„Hochgiftige, illegale Produkte“

Hannes Jaenicke legt mit Beschimpfung der Tierhaltung nach

Der Schauspieler Hannes Jaenicke war bereits vor einigen Monaten mit einer ZDF-Doku über angeblich “katastrophale Zustände” in der Schweinehaltung aufgefallen. Nun poltert er erneut.

Um sein neues Buch „Die große Sauerei – wie Agrarlobby und Lebensmittelindustrie uns belügen“ zu bewerben, hat sich Schauspieler und Tierrechtsaktivist Hannes Jaenicke passend zur EuroTier an die Medien gewandt, um seine kruden Verurteilungen der Tierhaltung zu verbreiten.

Im Interview mit dem Focus spricht er über die „Schrecken der Massentierhaltung“ und „geschändetste Kreaturen“. „Den Milchkühen geht es noch schlimmer. In der industriellen Massentierhaltung ist es einfach eine einzige Quälerei und das vom ersten Tag an“, sagte er. Das Tierschutzgesetz werde jeden Tag millionenfach absichtlich und wissentlich gebrochen.

Der Tierhaltungsgegner würde den Bauern am liebsten die Subventionen für „ungesunde, konventionelle Lebensmittel“ nehmen und stattdessen dorthin verteilen, wo gesunde Lebensmittel hergestellt werden; die „giftigen“ sollten vielmehr mit höheren Steuern belegt werden.

Die meisten Siegel oder Prüfzeichen sind für Jaenicke absichtliche Verbrauchertäuschungen. „Also da wird wissentlich und absichtlich genauso gelogen wie beim Brechen des Tierschutzgesetzes“, sagt er. Man müsse sich nur die drei Siegel Demeter, Bioland, Naturland merken, alles andere sei „Augenwischerei, Volksverarsche, Verbraucherbetrug!“

Im Interview schwenkt er dann aber noch ein wenig um. „Ich würde auch den ganzen Züchtern nie einen Vorwurf machen. Das ist erstens ein Produkt dieser völlig schwachsinnigen Subventionspolitik, die nur auf Größe und Masse subventioniert. Das ist ja alles genau falsch herum. Wer sammelt denn diese Subventionen ein? Das sind alles Großkonzerne, Großunternehmer, oft multinational.“

Was meint er mit giftig und illegal?

Auf die Frage des Focus, was er mit „giftig“ meint erklärt der Vegetarier, dass das Fleisch auf jeden Fall ungesund oder gesundheitsschädigend sei. Er spricht Lebensmittelskandale wie Salmonellen an, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und einen angeblichen Antibiotikum-Missbrauch in der Massentierhaltung.

Und als illegal bezeichnet Jaenicke den Kastenstand, der seit den 90ern verboten sei, das Schwanzkupieren, das Enthornen und das Schnäbelkürzen. „Das wird alles in Deutschland weitergemacht. Es ist in Deutschland auch offiziell verboten, genmanipulierte Nahrung auf den Markt zu bringen. Womit wird unser Vieh gefüttert? Mit genmanipuliertem Soja. Schon liegt das Zeug auf dem Teller.“

Als verantwortlich dafür sieht er die Agrarlobby, insbesondere den Bauernverband. Der sei so mächtig, mit der Politik so eng verflochten, dass das alles weitergeht; „illegalerweise“. Soweit zu dem neuen Buch.

Tierrechtler beklagen, nicht ernst genommen zu werden

Peta

Ein paar Tierhaltungsgegner vor dem Messeeingang der EuroTier am Dienstag. (Bildquelle: Arden)

Die EuroTier nutzte am Dienstag auch ein kleines Grüppchen der Tierrechtsorganisation Peta. Mit Plakaten empfingen sie die Besucher am Eingang. Ebenso springt der Tierhaltungsgegnerverein Tierschutzbüro auf die Messe auf.

In einer Mitteilung beklagt Aktivist Jan Peifer, dass sich auch zwei Monate nach Veröffentlichung heimlicher Videos aus Schweineställen in NRW und Niedersachsen nichts geändert habe. Die zuständigen Veterinärämter hätten zwar meist schnell gehandelt und Kontrollen durchgeführt. Und auch bei den Staatsanwaltschaften gebe es noch Ermittlungen nach den Tierschutzbüro-Anzeigen.

Nur gehe es alles so weiter wie bisher, die Aktivisten vermissen die große Agrarwende in der Tierhaltung. Denn die dokumentierten Westfleisch-Zulieferbetriebe habe man zufällig ausgewählt. „Die Tierquälerei hat System", sagt Peifer. „Bis heute arbeitet Westfleisch mit den Skandalbetrieben zusammen – Aufklärung sieht anders aus".


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