Konfrontation

Branche verärgert: Robert Tönnies für Schlachtbetäubung mit Helium

Robert Tönnies macht sich erneut keine Freunde in der Schlachtbranche: Er fordert eine flächendeckende Umstellung von CO2-Betäubung auf teures Helium. Auf die Schlachthöfe kämen hohe Umbaukosten zu.

Mit den heimlich erstellten Videoaufnahmen der CO2-Betäubung von Schweinen im Schlachthof Kulmbach ist das Thema wieder in den Fokus gerückt. Auch Schlachthofleiter Dirk Grühn soll bestätigt haben, dass die Betäubung mit Kohlendioxid suboptimal und mit 30 Sekunden definitiv zu lang sei, berichtet die Wirtschaftswoche.

Nun geht offenbar Robert Tönnies, der Neffe von Clemens Tönnies, in die Offensive und fordert generell eine Umrüstung der Betäubungsanlagen auf Helium. Unterstützung bekommt er dabei von Prof. Klaus Tröger vom Kulmbacher Institut für Sicherheit und Qualität bei Fleisch vom Max-Rubner-Institut (MRI). Studien von Tröger hätten ergeben, dass bei Schweinen mit dem Betäubungsgas Helium in diesem Bereich „herausragend positive“ Ergebnisse erzielt werden können, da im Gegensatz zum heute in der Industrie üblichen Betäubungsgas CO2 „aversive Reaktionen vollständig vermieden werden“ können, heißt es im Vertragstext, den die Bernd-Tönnies-Stiftung laut Wirtschaftswoche schon vor Monaten mit der Stadt Kulmbach unterzeichnet hätte.

Helium werde allerdings bisher in der Praxis nicht angewandt, da es an einer im Schlachtbetrieb einsetzbaren, praxistauglichen Betäubungsanlage fehlt und die Schlachtwirtschaft und deren Ausrüster am alten Verfahren festhalten, heißt es weiter. Die Bernd-Tönnies-Stiftung will daher nun zusammen mit Tröger als Projektleiter am Schlachthof Kulmbach eine Pilotanlage aufbauen, die den Anforderungen der Praxis gerecht wird. Die gewonnenen Erkenntnisse, Schutzrechte und Patente werde die Stiftung der Branche zu kostendeckenden Gebühren zur Verfügung stellen, um das Tierwohl bei Betäubung und Schlachtung nachhaltig zu verbessern. Im Herbst könnte die neue Betäubungsanlage in den Praxisbetrieb gehen.

Helium macht Fleisch teurer

Der Vorstoß kommt allerdings nicht überall gut an, erfuhr die Zeitung weiter. Robert Tönnies stelle sich gegen den eigenen Konzern und die gesamte deutsche Schlachtindustrie. Laut Wiwo wehrt sich diese bisher massiv gegen jegliche Veränderungen wie etwa neue Betäubungsmethoden. Zwar wurden von allen großen Schlachtkonzernen immer wieder Studien und Forschungen zu Alternativen finanziert. Geändert habe sich jedoch bis heute nichts. CO2 ist nach wie vor die billigste Art und Weise der massenhaften Tierbetäubung.

Helium hingegen würde die Produktion deutlich verteuern, so ein Gegenargument. Erhebliche Investitionen kämen auf die Schlachtkonzerne zu, denn man könne nicht einfach die alten Anlagen nutzen und CO2 durch Helium ersetzen, heißt es aus dem Umfeld der Beteiligten. Da Helium leichter als Luft sei, müssten komplett neue Anlagen gebaut werden. Ersten Schätzungen zufolge lägen die Kosten für die Betäubung mit Helium pro Schwein bei rund einen Euro, bei CO2 seien dies hingegen nur ein paar Cent.

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