Ferkelkastration: Schweden zeigt, wie es geht

Das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration rückt immer näher. Gerade für eine kleinstrukturierte Landwirtschaft wie in Bayern ist das ein bedrohlicher Termin. Laut der Vion-Kundenzeitschrift "ProAgrar" Grund genug, sich in Schweden umzusehen, wie andere Länder der EU den gesetzlichen Vorgaben begegnen.

Eine 26-köpfige Delegation aus Bayern informierte sich auf dem Betrieb von Mattias Espert in Südschweden über die Ferkelkastration und lokale Betäubung mit Lidocain durch den Landwirt. (Bildquelle: Vion)

Das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration rückt immer näher. Gerade für eine kleinstrukturierte Landwirtschaft wie in Bayern ist das ein bedrohlicher Termin. Laut der Vion-Kundenzeitschrift "ProAgrar" Grund genug, sich in Schweden umzusehen, wie andere Länder der EU den gesetzlichen Vorgaben begegnen.

Angeführt von Bauernpräsident Walter Heidl führte die Fachexkursion Schweineerzeugung die Bayern in diesem Jahr nach Klagstorp in Südschweden, eine Ackerbauregion mit Tierhaltung und kurzen Wegen zwischen den landwirtschaftlichen Betrieben und Schlachthöfen.

Auf dem 2.000-Sauen-Betrieb von Mattias Espert sah die 26-köpfige Delegation mit Experten vom Bayerischen Bauernverband (BBV), vom Landwirtschaftsministerium, vom Tiergesundheitsdienst und von Erzeugerseite, wie Landwirte mit örtlicher Betäubung die Kastration männlicher Ferkel vornehmen. In Schweden ist das Mittel Lidocain für die örtliche Betäubung bei der Kastration zugelassen und hat sich in der Praxis bewährt. Die postoperative Schmerzbehandlung wird mit Metacam durchgeführt.

Die schwedischen Landwirte wurden geschult, um die Betäubung ohne Tierarzt vornehmen zu dürfen. Der gesamte Eingriff wird sehr routiniert, ruhig und mit größtem Respekt vor den Tieren durchgeführt. Das zeigte sich auch, als die Ferkel nach der Kastration schnell wieder das Gesäuge der Sau aufsuchten. Veredelungspräsident Gerhard Stadler (BBV) überzeugte das Verfahren total: „Die schwedischen Landwirte haben uns die sichere und gezielte Umsetzung der lokalen Betäubung eindrucksvoll vorgeführt.“

Auch Dr. Andreas Randt vom bayerischen Tiergesundheitsdienst war beeindruckt und denkt einen Schritt weiter: „Die deutschen Landwirte haben jahrzehntelange Erfahrung mit der Kastration. Ich bin überzeugt davon, dass auch sie, nach einer entsprechenden Schulung, die Lokalanästhesie verantwortungsvoll durchführen.“ Für Bauernpräsident Walter Heidl gibt es nach der Experten-Expedition in den hohen Norden daran keinen Zweifel: „Ich bin von dem schwedischen Weg mit der lokalen Betäubung durch den geschulten Landwirt überzeugt!“

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Richard Huber

Nachdem QS inzwischen

mitgeteilt hat, dass kastrierte Ferkel aus dem Ausland ohne jegliche Auflagen in das System QS übernommen werden, erübrigen sich solche Statements des DBV komplett. Das Kind Ferkelerzeugung ist in Deutschland bereits in den Brunnen gefallen.

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