Pro und Kontra

Fleischsteuer: Dauerhafte Subventionen für mehr Tierwohl?

Unter den Landwirten gehen die Meinungen zum geplanten Umbau der Tierhaltung auseinander. Wir sprachen mit einem Befürworter und einem Kritiker. Hier ihre Argumente...

Darum geht’s: Die Borchert-Kommission empfiehlt, die Nutztierhaltung mit staatlichen Mitteln grundlegend umzubauen. Nur so hätten die Tierhalter in Deutschland eine Zukunft. Unter Landwirten gehen die Meinungen zu dem Konzept weit auseinander. Das Pro & Contra erschien bereits 2020, spiegelt das Meinungsbild der Landwirte aber weiterhin sehr gut wider.

Pro

von Philipp Schulze Esking, Schweinemäster und Mitglied der Borchert-Kommission

In den letzten zehn Jahren haben wir in Deutschland fast 40% der schweinehaltenden Betriebe verloren. Laut einer Umfrage der ISN plant jeder dritte Mäster in den nächsten Jahren den Ausstieg. In der Ferkelerzeugung ist die Perspektive noch düsterer: Über die Hälfte der Ferkelerzeuger gibt an, in den nächsten zehn Jahren den Betrieb aufgeben zu wollen. Als Hauptgrund hierfür nennen Dreiviertel der Befragten die Summe der Auflagen. Spanien baut seinen Bestand hingegen seit Jahren aus und hat uns mittlerweile überholt.

Marktanteile sind Ausdruck von Wettbewerbsfähigkeit in offenen globalen Märkten. Angesichts unseres aktuellen Ordnungsrahmens kann heute kaum noch ein Schweinehalter wirklich glauben, um die europäische oder gar die globale Kostenführerschaft wetteifern zu können. Dazu kommen noch die Änderung der Tierschutznutztierhaltungsverordnung, die K-Fragen, die anhängige Normenkontrollklage, die Novelle der TA Luft, die Verschärfung der Düngeverordnung, die NEC-Richtlinie, Klimaschutzziele usw.

Natürlich können wir so weitermachen wie bisher. Wir können versuchen, über unsere Interessenvertretungen jede Einzelbaustelle irgendwie noch einigermaßen vorm fachlichen Absaufen zu retten. Wir können auf die Straße gehen. Und wir können darauf hoffen, dass der Verbraucher irgendwann nicht nur mehr Tierwohl fordert, sondern es auch an der Theke bezahlt. Wahrscheinlich aber führt diese Strategie dazu, dass unsere Wettbewerbsfähigkeit schleichend weiter sinkt und wir einen dramatischen Strukturwandel in der Tierhaltung erleben. Und damit noch mehr Produktion ins Ausland verlagert wird. Und am Ende werden die Verbraucher ohne einheimische Tierhaltung genauso gut leben können, wie sie ohne...


Mehr zu dem Thema

Die Redaktion empfiehlt

Der Bundesrat hat am Freitag die Bundesregierung aufgefordert, ein Finanzierungskonzept für den von der Borchert-Kommission vorgeschlagenen Umbau der Tierhaltung vorzulegen.

Agrarministerin Klöckner hat die Machbarkeitsstudie zu den Borchert-Plänen vorgestellt. Die Studie favorisiert höhere Mehrwertsteuern oder einen Tierwohl-Soli. Vor der Wahl wird das aber knapp.

Die Machbarkeitsstudie zu den Borchert-Vorschlägen zum Umbau der Tierhaltung empfiehlt die Erhöhung von Steuern auf Fleisch. Klar ist auch: Es wird teurer als gedacht.


Diskussionen zum Artikel

von Ludger Hengelsberg

SOZIALISTISCHER MIST!

Die Bürgerinnen und Bürger wollen eine andere Art der Tierhaltung, wollen dafür aber nicht bezahlen. So soll nun der Staat dafür sorgen, dass die "richtige" Landwirtschaft betrieben wird? Wie weit sind unsere Verbände gesunken, dass sie in diesem sozialistischen Misthaufen auch ... mehr anzeigen

von Peter Beiersdorfer

Alles Quatsch!!!!

Der frei Markt regelt es von allein, was der Verbraucher in einer Studie von sich gibt, gilt an der Ladentheke längst nicht mehr, denn da ist zuerst die Haltungsstufe 1 ausverkauft und Biofleisch wird in der Regel dann als Sonderangebot, da Haltbarkeit nicht unendliche billiger verkauft ... mehr anzeigen

von Jürgen Donhauser

Keine Quersubvention!

