Afrikanische Schweinepest

Neue ASP-Funde außerhalb der Kerngebiete

Brandenburg meldet 16 neue ASP-Funde bei Wildschweinen, zum Teil außerhalb der Kernzonen. Landesjagdverband kritisiert das ASP-Krisenmanagement.

Tagtäglich werden aus Brandenburg neue, vom Friedrich.Loeffler-Institut (FLI) bestätigte Fälle von Afrikanischer Schweinepest gemeldet. Allein gestern (10.03.21) waren es 16, darunter auch einige außerhalb der bestehenden Kerngebiete. Im Landkreis Spree-Neiße wurde ein Tier in der Nähe von Zelz auf der östlichen Seite der festen Wildschweinbarriere entlang der Grenze zu Polen gefunden, bei Werbig im Landkreis Märkisch-Oderland wurde Fallwild im gefährlichen Gebiet positiv getestet. Und in Frankfurt (Oder) wurde ein Wildschwein bei der Fallwildsuche erlegt, das sich später als ASP-positiv erwies. Da das Tier westlich des festen Zaunes zu Polen zur Strecke gebracht wurde, wird die Stadt Frankfurt (Oder) jetzt zum Gefährdeten Gebiet.

Hoher Seuchendruck aus Polen hält an

Die Zahl der ASP-Funde in Brandenburg erhöht sich damit auf aktuell 751. Zusammen mit den 58 ASP-Fällen in Sachsen wurden somit insgesamt bisher 809 Wildschweine positiv auf das Virus getestet. „Der Seuchendruck aus Polen lässt nicht nach. So lange wir ASP-infizierte Tiere am festen ASP-Zaun entlang der Grenze zu Polen finden, kann Deutschland nicht seuchenfrei werden, mit allen Auswirkung vor allem auf die schweinehaltenden Betriebe und die Landwirtschaft“, zog Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher gestern sechs Monate nach dem ersten ASP-Fund Bilanz.

Brandenburg präferiere daher nach wie vor die Einrichtung einer Weißen Zone mit festen Zäunen auf beiden Seiten von Oder und Neiße. „Wir werden den Bund weiter bitten, das Gespräch mit Polen wegen einer gemeinsamen Weißen Zone entlang der Grenze wiederaufzunehmen“, so die Ministerin. Brandenburg hat am 24. September 2020 im Süden des Landes, wo der Seuchendruck aus Polen am stärksten ist, mit dem Bau eines festen Zauns entlang der Grenze begonnen. Von insgesamt rund 255 Kilometern sind inzwischen etwa 220 Kilometer fertiggestellt. Lücken bestehen noch in den Landkreisen Uckermark und Märkisch-Oderland. Beim Bau gab es immer wieder Verzögerungen durch Munitionsfunde oder durch aufgeweichten Untergrund.

Landesjagdverband kritisiert ASP-Krisenmanagement

Scharfe Kritik am Krisenmanagement übte deshalb heute (11.03.21) der Landesjagdverband Brandenburg (LJVB) in einer Pressemitteilung. „Der Landesregierung ist es bisher nicht gelungen, die Ausbreitung der ASP einzugrenzen“, kritisiert dessen Vorsitzender, Dr. Dirk-Henner Wellershoff, die Arbeit des ASP-Landeskrisenstabes. Mit ihrer Forderung nach einer schweinepestfreien Zone und einer beidseitigen Zäunung entlang der polnischen Grenze laufe die Ministerin dem aktuellen Seuchengeschehen hinterher, so Wellershof. Der Landesjagdverband habe die wildschweinsichere Barriere zu Polen bereits 2019 angemahnt. Der bestehende Zaun hingegen sei alles andere als wildschweinsicher, wie verschiedene Aufnahmen deutlich zeigten. Beschädigungen an Zaunlagen würden oft erst nach Tagen geschlossen.

Neuausrichtung des Krisenstabes gefordert

Die aktuellen Funde zeigen nach Ansicht von Dr. Wellershof deutlich, dass die bisher getroffenen Maßnahmen ihre gewünschte Wirkung verfehlen und die Landesregierung die Kontrolle verloren habe. Empfehlungen seitens der Jägerschaft zur Seuchenbekämpfung seien von dem für die Tierseuchenbekämpfungsmaßnahmen zuständigen Leiter der obersten Jagd- und Forstbehörde abgewehrt worden. „Mit diesem Versagen in der Seuchenbekämpfung müssen sich die verantwortlichen Personen ernsthaft den Konsequenzen stellen“, so Wellershoff. Der Landesjagdverband Brandenburg fordert deshalb eine personelle Neuausrichtung des ASP-Krisenstabes in Brandenburg.


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