Tierwohllabel

Dänemark: Nachfrage nach Tierwohl-Fleisch schwächelt

Zwei Jahre nach Einführung erhält das dänische Tierwohllabel einen Dämpfer. Mangels Nachfrage hat der Schlachtkonzern Danish Crown etlichen Schlachtschweine-Produzenten die Verträge gekündigt.

Beim dänischen staatlichen Tierwohllabel zeigen sich offenbar erste Ermüdungserscheinungen. Einem Medienbericht zufolge hat das Schlachtunternehmen Danish Crown etlichen Lieferanten von Schlachtschweinen, die nach den Regeln des dreistufigen Siegels produzieren, die Verträge mangels Nachfrage gekündigt. Sollte sich dies bestätigen, würde das einen erheblichen Dämpfer für das 2017 bei Schweinen eingeführte Label bedeuten.

DC kündigt Verträge, dänischer Landwirtschaftsverband enttäuscht

Handel, Medien und Verbraucher hatten das Siegel damals sehr positiv aufgenommen. Im Lebensmitteleinzelhandel hatten entsprechend zertifizierte Fleischprodukte innerhalb eines halben Jahres bereits ein Viertel des Sortiments ausgemacht. Laut dem Bericht sind die Verkäufe zwischenzeitlich in mehreren Kategorien wieder zurückgegangen, weshalb sich Danish Crown mangels Absatzmöglichkeiten zur Kündigung eines Teils der Verträge gezwungen sah. Der dänische Landwirtschaftsverband (L&F) zeigte sich enttäuscht von der Entwicklung und nahm hier auch die Verbraucher mit in die Verantwortung. Die Kunden forderten zwar in Umfragen fortwährend Verbesserungen bei den Tierhaltungsbedingungen, seien aber anscheinend nicht im erforderlichen Umfang dazu bereit, dies auch mit ihrem Kaufverhalten zu unterstützen.

Dreistufiges Tierwohlsiegel

Das vom dänischen Staat, dem Lebensmitteleinzelhandel und dem Dachverband entwickelte Tierwohlsiegel soll den Konsumenten durch eine einfache und klare Kennzeichnung mehr Transparenz liefern und den Tierschutz vorerst in den dänischen Schweineställen nachhaltig verbessern. Über die Anforderungen an die Haltung gibt dabei die Anzahl aufgedruckter Herzen auf dem Logo Auskunft. Um die Voraussetzungen für die erste Stufe - ein Herz - zu erfüllen, müssen die Bauern die Sauen freilaufend halten, auf das Kupieren von Schwänzen verzichten, den Tieren mehr Platz und Stroh als gesetzlich festgelegt zur Verfügung stellen sowie Transportzeiten von maximal acht Stunden einhalten. Für zwei und drei Herzen werden darüber hinaus noch mehr Platz pro Tier und zusätzliche Strohgaben verlangt. Die Kontrollen werden durch staatliche Stellen vorgenommen.

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Diskussionen zum Artikel

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von Christoph Blankenburg

Die Problematik...

… solcher Label besteht darin, dass sie früher oder später Standard werden und der Landwirt auf den zusätzlichen Kosten sitzen bleibt. Wir haben das doch schon bei QS erlebt. Erst wurden zwei Cent je Kg ausgelobt für QS Tiere und als genügend Landwirte zertifiziert waren kam dann die Ernüchterung. QS erzielt den Marktpreis und wer nicht zertifiziert ist muss mit Abzügen leben. In Angebotsmärkten werden Kosten für zusätzliche Anforderungen mittelfristig immer vom Erzeuger getragen.

von Gerhard Steffek

Wie immer -

beim Geld hört sich die Freundschaft auf!

von Rudolf Rößle

Super Freilauf

nur kommt immer dann im Verkehrsfunk: Achtung Rinder auf der Straße.

von Stephanie Winhard

Wundert mich nicht

Anfangs ist der Verbraucher (auch ich bin einer) evtl. noch mit Eifer dabei und das "gute Gewissen" beim Essen sind ihm auch ein paar Euro wert. Aber irgendwann läßt diese Begeisterung dann nach. Den "Mehrwert" schmeckt man ja nicht wirklich, aber die Lücke im Geldbeutel merkt man deutlich. Dazu kommt die Verunsicherung der Verbraucher, ob diverser "Schwindel-Label". Die paar Quadratzentimeter mehr Platz pro Tier rechtfertigen schlicht den Preisunterschied nicht. Und wie die Haltung bei den einzelnen Label-Stufen konkret aussehen, hat im Supermarkt auch niemand bildlich vor Augen. M.E. nach müssen wir in der Tierhaltung und beim Tierkonsum weg von "Mehr, schneller, billiger" und es gehört ein absoluter unterster Standard definiert, auch für Importe, der deutlich über dem jetzigen liegt und Fleischverzehr ohne schlechtes Gewissen zuläßt. Natürlich müßte dafür ein reeler Preis gezahlt werden und Fleisch würde wieder das, was es im Grunde immer war: Ein Luxusprodukt. Soweit ich weiß, gibt es kein Grundrecht auf sein tägliches Stück Fleisch (ich glaube, in einem alten Buch ist da von "Brot" die Rede und selbst darum wurde gebeten und nicht als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt...). Wir könnten uns jeden Tag Filets leisten - nicht, weil wir so viel verdienen, sondern weil es so spottbillig ist! 1 kg Schweinefilet für 6€, da kann man sich ausmalen, was der Landwirt der Sau dafür für ein Leben bieten kann. Leider kann sich der Verbraucher nicht sicher sein, daß die Sau, deren Filet für das Doppelte verkauft wird, auch ein doppelt so "schönes" Leben hatte. Da sehe ich die Politik in der Pflicht.

von Anton Obermeier

Ach was

Der Verbraucher ist nicht bereit mehr für Tierwohl zu bezahlen? Und das obwohl bei Umfragen fast 100% genau das immer behaupten. Was für eine Überraschung. Also dann viel Spaß beim Stallum- oder neubau.

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