Alle Dinge die quersubventioniert werden verschleiern den wahren Produktpreis und öffnen die Tür für weitere politische Willkür. Es folgen weitere Anforderungen ohne finanziellen Ausgleich. Diese Erfahrung machten wir schon mit der Flächenprämie. Und im Ökobereich sehen wir schon ... mehr anzeigen

von Wolfgang Daiber

Leute,Leute

Wie weit sind wir gekommen ,von einem Achtzig-Jährigen uns "beraten" zu lassen. Noch dazu von einem Politiker. Die Gesellschaft stellt nur Forderungen, obwohl 80 % gar nicht wissen wovon sie reden. Und noch eins, solange die Politik und die Medien es zulassen ,daß Schweinefleisch aus ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Seht es mal so:

Egal ob mit oder ohne die Querfinanzierung will die Gesellschaft Dinge von den Erzeugern, die im jetztigen System unmöglich zu stemmen sind. Mit dem neuen querfinanzierten System wird alles, was zusätzlich von uns verlangt wird, von der Gesellschaft bezahlt. Das ist eine einmalige ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Wenn denn gewährleistet wäre

Das diese Mehrwertsteuererhöhung direkt dem Bauern zu Gute kommt- das kann ja nur funktionieren wenn diecMwst zweckgebunden wird. Bislang ist es das nicht und als optierender Betrieb führt man sie ab!!! Also wie soll das funktionieren???

von Rudolf Rößle

Während

ein drittel bis die Hälfte der Menschen von Tag zu Tag leben/überleben, schaffen wir es nicht in einem der reichsten Länder der Erde sinnvolle faire Lösungen zu etablieren. Auf der einen Seite einen Robby auf dem Mars und auf der anderen Seite keine sicheren Mindestlöhne. Kinder die ... mehr anzeigen

von Alfons Hümmer

Ich stimme

von Fritz Gruber

Ich

Sag nur Mietpreisbremse staatliche Einmischung da geht für fast alle Beteiligten der Schuss nach hinten los zumindest für Erzeuger und Verbraucher und ein paar andere reiben sich die Hände 3 Mal könnt ihr raten wer das ist

von Josef Doll

Wenn der Export von Fleisch

bei einigen nicht Konsensfähig ist bin ich dafür <<<alle>> Exporte zu verbieten. Natürlich auch die von Autos . Denn was bei einem Schlecht ist muss zwangsläufig auch für alle Schlecht sein. Diese Art es so zu sehen wird von den Lobbyisten der Grünen ,dem politischen Arm der NGOs ... mehr anzeigen

von Matthias Zahn

KONTRA!!!

Es wird so kommen wie mit der Bullenprämie. Ruckzuck werden zusätzliche Gelder eingepreist und am Ende haben wir Bauern wieder nix davon.......

von Rudolf Rößle

Gestern

kam ein Bericht über eine Bodenseestiftung für Umweltmaßnahmen. Packen wir doch umbauwillige Betriebe und solche die schon viel gemacht haben in einen Stiftungsfonds. Wird von reichen Unternehmen finanziert und kann Spendengelder von Bürgern entgegennehmen. Die Bauern haben so kein ... mehr anzeigen

von Wilfried Maser

Was sollen die

Nutztierhalter, außer einer weiteren Reduzierung Ihrer Erlöse pro kg Schlachtkörper haben. Der Verbraucher wird nicht bereit sein mehr für Fleisch und Wurst zu zahlen, also werden sich die Einkaufspreise nach unten, aber nicht nach oben bewegen. Also werden die Mehrheit der ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Blödsinn.

von Ferdinand Brinkmann

Überproduktion

Bei einer Selbstversorgungsgrate von 130% bei Schweinefleisch muss die Problematik der Überschussverwertung nachgedacht werden. Das nach dem Tierwohlstandart produzierte Fleisch wird auf dem Weltmarkt nicht mehr zu veräußern sein. Der Tierwohlstandart wird daher auch zu einer ... mehr anzeigen

von Josef Doll

Ich bin dafür

das Deutschland das exportieren Verbietet.

von Annette Eberle

Herr Bosche hat recht

ein Großteil des Geldes wird im Prüf-und Kontrolltopf versickern .!!

von Kirsten Wosnitza

Der Artikel

Wurde vor 10 Monaten verfasst?

