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Ferkel: Lohnt sich der Einstieg in ein Label?

Die neuen Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung zwingen viele Ferkelerzeuger zum Um- oder Neubau. Lohnt es sich, den Umbau mit einem Einstieg in die Labelproduktion zu verbinden?

Unser Autor: Wilfried Brede, STA-Serviceteam Alsfeld GmbH, Hessen

Seit Frühjahr 2021 ist klar, wie die Vorgaben der neuen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung für Sauenhalter aussehen. Ab 2029 gelten neue Anforderungen für das Deckzentrum. 2036 müssen Ferkelerzeuger dann auch den Abferkelstall umgerüstet haben. Wer weiter Ferkel produzieren will, muss in den meisten Fällen die vorhandenen Ställe umbauen bzw. neubauen.

Für einige Sauenhalter stellt sich die Frage, ob sie gleich einen Schritt weiter gehen und in ein Tierwohl-Label einsteigen sollten. Die Labelauflagen gehen allerdings über die gesetzlichen Vor­gaben hinaus. Reicht der Bonus des Labelprogramms, um die zusätzlichen Baukosten und den höheren Arbeits­aufwand auszugleichen? Wir haben anhand eines Praxisbeispiels nachgerechnet.

Label für Ferkelerzeuger

Bei den meisten staatlichen oder vom Lebensmitteleinzelhandel (LEH) entwickelten Haltungskonzepten steht die Schweinemast im Fokus. Inzwischen gibt es jedoch einzelne Label des LEH, die auch für die Sauenhaltung und die Ferkelaufzucht Haltungsvorgaben formulieren.

Ein Beispiel dafür ist das „Hofglück“-­Programm der Edeka-Südwestfleisch. Dieses Label fordert unter anderem 7,5 m²-große Abferkelbuchten und geht damit deutlich über den künftigen gesetzlichen Standard von 6,5 m² hinaus.

Das Platzangebot im Deck- und Wartebereich muss beim Hofglück-Label mindestens 4 m² betragen. Davon sind wiederum 1,5 m² in einem Auslauf anzusiedeln. Den geforderten planbefestigten Boden müssen Sauenhalter darüber hinaus flächendeckend einstreuen. Im Innenbereich sollen sie dazu vorzugsweise Langstroh nutzen, im Außenbereich ist das Material Pflicht.

In der Ferkelaufzucht sind unter 20 kg 0,35 m² Platz pro Ferkel vorgeschrieben. In der Gewichtsklasse von 20 bis 30 kg müssen den Tieren 0,5 m² zur Verfügung stehen. Ein Auslauf ist in diesem Label nicht verpflichtend.

Die Teilnahme am Hofglück-Programm setzt voraus, dass alle Produktionsstufen die Labelkriterien erfüllen. Hofglück-Mäster dürfen ihre Läufer daher ausschließlich von Ferkelerzeugern beziehen, die ebenfalls die Labelkriterien erfüllen.

Teure Umbaumaßnahmen

Der Ferkelerzeuger in unserem Praxisbeispiel betreibt einen Zuchtsauenstall mit 252 produktiven Sauen. Eine Bestandsreduzierung und damit weniger verkaufte Ferkel sind für ihn aufgrund fester Lieferbeziehungen keine Option.

Für den Ferkelerzeuger stellt sich nun die Frage, ob sich ein Einstieg in das Hofglück-Programm rechnet. Um abschätzen zu können, wie hoch die Tierwohlaufschläge mindestens sein müssten, wurde eine Vollkostenrechnung der Ferkelerzeugung vorgenommen.

Für beide Umbauvarianten „Haltungs-­VO“ und „Label“ wurden dazu die Baukosten nach der DIN 276...


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