Schweinemarkt nach ASP-Fall

"China-Sperre ist bitter, aber kein Grund zur Panik"

Importstopp, Schlachtstau und Preisverfall: Eine Hiobsbotschaft jagt die nächste. Eine Analyse von Heribert Breker (LWK NRW) bringt Sachlichkeit in die Diskussion um ASP.

Was bedeutet der ASP-Fund in Brandenburg für die deutschen Exportmöglichkeiten? Diese Frage beschäftigt derzeit die gesamte Schweinebranche. Herbert Breker von der Landwirtschaftskammer NRW erläutert die Faktenlage. „Wichtig ist zunächst, dass man zwischen EU-Binnenmarkt und Drittlandmarkt unterscheiden muss“ erklärt der Marktkenner gegenüber top agrar.

Im Falle des EU-Binnenmarktes gelte das sogenannte Regionalisierungsprinzip: Um den Fundort wird ein Kerngebiet (3 km), eine Gefährdungszone (15 km) und eine Pufferzone (30 km) gebildet, aus dem heraus Ausfuhren grundsätzlich nicht erlaubt sind. Die übrigen Produktionsgebiete bleiben unberührt. Das heißt, der Warenverkehr Deutschlands hat sich durch den Pestfall für Geschäfte innerhalb der EU nur für einen recht kleinen Bezirk in Brandenburg verändert.

Das sei wichtig zu wissen, erklärt Breker. Denn knapp Zweidrittel der deutschen Schweinefleischausfuhren blieben in der EU. Im ersten Halbjahr 2020 seien es laut offizieller Statistik gut 860.000 t gewesen.

Drittlandgeschäft bricht weg

Anders sei die Lage im Falle der Drittlandausfuhren, erklärt Breker. Dort sind i.d.R. die nationalen Grenzen entscheidend. Deutschland wurde bereits für viele Exporte ausgeschlossen. China, Südkorea, Japan und Mexiko lassen Schweinefleischimporte aus Deutschland nicht mehr ins Land.

Deutschland hat im 1. Halbjahr 2020 rund 540.000 t Schweinefleisch aller Art in Drittländer ausgeführt. Das entspricht rund 15 % der Erzeugung. Davon gehen wiederum fast 70 % allein nach China. Südkorea ist mit knapp 10 % dabei. Der Rest verteilt sich auf viele kleinere Mengen.

China kauft nun woanders

Vor allem der Importstopp Chinas schmerzt, weil sich die Ausfuhren ins Reich der Mitte zuletzt sehr dynamisch entwickelten. Die deutschen Lieferungen lagen im 1. Halbjahr 2020 mit rund 380.000 t, knapp 60 % über dem Vorjahreszeitraum.

Andere Länder werden nun in die Lücke springen. Spanien hat mit 455.000 t eine Steigerung der Exporte nach China von rund 140 % erreicht. Die USA konnten ihre China-Exporte sogar auf 480.000 t vervierfachen.

Tschechien und Belgien als Vorbild

In den USA beobachtet man das Geschehen in Deutschland sehr genau. Die US-Schweinepreise haben bereits einen deutlichen Schub nach oben gemacht. Gleichzeitig stellen die Amerikaner fest, dass die deutschen gut vorbereitet sind. Man kennt auch die erfolgreiche Einkapselung des Seuchengeschehens in Tschechien und Belgien. Dabei war es gelungen, das Seuchengebiet einzugrenzen und den Infektionsherd innerhalb eines Jahres auszurotten.

Ob Drittländer von diesen Bekämpfungsmethoden überzeugt werden können, ist noch offen. Jedenfalls wird von politischer Seite daran gearbeitet, das Vorgehen transparent zu machen und Vertrauen aufzubauen.

Mehr auf unserer Sonderseite zur ASP


Die Redaktion empfiehlt

Viele hatten es befürchtet: Nach Südkorea hat nun auch China den Import von Schweinefleisch aus Deutschland verboten, nachdem in Brandenburg ein Wildschwein mit ASP gefunden wurde.

Handel und Bauernverbände sind wegen dem ASP-Fall in Brandenburg in großer Sorge, dass wichtige Handelspartner in Drittstaaten die Fleischeinfuhr aus Deutschland stoppen. Südkorea prescht vor.

Der deutsche Schweinemarkt ist stark verunsichert. Damit die Warenströme vom Ferkelerzeuger bis zum Schlachter nicht abreißen, werden die Preise massiv gesenkt.


Diskussionen zum Artikel

von Peter Held

Nur Schwein?

Es sind doch nicht nur die Schweinehalter betroffen, mal aufwachen bitte! Der behördliche Maßnahmenkatalog umfasst doch auch folgendes: - Anordnung auf Jagdruhe oder Bejagungspflicht - Betretungsverbote - Bearbeitungs- und Ernteverbote - Umzäunung von betroffenen Gebieten, Rechtliche ... mehr anzeigen

von Josef Schmid

Nur minderwertige Teilstücke ?

