Bundestag

Ferkelkastration: Landwirte dürfen Tiere bald selbst betäuben

Der Bundestag hat am Donnerstagabend entschieden, dass Landwirte ihre Ferkel selbst zur Kastration mit Isofluran betäuben dürfen.

Schweinehalter dürfen ihre Ferkel vor einer Kastration künftig selbst betäuben. Der Bundestag billigte in der Nacht zum Freitag eine entsprechende Verordnung von Agrarministerin Julia Klöckner (CDU), mit der die betäubungslose Ferkelkastration eingedämmt werden soll, meldet die dpa. Bislang durfte die Narkose der Tiere nur von einem Tierarzt durchgeführt werden.

Die jetzt beschlossene Neuregelung ermöglicht es Landwirten, die Ferkel nach einer entsprechenden Schulung selbst mit dem Gas Isofluran zu betäuben. Eine flächendeckende Isofluran-Betäubung durch Tierärzte gilt aus wirtschaftlichen und logistischen Gründen als ausgeschlossen - allein schon, weil dafür nicht ausreichend Veterinäre zur Verfügung stehen. Deshalb sollen Schweinehalter nun einen entsprechenden Sachkundenachweis erwerben können. Dafür müssen sie einen theoretischen Lehrgang samt Prüfung, eine Praxisphase unter Anleitung eines Tierarztes sowie eine praktische Prüfung absolvieren.

Verordnung könnte ab Oktober gelten

Die Verordnung zu Isofluran muss noch vom Bundesrat beschlossen werden. Parallel dazu läuft auch noch die Genehmigung bei der EU-Kommission. Der Bundestagsbeschluss von gestern war erst der erste Schritt. Derzeit ist geplant, dass die Verordnung im Oktober 2019 in Kraft treten könnte.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

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Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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von Richard Huber

Endlich ein phyischer Beitrag der Politik

zum Bauernsterben. Isofluran ist schwer leberschädigend für den mehrfachen Anwender. Die Qualen für die Ferkel bis zum Einsetzen der Betäubung und der viel zu spät einsetzenden Aufwachphase werden von den s. g. Tierrechtlern gerne in Kauf genommen. Wir leben wirklich in einer total verrückten Welt.

von Wolfgang Heitmann

Sicherheit des Anwenders?

Ist das jetzt der goldene Weg? Eine solche Anlage zum Betäuben mit Isofluran kostet mehre tausend Euro, und lohnt sich erst ab 300 Sauen und mehr. Die kleineren Betriebe werden allesamt aufgeben müssen, wenn nicht auch die örtliche Betäubung zugelassen wird. Zudem gibt es auch erhebliche Risikos mit Isofluran. Ferkelverluste gibt es nach der herkömmlichen Methode mit Schmerzmittel, oder einer örtlichen Betäubung wohl kaum, bei der Narkose mit Isofluran, spricht man von 10% und mehr, ist das Tierschutz? Und wenn nach 5-10 Jahren die ersten Anwender Leberschäden davon tragen ist das halt Pech, Berufsrisiko. Na denn mal drauf los mit dem Gas, ich jedenfalls werde meine Sauen zum Schlachthof bringen, und den Quatsch nicht mitmachen.

von Harald Finzel

Sicher?

Ich vermute, dass auch diesmal der Bundesrat noch ein Wörtchen mitzureden hat. Und dessen Zustimmung dürfte angesichts der politischen Verhältnisse in den Ländern eher fraglich sein. Die Endgültigkeit der Bundestags-Entscheidung, die der Artikel und insbesondere die Überschrift suggeriert, scheint mit also unangebracht zu sein.

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