Sechs Stallbrände pro Tag

Grüne drängen auf bundeseinheitliche Brandschutzverordnung für Ställe

Im Koalitionsvertrag steht eine Verbesserung des Brandschutzes. Noch aber seien die Vorgaben für Landwirte zu unkonkret und es gebe auch keine Tierschutz-Brandschutzverordnung, kritisieren die Grünen.

Ein Jahr nach dem Brand in Europas größter Ferkelzuchtanlage im mecklenburg-vorpommerschen Alt Tellin, bei dem zehntausende Tiere starben, sind erneut Forderungen nach einem bundesweit verbesserten Brandschutz in der Tierhaltung laut geworden.

Die agrar- und ernährungspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Renate Künast und die Berichterstatterin für Tierschutz der Fraktion, Zoe Mayer, machten unmissverständlich klar, dass sich solch eine Brandkatastrophe nicht wiederholen dürfe.

Sie wiesen darauf hin, dass es in Deutschland durchschnittlich sechs Stallbrände pro Tag gebe. Die Ampel-Regierung habe sich deshalb im Koalitionsvertrag vorgenommen, die Rechtsvorschriften zum Schutz vor Bränden und technischen Störungen in Ställen zu verbessern.

Die bisherigen Anforderungen an Tierhaltungsanlagen seien zu unkonkret, und es gebe bislang auch keine nach dem Tierschutzgesetz mögliche bundeseinheitliche Brandschutzverordnung. „Der im Grundgesetz verankerte Tierschutz erfordert besseren Brandschutz in Ställen mit ausreichend Platz, Auslauf und Tageslicht. Eine Rettung der Tiere aus dem Stall muss bei jedem neu gebauten Stall zu jeder Zeit möglich sein“, forderten die Grünen-Politikerinnen. Es brauche zeitnah eine klare und verbindliche Rechtsverordnung, die die Tiere schütze und nicht die Profitinteressen der Eigentümer.

Tierschützer für Verbot großer Ställe

Der Deutsche Tierschutzbund und sein Landesverband Mecklenburg-Vorpommern kritisierten, dass die Politik bislang keine konkreten Konsequenzen nach der Katastrophe ergriffen habe. Sie forderten ein Verbot konventioneller „Mega-Anlagen“, aus denen Tiere im Brandfall niemals realistisch evakuiert werden könnten.

„Wir brauchen eine Agrarwende, die sich an den Bedürfnissen der Tiere orientiert. Dazu gehören neben deutlich geringeren Bestandszahlen mehr Bewegungsfreiheit und Ausläufe, was auch dem Brandschutz zu Gute käme“, erklärte der Präsident der Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder. Nach dem Brand hatte der Tierschutzbund gemeinsam mit anderen Organisationen Strafanzeige gegen den Anlagenbetreiber LFD-Holding und gegen Unbekannt gestellt. Laut einem Gutachten scheidet ein technischer Effekt als Brandursache mittlerweile aus; die Ermittlungen laufen weiter.

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