Tierwohl

Haltungsform: VEZG fordert 13 Cent mehr

Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch begrüßt die Tierwohlinitiativen des Handels, fordert aber einen deutlichen Mehrkostenausgleich. Die Initiative Tierwohl widerspricht dem deutlich.

Seit dem 1. April 2019 kennzeichnet der deutsche Lebensmittelhandel die Haltungsform von Fleischerzeugnissen einheitlich. Primäres Ziel ist, mit Hilfe des 4-stufigen Tierwohllabels den Verbraucher über die Haltungsformen der Tierhaltung aufzuklären und ihn in die Verantwortung beim Einkauf einzubeziehen.

„Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) begrüßt die Initiative ausdrücklich, obwohl dies auf Erzeugerstufe mit erheblichen Zusatzkosten verbunden ist", so Matthias Frieß, Vorstand der VEZG in Oldenburg. Laut Frieß müssten die Landwirte die Mehrkosten in jedem Fall ersetzt bekommen. Die VEZG hat die Kosten der jeweiligen Tierwohlmaßnahmen jetzt von renommierten Betriebswirtschaftlern aus dem Agrarbereich berechnen lassen. Für die „Haltungsform 2“ des LEH ergeben sich danach Zusatzkosten auf Erzeugerstufe in Höhe von 13 Cent je kg Schweineschlachtgewicht. Mehrkosten entstehen laut VEZG auch bei dem von der Bundesregierung geplanten Staatlichen Tierwohllabel. Diese liegen etwa um das Vierfache höher, betont die VEZG. Für die VEZG sind die jetzt genannten Zahlen auch nicht in Stein gemeißelt. „Sollten sich an den Produktionsvorgaben der Labelinhaber Änderungen ergeben, muss die Kostenkalkulation neu angepasst werden“, so Frieß

Hinsichtlich der Kosten völlig anderer Ansicht ist man bei der Initiative Tierwohl (ITW). „Die Kennzeichnung der Haltungsform ist kein Produktsiegel, sondern ordnet bestehende Produktsiegel ein. Sie baut also auf deren Erfolgen auf. Das bedeutet für den Erzeuger faktisch keineswegs höhere Kosten“, teilt die ITW mit. Laut ITW bekommen Landwirte, die an der Initiative Tierwohl teilnehmen, die Mehrkosten durch das gezahlte Tierwohlentgelt der Initiative Tierwohl bereits ausgeglichen.

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Artikel geschrieben von

Marcus Arden

Redakteur Schweinehaltung

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Diskussionen zum Artikel

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von Ansgar Schwalen

Forderung der VEZG richtig und notwendig

Wir als Vereinigung des Emsländischen Landvolkes e. V. unterstützen die Forderung der VEZG ausdrücklich. Es ist nicht verwerflich, wenn seitens der VEZG endlich einmal fachlich fundiert ermittelt wird, welche tatsächlichen Mehraufwendungen bei Tierwohl für den Tierhalter entstehen. Wenn in der Gesellschaft die Forderung nach mehr Tierwohl so deutlich ist, muss es auch bezahlt werden. Und zwar soviel, dass der Landwirt hier in Deutschland die Tierwohlanforderungen gut umsetzen kann und auf der wirtschaftlichen Seite keine Nachteile entstehen!

von Matthias Bender

Mehrwert zum Nulltarif???

Der Handel generiert durch die 4 Stufen einen klaren Mehrwert. Wenn dies auch nicht durch ein separates Label dargestellt wird. Es kann aber nicht sein, dass dieser Mehrwert nicht bei uns Erzeugern ankommt. Ziel muss es in Zukunft sein das jede Maßnahme die uns Erzeugern im Stall Geld kostet auch bezahlt wird sonst füllen sich andere weiterhin auf unserem Rücken die Taschen. Ein ganz klarer Schritt der VEZG in die richtige Richtung.

von Norbert Post

VEZG /ITW

Kompetenzgerangel um die Hoheit der Meinungsführung. Es ist lächerlich. Wir werden von unseren eigenen Leuten verkauft. Alle ablösen ganz ehrlich, die haben in den Gremien nichts zu suchen! WAS die VEZG macht ist mehr als überfällig!

von Frank Schlake

Das ist doch ein Witz,oder?

Es wird jetzt darüber diskutiert wie hoch die Kostensteigerung denn wirklich ist ,bzw ob es überhaupt eine gibt. Dabei spielen reale Kosten wie wir sie aus den Buchabschlüssen kennen aber gar keine Rolle. Uns Landwirten werden bei all diesen Labelspielereien nur die Arbeit und die Kosten zugedacht. Daran verdienen wollen und sollen jedoch nur alle anderen Beteiligten,die mit unserer Ware dann Handel treiben. Das gibt es in keiner anderen Wirtschaftssparte. Es wird Zeit das unsere Berufsvertretungen sich endlich einmal für uns einsetzen damit auch wir Landwirte hier ausser einer evt Kostenerstattung und der zusätzlichen Arbeit endlich mal mit unserer zusätzlichen Arbeit auch zusättzlich Gewinne erzielen.

von Rudolf Rößle

An

der realen Kostenkalkulation waren betriebliche Daten wohl keine Grundlage.

von Lars Henken

Wer hat denn schon mal erlebt.....

..., dass dem Tierhalter die Kosten für zusätzliche Auflagen und Anforderungen fair erstattet wurden oder es gar eine zusätzliche, finanzielle Würdigung gab? Wenn es heißt, dass es für eine bestimmte Haltungen einen Cent mehr gibt, wird halt vorher der Basispreis um 3 Cent gedrückt.

von Werner Kriegl

Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing!

Sieht man an der ITW mit diesen Aussagen sehr deutlich. Da das Geld vom Handel kommt, kann es ja gar nicht sein, das der Landwirt Mehrkosten hat! Diese müsste man dann ja vielleicht sogar noch ausgleichen - daher kann nicht sein, was nicht sein darf!

von Gerhard Seeger

Mehr Tierwohl...

..., zumindest das was der Mensch als Tierwohl empfindet (das Tier wird eh nicht gefragt), bedeutet mehr Arbeit, mehr Kontrolle, mehr Bürokratismus, mehr Risiko. Dafür möchte ich keine Kostenerstattung, daran will ich Geld verdienen. In der nunmehr laufenden zweiten Runde ITW erkennt man an den zurückgefahrenen Boni wieviel das Thema "Tierwohl" Handel und Verbraucher wert sind. Leider.

von Annette Eberle

Initiative Tierwohl

Das ist mal wieder der Beweiß das man die Mehrkosten nicht bezahlt bekommt. Die ITW Tierwohlentgelte gleichen die entstehenden Kosten nicht zu 100 % aus.

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