Fleischmarkt

EU-Schweinefleischexporte um ein Viertel zurückgegangen

Laut vorläufigen Daten der EU-Kommission war die Ausfuhrmenge bei Schweinefleisch einschließlich Nebenerzeugnissen im ersten Halbjahr 2022 733.150 t geringer als im Vorjahreszeitraum.

Die Schweinefleischexporteure in der Europäischen Union haben in der ersten Jahreshälfte 2022 spürbar weniger Ware am Weltmarkt absetzen können als im Vorjahreszeitraum und mussten zudem deutliche Erlöseinbußen hinnehmen. Wie aus vorläufigen Daten der EU-Kommission hervorgeht, war die Ausfuhrmenge einschließlich Nebenerzeugnissen gegenüber Januar bis Juni 2021 um 733.150 t oder 24,8 % auf 2,22 Mio. t rückläufig. Noch nicht enthalten ist darin der im bisherigen Jahresverlauf leicht gestiegene Handel mit dem Vereinigten Königreich, weil für Juni noch keine vollständigen Daten vorlagen.

Die Verkaufserlöse des Drittlandgeschäfts, ohne Großbritannien, fielen mit 5,07 Mrd. € um 1,57 Mrd. € beziehungsweise 23,7 % geringer aus als in den ersten sechs Monaten 2021. Trotz des schwachen Ergebnisses war dies bei Menge und Wert aber das drittbeste Halbjahresresultat aller Zeiten. Das Exportminus resultierte nahezu ausschließlich aus der Kaufzurückhaltung Chinas und Hongkongs.

Geringer Importbedarf in China

Die in die Volksrepublik exportierte Menge an Schweinefleisch brach um gut 1 Mio. t oder 60 % auf nur noch 676.000 t ein. Die stark gestiegene Eigenproduktion sowie die Corona-Lockdowns führten in der ersten Jahreshälfte zu einem geringeren Importbedarf Chinas, den auch andere große Exporteure wie Brasilien oder die USA zu spüren bekamen.

Mittlerweile wird am Markt berichtet, dass wieder mehr Kaufanfragen aus der Volksrepublik kommen und die Inlandspreise wegen des nicht mehr so reichlichen Schweineangebots spürbar gestiegen sind; sie haben sich im Vergleich zu März fast verdoppelt. Die Ausfuhr nach Hongkong nahm laut Kommission gegenüber der ersten Jahreshälfte 2021 um 63 % auf 39.900 t ab, wobei der Absatz von Schlachtnebenerzeugnissen um 73 % und der von Schweinefleisch um 55 % sank. Zudem verringerten sich die Lieferungen nach Vietnam deutlich, und zwar um fast 58 % auf 37.660 t.

Mehr Absatz in andere Drittländer

Nahezu alle anderen Drittländer kauften jedoch von Januar bis Juni 2022 mehr Schweinefleisch in der EU als in der Vorjahresperiode. So legten die Lieferungen auf die Philippinen um 37 % auf 253.400 t und nach Japan um 45 % auf 246.900 t zu. Die nach Südkorea verschiffte Menge stieg sogar um fast zwei Drittel auf 184.850 t. Die hohen Preise in den USA und der gestiegene Dollarkurs des Wettbewerbers machten das EU-Schweinefleisch in den asiatischen Ländern erschwinglicher, zumal wegen der geringeren EU-Lieferungen nach China genug Ware vorhanden war.

Prozentual legten die Exporte nach Malaysia mit 137 % auf 20.800 t und nach Taiwan mit 127 % auf 51.200 t am stärksten zu. Sehr gut lief aber auch der Absatz in Australien mit einem Zuwachs von 73 % auf fast 90.000 t. In die kriegsgebeutelte Ukraine nahmen die EU-Lieferungen von Schweinefleisch, Würsten, Schlachtnebenerzeugnissen und Fett insgesamt um 59 % auf 58.460 t zu.

Größter Export Spanien mit Einbußen

Mit Ausnahme einiger nicht besonders exportstarker Länder, darunter Kroatien, Slowenien und Schweden, mussten die Anbieter in fast allen anderen Mitgliedstaaten Rückgänge bei ihrem Drittlandsabsatz von Schweinefleisch hinnehmen. Größter EU-Exporteur von Schweinefleisch blieb Spanien mit 428.920 t; das waren allerdings fast 293.000 t oder 26,2 % weniger als im ersten Halbjahr 2021.

Ebenfalls um rund ein Viertel auf 376.960 t gingen die Schweinefleischverkäufe Dänemarks auf den Weltmarkt zurück. Die auf Rang drei der wichtigsten EU-Exporteure liegenden Niederlande verzeichneten dagegen nur ein unterdurchschnittliches Minus von 12,9 % auf 351.980 t. Der Grund dafür war, dass die Ausfuhren von Schlachtnebenerzeugnissen im Unterschied zu anderen Mitgliedstaaten um rund 6 % zulegen konnten. Für Deutschland wurde von den EU-Statistikern ein sehr deutlicher Rückgang der Drittlandsexporte um gut 40 % auf 142.710 t im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2021 ausgewiesen.

Hier machten sich die Ausfuhrsperren wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) und die rückläufige Produktion bemerkbar. Im weiteren Jahresverlauf könnte Frankreich im Ranking der EU-Exporteure Deutschland noch überholen; die Franzosen lagen zuletzt mit 136.400 t nur noch knapp hinter dem früheren Primus bei der EU-Schweinefleischausfuhr.

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