Interview

Die ASP befeuert die Schweinepreise Plus

Die Afrikanische Schweinepest in Asien heizt weltweit die Schweinepreise an. Doch was droht, wenn die Seuche auch uns erreicht? top agrar sprach mit dem Marktexperten Dr. Albert Hortmann-Scholten.

Entwickelt sich die Afrikanische Schweinepest zu einer globalen Bedrohung für die Schweinehaltung?

Hortmann-Scholten: Eindeutig ja. Ausmaß und Entwicklungsgeschwindigkeit, mit der sich die Virusinfektion in den Wild- und Hausschweinebeständen ausbreitet, sind beängstigend. In vielen Regionen Osteuropas kommt das ASP-Virus inzwischen endemisch vor, dasheißt, es ist hier dauerhaft anzutreffen. Dazu gehört unter anderem auch Polen. Da es in absehbarer Zeit keinen Impfstoff gegen die ASP geben wird, werden wir möglicherweise jahrzehntelang mit dieser Seuchenbedrohung leben müssen.

In China hat sich das Virus rasend schnell verbreitet. Wie wirkt sich das auf die Schweineproduktion im Reich der Mitte aus?

Hortmann-Scholten: Offiziell haben die chinesischen Behörden nur etwa 170 ASP-Ausbrüche bestätigt. Insider gehen aber von weitaus mehr Fällen aus. Inzwischen wurde der Erreger in allen für die Schweineproduktion maßgeblichen Provinzen sowohl bei Haus- als auch bei Wildschweinen nachgewiesen. Durch den hohen Anteil unprofessioneller Hinterhofhaltungen, in denen das Verfüttern von Lebensmittelabfällen gang und gäbe ist, verbreitet sich der Erreger rasend schnell.

Da inzwischen wahrscheinlich auch große Teile der im Auftrag der Regierung eingefrorenen Schweinefleischreserven mit ASP-Viren infiziert sind, ordnen die Behörden die rigorose Vernichtung von Fleischbeständen an. Damit ist vorgezeichnet, dass Schweinefleisch in China in wenigen Monaten zu einem äußerst knappen Gut wird.

Hinzu kommt, dass sich die Sauenbestände durch umfangreiche Keulungsmaßnahmen inzwischen um mindestens 20% verringert haben. Vor einiger Zeit hat die niederländische Rabo-Bank Prognosen veröffentlicht, wonach in China in diesem Jahr mit einem Produktionsrückgang von 25 bis 35% bzw. umgerechnet 150 bis 200 Mio. Schlachtschweinen zu rechnen ist. Mittlerweile schätzen Insider den möglichen Produktionsrückgang sogar noch wesentlich größer ein.

Wie sich das auf den chinesischen Schweinefleischmarkt auswirkt, lässt sich derzeit kaum absehen. Fest steht, dass Chinas Schweinefleischeinfuhren bereits im Mai ein neues Rekordniveau erreicht haben. Es wurden etwa 45% mehr Schweinefleisch und genießbare Nebenprodukte eingeführt als im Mai des vergangenen Jahres.

Entscheidend wird sein, wie schnell China seine ursprünglichen Produktionskapazitäten wieder aufbauen kann. Möglicherweise hat das Land momentan gar nicht die finanziellen Mittel, um das zu tun. Ich persönlich rechne mit einem Zeitraum von mindestens sieben bis acht Jahren, bis die Produktionsmengen des Jahres 2017 wieder erreicht werden.

Welchen Einfluss hat das auf die internationalen Schweinepreise?

Hortmann-Scholten: China produzierte bislang mindestens die Hälfte aller weltweit gehaltenen Schweine. Sollte es in diesem Jahr in der Volksrepublik zu einem Produktionsrückgang von 40% kommen, fehlen global ein Fünftel des bisher produzierten Schweinefleisches. Das führt zu massiven Preissteigerungen.

Viele Verbraucher werden deshalb auf alternative Proteinquellen umsteigen. Bereits jetzt ist auch bei Geflügel- und Rindfleisch ein Preisanstieg...

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Diskussionen zum Artikel

von Hans Nagl

Krankes System.

Nur wenn wo anders auf der Welt Seuche oder Dürre herrscht, gibt es auskömmliche Preise .

von Wilhelm Grimm

Das sind riesige Herausforderungen für Tierhalter,

nicht die künstlich entfachten Tierwohlfantastereien unserer Gesellschaft.

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