Kupierverzicht

Frankreich: Tierschützer legen Beschwerde wegen routinemäßigem Kupieren ein

Weil die französische Regierung keine Anstalten mache, das routinemäßige Schwanzkupieren von Schweinen zu reduzieren, hat "Compassion in World Farming" Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt.

Der französische Ableger der Tierschutzorganisation „Compassion in World Farming“ (CIWF) hat bei der Europäischen Kommission Beschwerde gegen Frankreich aufgrund des routinemäßigen Kupierens der Schwänze von Schweinen eingelegt. Wie CIWF in der vergangenen Woche mitteilte, werde die seit vielen Jahren von der EU verbotene Praxis in 99 % der Betriebe systematisch durchgeführt. Da die Regierung keine Anstalten mache, die bestehenden Gesetze durchzusetzen, müsse nun die EU-Kommission über ein formelles Vertragsverletzungsverfahren entscheiden. Die Tierschutzorganisation stützt sich unter anderem auf die Ergebnisse eines Audits, in dem die Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (GD SANTE) im Juni 2019 die Bemühungen Frankreichs zur Vermeidung von Schwanzbeißen und routinemäßigem Kupieren untersucht hat.

Demnach wurden die Schwänze der Schweine gewohnheitsmäßig kupiert und nur sehr wenige Maßnahmen ergriffen, um die Situation zu verbessern. Die hohe Anzahl von Verletzungen, die bei Untersuchungen in Schlachthäusern festgestellt worden seien, wiesen auf einen erheblichen Verbesserungsbedarf in den Schweinehaltungen hin. Laut dem Bericht hatten die zuständigen französischen Kontrollbehörden zum Zeitpunkt der Untersuchungen noch nicht begonnen, Vorgaben bezüglich des Kupierens durchzusetzen. Stattdessen hätten sich die amtlichen Kontrollen in den bedeutenden Erzeugerregionen seit 2017 darauf konzentriert, die Einhaltung von Grundstandards hinsichtlich der Versorgung mit Licht, Wasser und Beschäftigungsmaterial sicherzustellen. Berichte von unangekündigten Besuchen deuteten darauf hin, dass diese oftmals nicht beachtet würden.

Die Rede ist zudem von Fehlern in der Interpretation der rechtlichen Vorgaben, in deren Folge die hohe Anzahl von Verstößen gegen die Regelungen zum Schwanzbeißen und zu Beschäftigungsmaterialien „massiv“ unterrepräsentiert werde. Zwar habe die zuständige Behörde einen Plan zur Verbesserung der Situation erarbeitet, dieser sehe aber keine konkreten Vorgaben für einen höheren Anteil von Schweinen mit intakten Schwänzen vor. Zudem seien lange Übergangsfristen für die Einhaltung der bestehenden Vorschriften vorgesehen.

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