Ferkelvermarktung: David mit Goliath Premium

Mit 55000 Sauen ist die Landwirtschaftliche Ferkelzucht Deutschland (LFD) der größte Sauenhalter hierzulande. Geschäftsführer Jörn F. Göbert bietet Familienbetrieben eine gemeinsame Ferkelvermarktung an. Ziel sind höhere Zuschläge für kleine Sauenhalter.

Vom Saulus zum Paulus?

Ein Kommentar von Marcus Arden:

Vom Saulus zum Paulus. Diesen Satz sagt man, wenn sich ein Schuft zum guten Menschen wandelt. Nun war und ist Jörn F. Göbert mit Sicherheit kein Schuft, seinen Vorgänger Adriaan Straathof hingegen haben viele in der Veredlungsbranche aber genauso wahrgenommen.

Anders als Straathof ist es Göbert gelungen, dem ehemaligen Straathofkonzern ein positiveres Image zu verpassen. „Bau-Eskapaden“ z.B. gehören der Vergangenheit an, seitdem der LFD-Chef am Ruder sitzt. Zudem sucht er gezielt die Zusammenarbeit mit den Behörden, um Altlasten zu regeln.

Mit seinem Partnerschaftsmodell setzt Göbert nun eine neue Duftmarke, über die manch klein strukturierter Ferkelerzeuger aufgrund des stetig steigenden Marktdrucks ernsthaft nachdenken wird – Vertragsferkelproduktion hin oder her. Was für viele Landwirte zählt, ist einzig und allein die Zukunftssicherung des eigenen Hofes.

Anstatt abzuwarten, bis die Ära der Familienbetriebe zu Ende ist, weil die Politik rumeiert und den Landwirten jedwede Planungssicherheit verweigert, handelt Jörn F. Göbert und gibt die Ein- und Verkaufsvorteile, die die LFD als Großbetrieb unweigerlich genießt, an seine Partner weiter. Hält der LFD-Boss sein Versprechen, handelt er transparent und bleiben die Familienbetriebe Partner auf Augenhöhe, kann das Modell für manchen Familienbetrieb ein Rettungsanker sein.

Hintergrund: Das Interview mit Geschäftsführer Jörn F. Göbert

Kleinere Sauenhalter können sich künftig der Landwirtschaftlichen Ferkelzucht Deutschland (LFD) anschließen und ihre Ferkel über die LFD vermarkten. Warum?

Göbert: Familienbetrieben mit 250, 300 oder 500 Sauen gelingt es immer seltener, ihre Ferkel zu kostendeckenden Preisen zu verkaufen. Für Verkaufs-partien unter 300 Stück gibt es mittlerweile empfindliche Preisabzüge, und die Macht der Händler wächst stetig. Die Familienbetriebe werden gerade in schwierigen Marktphasen wie jetzt regelrecht abgezockt, obwohl sie tagtäglich eine super Arbeit machen und mit viel Herzblut im Stall arbeiten.

Die LFD hat dank ihrer Betriebsgröße und der eigenen Vermarktungsstrukturen eine erhebliche Marktmacht. Daran wollen wir die Familienbetriebe teilhaben lassen.

Sie handeln sicherlich nicht aus reiner Nächstenliebe. Welche Vorteile verspricht sich die LFD von der Zusammenarbeit?

Göbert: Wir können durch Kooperationen mit Familienbetrieben unsere Marktposition im Ferkelhandel weiter stärken, weil wir das Ferkelangebot weiter bündeln. Zudem müssen wir kein eigenes Geld in neue Ställe und Personal investieren.

Durch weiteres Größenwachstum kommen wir zudem meinem Ziel der vertikalen Integration mit der Schlacht- und Verarbeitungsstufe näher. In der Integration sehe ich die Zukunft der Schweinehaltung in Deutschland, weil dann endlich das wöchentliche Geschacher um den Ferkelpreis entfällt. Die vertikale Integration funktioniert aber nur, wenn wir Landwirte eine starke Position gegenüber unseren Abnehmern einnehmen können. Und das geht nur, wenn wir zusammenarbeiten und nicht...

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