BRS Fachtagung

Borchert: Landwirte müssen Umsetzung der Nutztierstrategie fordern!

Auf der Fachtagung vom Bundesverband Rind und Schwein (BRS) diskutierten die Teilnehmer über die Zukunft der deutschen Tierhaltung. Vor allem die Kommunikation muss sich verbessern, so das Fazit.

Unter dem Motto „2021 – Schicksalsjahr für die deutsche Tierhaltung?“ fand am vergangenen Montag die Fachtagung des Bundesverbands Rind und Schwein (BRS) in Neumünster statt. Rund 250 Teilnehmer waren der Einladung des BRS in die Holstenhallen gefolgt. Die Tagung musste 2020 Corona bedingt ausfallen, der Aktualität des Themas tat dies jedoch keinen Abbruch: „Das Schicksalsjahr ist nicht bloß um ein Jahr verschoben – momentan ist die Lage auf den Höfen noch schlimmer“, spielte Moderator Sönke Hausschild vom Bauernverband Schleswig-Holstein auf die anhaltende Preiskrise insbesondere für die Nutztierhalter an..

Nach der Begrüßung durch den BRS-Vorsitzenden Georg Geuecke, fasste der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert die Pläne des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung für die Zuhörer zusammen. Da sich die Umsetzung der Strategie weiter hinauszögert, appellierte er an die Landwirte: „Sie müssen die Umsetzung fordern! Ohne Druck durch die Nutztierhalter wird es keinen finanziellen Ausgleich für die Umgestaltung der Tierhaltung geben, stattdessen werden Änderungen durch Gerichtsurteile ohne Mehrerlöse bestimmt“, lautet seine Befürchtung.

Schmitz: Bisherige Leistungen wenig gewürdigt

Zweifel an der Realisierung der Bochert-Pläne übte der emeritierte Agrarökonom der Universität Gießen, Prof. Michael Schmitz. Aktuell seien die deutschen Nutztierhalter erheblichen Wettbewerbsnachteilen ausgesetzt. Denn die gesellschaftlichen Ansprüche an das Tierwohl seien in Deutschland der fachlichen Notwendigkeit weit voraus. „Die bisherigen Fortschritte in der Nutztierhaltung werden von der Borchert Kommission zu wenig gewürdigt“, kritisierte er. Dass der Verbraucher langfristig mehr Geld für Lebensmittel ausgeben werde, zweifelt der Agrarökonom an.

Agieren statt Reagieren

Dr. Michael Lendle von der AFC Consulting Group in Bonn analysierte anschließend die Kommunikation in der Agrarbranche. Er lobte, dass die Landwirte durch Aktionen wie den grünen Kreuzen versuchten, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Allerdings werde dabei ausschließlich negative Stimmung verbreitet, so Lendle. Er forderte die Landwirte und insbesondere die Berufsverbände auf, künftig mehr zu agieren statt nur zu reagieren. „Werden Sie laut! Sorgen Sie für Transparenz auf den Höfen! Zeigen Sie, was Landwirtschaft alles leisten kann, statt sich zu rechtfertigen!“, lautete seine Empfehlung. Die Verbraucher zu erreichen, sei das A und O einer erfolgreichen Branchenkommunikation.

Zudem mahnte er die Verbände gut vorbereitet in Verhandlungen mit der Politik zu gehen und klare Forderungen zu formulieren. Die NGOs täten dies schließlich auch. „Die bevorstehenden Änderungen durch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung drehen wir nicht zurück. Wir können aber verhindern, dass die Einschränkungen noch größer werden“, so sein Appell.

Zuvor hatten die Landwirte Jörg Struve und Michael Petersen die umgesetzten Tierwohlmaßnahmen auf ihren Schweine- bzw. Milchviehbetrieben in Schleswig Holstein vorgestellt. Für beide ist die Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiger Schlüssel für langfristige gesellschaftliche Akzeptanz in der Nutztierhaltung. „Wir müssen mit innerer Überzeugung nach vorne gehen“, forderte Jörg Struve seine Berufskollegen auf.


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