Kommentar

Ehlers: "QS läuft Gefahr, das Vertrauen der Erzeuger zu verspielen!"

Laut Landvolk-Vizepräsident Ehlers ist es sehr wohl Aufgabe des QS-Systems, Standards zu definieren, zu überwachen und eine Abgrenzung zu anderen Standards herzustellen.

Das QS-Prüfsystem wird 20 Jahre alt. Hierzu stellte diese Woche Geschäftsführer Dr. Alexander Hinrichs klar, dass das System nicht dazu dienen könne, den heimischen Markt zu schützen. Es gehe vielmehr um Warenverfügbarkeit. QS habe sich deshalb schon 2004 mit Systemen der Nachbarländer harmonisiert. Diese „Internationalisierung“ gehe weiter. Das will Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers, selbst Schweinehalter, so nicht stehen lassen. Hier sein Kommentar an top agrar Online im Originalwortlaut.

"In einem Pressegespräch geht Herr Dr. Hinrichs als Geschäftsführer von QS auf die Errungenschaften dieses Systems in den vergangenen 20 Jahren ein. Hierbei blickt er auch in die Zukunft und macht einige Feststellungen, die ich aus landwirtschaftlicher Sicht nicht unkommentiert lassen möchte.

Ohne Frage ist es eine enorme Leistung aller an QS beteiligten Akteure, solch eine enorme Abdeckung über viele Produktbereiche und Stufen hinweg geschaffen zu haben. Jedem von uns sind die Kontrollen oder Dokumentationen bekannt und nicht immer eine Freude. Jedem ist allerdings auch klar, dass es solcher Systematiken bedarf, um sich und uns alle vor den immer gerne zitierten „schwarzen Schafen“ ansatzweise zu schützen.

Weiter führt Herr Dr. Hinrichs aus, QS sei nicht dazu da, den heimischen Markt durch Protektionismus zu schützen. Es ist absolut korrekt, QS nicht zur Lenkung von Warenströmen zu missbrauchen. Jedoch ist es und war es immer Aufgabe des QS Systems, Standards zu definieren zu überwachen und eine Abgrenzung zu anderen Standards herzustellen. Diese Abgrenzung muss im In- und Ausland stattfinden und kann durchaus als Protektionismus gesehen werden - zwar nicht bei der Menge, aber bei der Qualität.

Umso wichtiger, aber auch zusehends schwieriger, wird dies bei einer weiteren Differenzierung der Produktionsweisen innerhalb der im gemeinsamen Markt agierenden europäischen Länder. Hier erwarten insbesondere wir Landwirte von QS eine klare Kante. Ein Standard darf nicht der von Herrn Dr. Hinrichs gewünschten Warenverfügbarkeit geopfert werden. Hier läuft QS Gefahr, das Vertrauen sowohl der Verbraucher als auch der Erzeuger zu verspielen.

Ich bin aber der festen Überzeugung, dass wir QS derzeit dringender benötigen als in den vergagenen 20 Jahren und unbedingt weiterentwickeln sollten. Es muss aber weiterhin für alle Beteiligten ein Nutzen des Systems erkennbar sein. Wenn QS eine Internationalisierung und Zusammenarbeit mit 13 ausländischen Qualitätssystemen anstrebt, muss gleichzeitig aber auch der Trend hin zur Regionalisierung und Individualisierung von Produkten gesehen werden.

Hier eine Erkennbarkeit herzustellen, könnte die Zukunftsaufgabe für QS sein und viele Vorteile für alle Beteiligten bringen. Wenn sich Herr Dr Hinrichs der verpflichtenden Herkunftskennzeichnung annehmen würde, die derzeit auch von vielen Lebensmittelhändlern propagiert wird, bringt dies QS nicht nur ein Stück weiter in die Zukunft, sondern unterstützt zudem die deutschen Schweinehalter."

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