Auswertung

Erschreckend: Große Abferkelbuchten führen zu höheren Verlusten Premium

Kritiker von modernen Tierhaltungssystemen fordern meistens pauschal mehr Platz. Was das in Abferkelbuchten für dramatische Folgen hat, haben Fachleute von Haus Düsse ermittelt.

Sauen im Abferkelstall sollen sich in Zukunft freier bewegen können. Doch wie viel Platz ist gut für Sau und Ferkel? Führt ein großes Platzangebot sogar zu steigenden Erdrückungsverlusten? Das Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse der Landwirtschaftskammer NRW hat die Zahlen von über 1700 Würfen ausgewertet. Verglichen wurden die Ergebnisse von Standardabferkel-, Bewegungs- und Freilaufbuchten. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Die Ferkelverluste lagen in den Freilaufbuchten bei fast 22%. Das Ergebnis ist umso erschreckender, als das aus diesen Buchten zuvor die leichteren und lebensschwächeren Ferkel sowie Spreizer an Sauen in Standard- und Bewegungsbuchten versetzt wurden. Mit gut 13% um fast die Hälfte niedriger...

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    Artikel geschrieben von

    Marcus Arden

    Redakteur Schweinehaltung

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    Diskussionen zum Artikel

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    von Stefan Binkele

    Wunschdenken

    Wir halten unsere Sauen nach EG-Öko-Verordnung in 7,5m² großen Abferkelbuchten plus Auslauf. Ich kann die Zahlen von Haus Düsse im wesentlichen bestätigen. Nach unserer Erfahrung steigen die Verluste mit zunehmender Wurfnummer stark an, da die Sauen an Gewicht zulegen und die Beweglichkeit immer schechter wird. Der Einsatz schweizer oder norwegischer Genetik kann an dieser Grundtatsache wenig ändern, und kann daher nur ein Baustein sein die Probleme anzugehen. Nur Phantasten können den Leuten weismachen, man braucht nur die Sauen auszutauschen, und schon funktioniert die freie Abferklung. Wir reagieren derzeit darauf mit vozeitigem Abgang von Sauen die besonders nervös sind oder Fundamentprobleme haben, insofern ist natürlich die Zucht gefordert. Durch ein Bündel von Maßnahmen ( Erhöhte Selektion, höherer Betreungsaufwand, viel weiche Einstreu usw.) kann man das Problem eingrenzen, aber nicht beheben. Man muss daher ehrlich sagen, die freie Abferklung ist für koventionelle Betriebe derzeit nicht Wettbewerbsfähig.

    von Dr. Walter Haag

    Bewegliche Sauen erdrücken ihre Ferkel nicht.

    Die Zucht war ja auf immer bessere Fruchtbarkeit und größere Würfe angelegt. Die Mutterschweine wurden dadurch größer, schwerer, unbeweglicher und da hat dann die Entwicklung der Fixierungseinrichtungen natürlich eine Verbesserung der Erdrückungsquote bewirkt. Eine leichtere, drahtigere, beweglichere Muttersau, die sich auch vorher schon frei bewegen konnte, kann beim Ablegen, wenn sie den Ferkelkontakt spürt, noch reagieren und gegensteuern und ein Erdrücken verhindern. Hingegen läßt sich eine "fette Sau" nach begonnenem Ablegeprozess vollends plumpsen, weil sich nicht mehr gegensteuern kann. Die Züchtung muss also wieder in die entgegengesetzte Richtung gehen: leichtere, drahtigere,fittere Sauen bei dann wahrscheinlich wieder weniger Ferkeln pro Wurf.

    von Martin Rittershofen

    Einfach machen

    Es ist natürlich das Einfachste, wieder zu sagen: geht nicht. Die Sau gehört eingesperrt. Der Aspekt der Genetik wird und wurde bei dem Versuch in Düsse wider besseren Wissens offensichtlich außer Acht gelassen. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, die Schweizer und Norweger haben bereits die Erfahrung gemacht, dass sich nicht alle Genetiken für die freie Abferkelung gleich eignen. Schweizer und norwegische Linien eignen sich besser als die bislang in Deutschland verwendeten Sauen. Davon abgesehen ist entscheidend wie die Abferkelbucht gestaltet wird. Auch das weiß man seit Jahrzehnten. Es geht eben nicht, einfach nur ein paar Metallstangen rauszubauen. Es benötigt Kenntnisse im Verhalten der Schweine. Wenn Ferkelnester so gestaltet sind, dass es für die Ferkel wärmer und angenehmer ist, dort hin zu gehen, als unter die Sau, ist das schon einmal ein ganz wichtiger Punkt. Der zweite Punkt ist, dass Abweistangen so konzipiert sein müssen, dass Ferkel immer, egal wo, in einem Rundlauf die Möglichkeit haben, wieder zur Sau zu gelangen und nicht bspw. hinter ihrem Rücken engeklemmt werden können. Mindestgröße ist nach heutigem Wissen für eine freie Abferkelbucht 9-10 Quadratmeter. Alles andere ist zu klein. Und wie gesagt: die Genetik spielt eine entscheidende Rolle. Es sich einfach machen ist keine Lösung. Sauen müssen ein Nest bauen können für ihre Ferkel, das ist sogar gesetzlich vorgeschrieben - dieses Verhalten ist in den Tieren angelegt und muss ausgelebt werden - und das geht im Kastenstand definitiv nicht. Sie müssen sich um ihre Ferkel kümmern und mit ihnen Sozialkontakt aufnehmen können. Und sie müssen sich bewegen können. Gerade aufgrund mangelnder Bewegung kommt es zu vermehrtem Auftreten von MMA. In Sachen Zucht muss auch endlich angefangen werden, in Richtung weniger Ferkel, dafür vitaler gedacht werden Je mehr Ferkel desto höher die Anzahl untergewichtiger Ferkel. Die Zucht ist hier in einer völlig falschen Richtug immer noch unterwegs. Weniger ist mehr sollte die Devise sein. Nun wird als nächstes das Argument kommen: wer bezahlt es? Richtig. Fördermöglichkeiten werden aber leider von Landwirten viel zu wenig gefordert, meist eher von den Tierschutzverbänden. Warum ist das so?

    von Gerhard Seeger

    Bauern müssen wirklich dumm sein ...

    Leute, es gibt Gründe dafür dass die Tierhaltung heute so aussieht wie sie aussieht. Ein Grund für die Bemaßung moderner Abferkelboxen mit Ferkelschutzkorb waren die hohen Ferkelverluste in den früher üblichen Freilaufbuchten. Stück für Stück hat sich die Tierhaltung dahingehend verändert dass Ferkelverluste minimiert werden konnten. Nun soll das Alles falsch gewesen sein. Bauern müssen wirklich dumm sein und alle anderen haben offenbar die Schlauheit mit Löffeln in sich reingefressen (, halten selbst aber in der Regel keine Schweine).

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