„Fürs Tierwohl brauchen wir ein Gesamtpaket!“ Premium

Tierwohllabel, Kastenstand und Kastration. Der Berufsstand ist unzufrieden mit dem Stand der Verhandlungen und fordert die Politik auf, endlich ein Gesamtpaket zu schnüren. Wir sprachen mit WLV-Präsident Johannes Röring und dem ISN-Vorsitzenden Heinrich Dierkes.

Johannes Röring und Heinrich Dierkes stellten sich den Fragen von top agrar- Redakteur Marcus Arden (li.) und Chefredakteur Dr. Ludger Schulze Pals (re.). (Bildquelle: Heil)

Tierwohllabel, Kastenstand und Kastration. Der Berufsstand ist unzufrieden mit dem Stand der Verhandlungen und fordert die Politik auf, endlich ein Gesamtpaket zu schnüren. Wir sprachen mit WLV-Präsident Johannes Röring und dem ISN-Vorsitzenden Heinrich Dierkes. Wie ist die Stimmung bei den Schweinehaltern? Röring: Explosiv. Die Preise sind mau und die Diskussion über das Tierwohl wird in weiten Teilen fernab der Realität geführt. Auch die Politik zögert: Weder beim Tierwohllabel, noch beim Kastenstand oder in der Kastrationsfrage geht es wirklich voran. Dierkes: Die drei Bereiche werden weitgehend unabhängig voneinander diskutiert, als hätten sie nichts miteinander zu tun. Die Gefahr ist groß, dass dabei Stückwerk herauskommt und hinterher nichts zusammenpasst. Mir fehlt die praxisnahe Gesamtstrategie. Röring: Betroffen sind vor allem die Ferkelerzeuger. Wenn wir nicht aufpassen, droht ein gewaltiger Strukturbruch. Wie ist der Verhandlungsstand beim staatlichen Tierwohllabel? Dierkes: Klöckners Vorschlag, ein dreistufiges Label einzuführen, ist im Grundsatz richtig. Sie muss das Rad aber nicht neu erfinden, denn mit der Initiative Tierwohl (ITW) und QS haben wir bereits funktionierende Systeme, auf denen sie aufbauen kann. Was heißt das? Röring: Bei der ITW sitzen seit fünf Jahren alle wichtigen Marktpartner am Tisch. Sie haben Strukturen geschaffen, die für das staatliche Tierwohllabel hervorragend genutzt werden können. Dierkes: Zum Beispiel bei der Festlegung der Kriterien für die einzelnen Stufen. Wir schlagen die ITW-Standards für die Einstiegsstufe vor. Die Stufen 2 und 3 könnten sich am Label des Tierschutzbundes orientieren. Ist das konsensfähig? Dierkes: Wir streiten mit dem BMEL zurzeit vor allem über die Einstiegsstufe. Es gibt im Ministerium Stimmen, die fordern, dass die Vorgaben der Einstiegsstufe deutlich über dem gesetzlichen Standard liegen müssen. Im Raum stehen u.a. 30% mehr Platz. Das halten wir für falsch. Wenn schon die Einstiegsstufe des Labels in der Produktion und später im Laden zu teuer wird, macht niemand mit. Ein weiterer Streitpunkt ist die Freiwilligkeit des Labels. Warum ist eine verpflichtende Haltungskennzeichnung besser? Dierkes: Weil dann keiner mehr ausbüxen kann. Ich habe nichts dagegen, zunächst freiwillig zu starten. Wenn das System dann auf der Erzeugerstufe läuft, muss die Ware im LEH, bei den Metzgern, in den Kantinen und bei der Systemgastronomie verpflichtend gelabelt werden. Dann können wir auch Rind und Geflügel mit einbinden. Röring: Das Ganze müssten wir bis zum Ende der zweiten Projektphase der Initiative Tierwohl auf die Reihe gebracht haben. Das wäre Ende 2021. Geht der Handel da mit? Dierkes: Ich höre, dass Lidl und Co. ihre Haltungskompasse zurückziehen werden, wenn es eine überzeugende staatliche Kennzeichnung gibt und die Spielregeln für alle gleich sind. Welchen Anteil der Produktion muss das Tierwohllabel abdecken, damit es die notwendige Breitenwirkung erzielt? Dierkes: Wir dürfen in der Einstiegsstufe nicht unter das aktuelle ITW-Niveau von 20% Marktanteil rutschen. Wenn es uns gelingt, die Großverbraucher einzubinden, sind auch 50% Marktanteil möglich. Die Stufen 2 und 3 des Labels werden Nischen bleiben. Wie soll der Mehraufwand in den Labelstufen finanziell ausgeglichen werden? Röring: Am besten über den Marktpreis. Wir müssen davon wegkommen, dass der Landwirt nur die Mehrkosten erstattet bekommt. Jeder Unternehmer hat auch Anspruch auf eine Marge. ...

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