Wenn tatsächlich, wie immer behauptet, nur minderwertige Teilstücke, die bei uns niemand haben will, nach China gehen, sollte das Problem nicht so groß sein. Warum verarbeiten wir Pfoten, Ohren, Schwänze und Innereien nicht zu Fleischmehl für die Fütterung und machen uns damit ... mehr anzeigen

von Fritz Gruber

schweinerei

die wirklichen Schweine befinden sich nicht in schweinestall sondern machen sich mit Hilfe der Politik auf kosten von uns Landwirten die Taschen voll und das alles wegen einer Wildsau

von Rosi Brase

Schweinerei

Was mich seit Jahren stört, verärgert, ist es, wenn Menschen dieses Tier als Schimpfwort benutzen!! Ein Schwein ist von Haus aus ein reinliches, kluges, witziges Tier, mit dem sich viele Menschen bedauerlicherweise nicht messen können. Man sollte sich vielleicht mal etwas anderes ... mehr anzeigen

von Heribert Breker

Panikmache - kein guter Ratgeber

Die ASP ist nicht vom freien Himmel auf deutschen Boden gefallen. Seit Jahren lauert die Gefahr vor der Haustür. Die Grenzüberschreitung war eine Frage der Zeit . Zeit genug, um sich rechtzeitig auf das Problem einzustellen und Vorbereitungen zu treffen. Aus der Lethargie ... mehr anzeigen

von Ingrid Moß

China - ASP Sperre

Die aktuelle BRD - Politik ist des Bauern Tot . Eine gute Politik hätte mit Drittländer wegen der ASP längst eine Regionaliesierung erarbeitet . Eine gute Politik hätte sich gegen Minderheiten NGOs (Nabu, Peta ,Grennpease,Alf) durchgesetzt statt sich ans Bein pissen zu lassen z.B. ... mehr anzeigen

von Johannes Dörkes

Fester Grenzzaun

Solange die polnische Grenze nicht schnellstens mit einem festen, für Wildschweine nicht überwindbaren Zaun gesichert wird, werden wir die ASP so schnell nicht mehr los. Der jetzige flexible Zaun ist ein Witz.

von Karlheinz Gruber

Was hilft der Blick zu den Tschechen

und Belgiern, die es geschafft haben. Denn der Übergang kam von Polen. Und dort brennt die Hütte. Also kommt der Funkenflug immer wieder zu uns. Die Frage ist nur noch, kommt ein Flächenbrand. Und warum hat die Politik nicht schon länger mit China gesprochen für so einen Fall. Das ... mehr anzeigen

von Julia-Sophie von Richthofen

Wohltuend sachlich,

der Kommentar von Herrn Breker. Ganz sicher werden sich die Chinesen an anderer Stelle des EU-Binnenmarktes mit Schweinefleisch versorgen. Und da es im Binnenmarkt keine Zollschranken gibt, ist es nur eine Frage weniger Wochen, bis der Preis bei uns auch wieder anzieht.

von Stefan Brockhausen

Ein Witz

überzeugende Bekämpfungsmethoden in Deutschland??? Das tote Schwein wurde vor 10 Tagen gefunden! Was ist denn bisher passiert? Seit gestern kursiert ein Video vom RBB im Netz, wo in der 15 km Zone noch Mais gehäckselt wird und die Wildschweine munter rauslaufen... Ist der Zaun etwas ... mehr anzeigen

von Martin Und Katrin Huber

Preisverfall

Wer Rechtfertigt diesen Preisverfall???? Klar Schweine sind Lebensmittel, und in erster Linie Ware, aber auch Lebewesen wo durch uns Bauern nach besten Wissen und Gewissen gehegt und gepflegt werden, Um zu Überleben, den Betrieb wirtschaftlich zu erhalten, Meiner Meinung ist alles ... mehr anzeigen

von Alle Mitarbeiter

Dieser Kommentar wurde aufgrund eines Verstoßes gegen unsere Netiquette entfernt. Wir haben den Autor darüber per E-Mail informiert. Wir bitten Sie, Kritik sachlich zu formulieren. Danke, die top agrar Redaktion.

von Gerd Uken

So so

Da ist mal wieder jemand mit Probeabbo da möchten doch die IT Spezialisten von T A auch mal für Klarnamen sorgen. Wenn der Kommentar nüchtern ist dann hat er das ganze Ausmaß der Misere noch nicht im Blick- das wird ein harter Winter für Ferkelerzeuger und nicht nur die hier in D ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Kein Grund zur Panik???

Der Preis für das Kilo Schwein wurde von 1,47 auf 1,27 € abgesenkt. Fragen sie mal den kleinen Züchter und Mäster was davon zu halten ist...

von Stefan Hezel

Kein Grund zur Panik

Solange es nicht den eigenen Geldbeutel betrifft finde ich auch das man die ganze Sache gelassen sehen kann. Eine Schande so einen Artikel zu schreiben!!!!!!!

von Johann Sickinger

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von Gerd Uken

Dann kann man

ja die Teile die nach China gehen ????

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