Ein schonendes Ende: Nottötung unheilbar kranker Schweine mit CO2 oder E-Zange Premium

Das Nottöten unheilbar kranker Schweine fällt vielen Landwirten schwer, vor allem das Entbluten. Schonende Alternativen sind die CO2-Box für kleine Saugferkel und die Elektrozange für ältere Schweine. top agrar hat zwei Praktiker zu ihren Erfahrungen befragt. Zum Leben gehören auch Krankheit und Tod dazu.

Die CO2-Box ist für Ferkel bis 5 kg Lebendgewicht zugelassen. Nicht überlebensfähige oder missgebildete Ferkel werden durch das Gas zuerst betäubt und dann getötet. (Bildquelle: Lehnert)

Das Nottöten unheilbar kranker Schweine fällt vielen Landwirten schwer, vor allem das Entbluten. Schonende Alternativen sind die CO2-Box für kleine Saugferkel und die Elektrozange für ältere Schweine. top agrar hat für die Ausgabe 3/2018 zwei Praktiker zu ihren Erfahrungen befragt. Zum Leben gehören auch Krankheit und Tod dazu. Das gilt nicht nur für den Menschen, sondern auch für Haus- und Nutztiere“, ist Dr. Onno Burfeind, Fachbereichsleiter Schwein im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp, überzeugt. Jedes erkrankte Schwein habe ein Anrecht auf eine angemessene tiermedizinische Versorgung. Wenn sich über die vorgeschriebene Behandlungsdauer aber kein Erfolg zeigt oder sich das Leid des Tieres sogar noch verschlimmert, müsse der Tierhalter die Reißleine ziehen und das Tier erlösen. So gibt es auch das Tierschutzgesetz vor. Und wer zu lange zögert, macht sich strafbar. Soweit die Theorie. In der Praxis tun sich viele Landwirte allerdings schwer, dem Leben eines ihrer Tiere aktiv ein Ende zu setzen. „Schließlich sind wir Tierhalter und keine Schlachter“, bringt es Tierärztin und Landwirtin Nadine Henke aus Bruchhausen-Vilsen in Niedersachsen auf den Punkt. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass die betreffenden Tiere zuerst betäubt und dann getötet werden müssen. Bei kleinen Ferkeln unter 5 kg Lebendgewicht erfolgt die Betäubung in der Regel durch Kopfschlag mit einem stumpfen Gegenstand wie z.B. einem Rundholz oder Hammer. Anschließend werden die Ferkel durch Entbluten per Kehlschnitt oder Bruststich getötet. CO2-Box als Alternative „Das ist jedoch keine schöne Arbeit. Von unseren neun Mitarbeitern erklärten sich deshalb nur zwei dazu bereit. Meistens blieb das Nottöten von Ferkeln, die keinen Saugreflex zeigten oder eine Anomalie aufwiesen, deshalb an mir hängen“, erinnert sich Heinrich Henke, der zusammen mit seiner Frau Nadine einen Ferkelerzeugerbetrieb mit 1250 Sauen betreibt. Pro Woche fallen im Betrieb Henke etwa 20 Ferkel an, die nicht überlebensfähig sind. Deshalb haben Henkes bereits früh nach einem schonenderen Verfahren zum Nottöten kleiner Ferkel Ausschau gehalten. Auf der EuroTier 2014 entdeckten sie schließlich auf dem Stand der GFS-Topanimal Service GmbH die CO2-Box, eine Eigenentwicklung des Unternehmens. Sie kauften für 2490 € plus MwSt. ein Gerät, das bis heute in ihrem Stall im Einsatz ist. Es arbeitet mit CO2. Das Gas betäubt und tötet die Ferkel. Dadurch erspart das Gerät dem Tierhalter sowohl den Kopfschlag als auch den Kehlschnitt zum Entbluten des Tieres. Die CO2-Box ist aus Edelstahl gefertigt, verfügt über einen Schiebedeckel mit Sichtfenster und bietet Platz für sechs bis acht kleine Saugferkel. Bei Inbetriebnahme wird CO2 über einen Schlauch in das Behälterinnere geleitet. Da CO2 schwerer ist als Luft, füllt sich die Box langsam von unten nach oben. Im oberen Teil der Box befindet sich ein Sensor, der die Gaskonzentration misst. Sobald die Luft im Behälter zu 80% mit CO2 gesättigt ist, ertönt ein akustisches Signal und das Gerät ist betriebsbereit. „Diese Vorbereitungszeit dauert etwa 15 Minuten. Wir erledigen in der Zwischenzeit jedoch andere Arbeiten, sodass unter dem Strich keine Wartezeiten entstehen“, schildert Heinrich Henke das Prozedere. Zum Einlegen des zu tötenden Saugferkels wird der Deckel kurz geöffnet, sodass das CO2 im oberen Bereich leicht verwirbelt. Am Boden der Box, wo sich das Ferkel befindet, bleibt die CO2-Konzentration jedoch unverändert. In der CO2-gesättigten Atmosphäre werden die Tiere zunächst bewusstlos. Bis sie betäubt sind, muss der Vorgang über ein Sichtfenster, dass sich im Deckel der Box befindet, ...

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