wie für Wildschweine.

Man könne die Übertragungsrate unter Wildschweinen nur dadurch vermindern, indem man die Bewegungsfreiheit infizierter Tiere durch rechtzeitige Zaunbaumaßnahmen einschränkt und dafür sorgt, dass die noch gesunden Tiere möglichst keinen Kontakt zu infizierten Schwarzkitteln bekommen. Deshalb sei es so wichtig, Wildschweinkadaver möglichst früh aufzuspüren und aus der Natur zu entfernen.

Verendete Schweine virologisch untersuchen

In Hausschweinebeständen biete die virologische Untersuchung verendeter Tiere die besten Chancen, Infektionen früh zu erkennen. Die Wahrscheinlichkeit hier fündig zu werden, sei wesentlich größer als bei einer Zufallsstichprobe. Deshalb werden beim ASP-Früherkennungssystem wöchentliche die beiden zuerst verendeten über 60 Tage alten Schweine untersucht.

Entscheidend für den Schutz der Bestände sei das Einhalten sämtlicher Biosicherheitsmaßnahmen. Der Bau eines wildschweinsicheren Zaunes oder einer Hygieneschleuse allein reiche jedoch nicht. Wichtig sei auch, dass die Biosicherheitsmaßnahmen tagtäglich gelebt werden. Denn die größte Übertragungsgefahr gehe immer noch von menschlichem Fehlverhalten aus.

Doppelzaun entlang der polnischen Grenze fast fertig

Dass Zäune keine unüberwindbare Hürde für Wildschweine darstellen, stellte Amtstierärztin Petra Senger vom Landkreis Oder-Spree klar. Sie können lediglich Barrieren sein, die die Bewegungsfreiheit der Tiere einschränken und dadurch die Ausbreitung der Seuche erschweren. Allein im Landkreis Oder-Spree wurden inzwischen 600 km feste und 400 km mobile Zäune zum Schutz vor der ASP verbaut, berichtete Senger.

Ganz wichtig sei die Schaffung einer „weißen Zone“ durch einen Doppelzaun entlang der polnischen Grenze, um ein Nachwandern infizierter Schwarzkittel von Polen zu verhindern. Inzwischen arbeiten alle Landkreise mit Hochdruck entlang der Bundesgrenze an diesem Projekt. Frau Senger rechnet damit, dass die letzten Zaunelemente in den nächsten Wochen aufgestellt werden. In den nächsten zehn Jahren werde man aber immer wieder damit beschäftigt sein, die „weiße Zone“ dauerhaft wildschweinfrei zu halten.

Vorsichtig optimistisch

Durch das Verknüpfen der Fundstandorte mit den vom FLI geschätzten Liegezeiten der Kadaver in einer Datenbank könne man inzwischen besser abschätzen, wo die Seuche hinläuft und dort rechtzeitig Schutzmaßnahmen ergreifen. Es sei klar erkennbar, dass es erkrankte Tiere ans Wasser bzw. an die Gewässerläufe zieht. Im Moment arbeite man daran, den Scharmützelsee südlich von Fürstenwalde/Spree als westliche Schutzbarriere auszubauen.

Die Wildschweinedichte in den eingezäunten Gebieten sei nach wie vor hoch, berichtete die Amtsveterinärin. Inzwischen würden aber immer weniger ASP-positive Tiere entdeckt. Deshalb sei sie vorsichtig optimistisch, dass man die Seuche doch noch gebremst bekomme. „Doch selbst wenn uns das gelingt und wir noch so sorgfältig arbeiten, werden wir in Deutschland immer kleine Risikogebiete behalten, in denen sich das Virus hartnäckig hält“, vermutet Virologe Dr. Depner. Die Wahrscheinlichkeit, ganz ASP-frei zu werden, schätzt er daher als nicht allzu groß ein.


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