Anmerkung der Redaktion

Ja, der war letztes Jahr im Heft. Aufgrund der aktuellen Diskussion um die Borchert-Machbarkeitsstudie haben wir das Pro und Kontra noch einmal gebracht, die Aussagen sind weiterhin aktuell und gültig.

von jörg Meyer

Steuern sind inakzeptabel!!

Wenn man wirklich etwas erreichen will brauchen wir eine Art "Tierwohl" EEG. mit einer klaren Trennung von den jährlichen Haushaltsberatungen der Politik! Oder aber wir brauchen ein Lieferkettengesetz, dass garantiert, dass deutsche Standarts eingehalten werden müssen, auch im Ausland! ... mehr anzeigen

von Kirsten Wosnitza

Machbarkeitsstudie

Haben Sie diese gelesen? Es muss eine Form der Umsetzung der Finanzierung gefunden werden. Und ja, es muss im europäischen und weltweiten Kontext wirkungsvoll sein. Nichtstun ist allerdings die schlechteste Variante. Vor allem für die Tierhalter. Also heißt es Lösungen finden.

von Henrik Plaas-Beisemann

Fragen

Ich frage mich ernsthaft, ob die Zahlungen kommen, und ob sie Akzeptanz über Jahre behalten. Ich persönlich sehe bei der Einführung einer Abgabe noch massive Probleme mit dem Europarecht und der WTO. Wie lässt es sich begründen, dass ein rumänischer Landwirt auf einem freien ... mehr anzeigen

von Anton Sieverdingbeck

Mehrheitlich ihrer Meinung

Die aktiven Tierhalter und die es auch zukünftig sein wollen sind mehrheitlich wohl ihrer Meinung. Bei den Kommentaren hier sind leider immer die selben Nörgler und Schwarzmaler unterwegs. Danke für den positiven Blick nach vorn. Beim erneuerbaren Strom hat es doch unterm Strich auch ... mehr anzeigen

von Kirsten Wosnitza

Sehen was geht und nicht beschreiben, was alles nicht geht

Danke Herr Schulze-Esking für Ihre klareb Worte und Bekenntnis zu einer zukunftsfähigen Tierhaltung in Deutschland. Es gilt nach vorne zu schauen und den Schulterschluss mit der Gesellschaft zu wagen. Dann kann auch erklärt werden, warum die Landwirte nicht das Sozialamt der Nation ... mehr anzeigen

von Bernhard ter Veen

hören Sie bitte auf

mit diesem Schwachsinn von Nachhaltigkeit immer. Das Wort allein hat KEINERLEI Sinnerfüllende Definition. Jeder kann etwas anderes daraus ableiten... und ausserdem die derzeitige Tierhaltung bei den Allermeisten Bäuerlichen Familienbetrieben ist die, wenn Sie es mal so hören wollen, ... mehr anzeigen

von Matthias Zahn

Alternativlos

Wir sehen ja seit Jahren, dass der Markt deutsche Standards nicht honoriert. Das beste Beispiel sind die Ferkelerzeuger. Wenn man also die Tierhaltung in D erhalten will, wird die zusätzliche Subvention mit "Tierwohlgeldern" unumgänglich sein..... Willkommen in der Planwirtschaft!!!! ... mehr anzeigen

von Klaus Jensen

Ich hör lieber auf als der ewige Subventionsempfänger zu sein...

Diese Erkenntnis haben mich die Flächenprämien gelehrt. Ohne diese ginge es uns besser....MfG Jens Martin Jensen

von Alfons Hümmer

Ich kann den Ausführungen von Albert Bosche voll und ganz zustimmen. Nur der Preis einer Ware bestimmt deren Wertigkeit. Sollten sich zukünftig Teile der Gesellschaft es sich nicht mehr leisten können, Fleisch zu essen, muss eventuell der Satz für Hartz-4-Empfänger oder sonstige ... mehr anzeigen

von Josef Doll

Ich bin dafür

Das gerade Hartz V Empfänger sich vorbildlich zum Klimaschutz verhalten müssen. Deshalb muss wenn der Klimaschutz eingehalten werden soll auch nur eine Gesunde Ernährung berücksichtigt werden . Denn wenn unsere Form der Tierhaltung nicht mehr " Zukunftssicher " ist wie produzieren ... mehr anzeigen

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