Hartelt: Landesregierung lässt Schweinehalter im Stich

Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V. (BWV), Eberhard Hartelt, ist entsetzt über die mangelnde Sachkenntnis der Spitze des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums und deren vollkommene Fehleinschätzung der Lage im Hinblick auf die betäubungslose Ferkelkastration.

Eberhard Hartelt (Bildquelle: Food Culture Net)

Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V. (BWV), Eberhard Hartelt, ist entsetzt über die mangelnde Sachkenntnis der Spitze des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums und deren vollkommene Fehleinschätzung der Lage im Hinblick auf die betäubungslose Ferkelkastration.

„Das Ministerium verschließt die Augen vor der Realität und gefährdet damit auf fatale Art und Weise die Existenz der Ferkelerzeuger im Land!“ Die betäubungslose Ferkelkastration ist ab dem kommenden Jahr verboten, aber es fehlt derzeit an praktikablen Alternativen.

Besonders kritisiert Hartelt die Aussage von Staatssekretär Dr. Thomas Griese in einem Interview mit dem SWR. Darin bezeichnet dieser die vom Berufsstand geforderte Lokalanästhesie, den sogenannten 4. Weg, als Fata Morgana, da es die Methode noch gar nicht gebe. Dabei würde ein Blick nach Skandinavien ausreichen, so Hartelt. In Norwegen werde die Ferkelkastration unter Lokalanästhesie seit 2003 und in Schweden seit 2016 routinemäßig durchgeführt. Auch in Dänemark komme der 4. Weg seit Jahresbeginn erfolgreich zur Anwendung.

Der BWV-Präsident hat deshalb kein Verständnis für die Blockadehaltung gegenüber diesem Verfahren. Die Landesregierung solle sich endlich auf Bundesebene für die Zulassung der Lokalanästhesie einsetzen und wenn erforderlich auch für die Verschiebung des Ausstiegstermins aus der betäubungslosen Ferkelkastration.

Die von Umweltministerin Ulrike Höfken favorisierte Immunokastration sei keine Alternative, da sowohl der Lebensmitteleinzelhandel als auch die Metzger diese Methode bereits abgelehnt hätten. Die Vermarktung der so behandelten Tiere sei damit ausgeschlossen. Auch die Ebermast mache keinen Sinn. Der Markt für Eber sei begrenzt und der Bedarf der aufnehmenden Hand gedeckt. Die Betäubung mit Isofluran wiederum sei noch nicht zugelassen, bedeute ein hohes Sterberisiko für die Ferkel und werfe Fragen bezüglich des Anwenderschutzes auf.

Mit dem 4. Weg habe der Berufsstand laut Hartelt ein einfaches, wirksames und vor allem wettbewerbsfähiges Verfahren vorgeschlagen. Trotzdem würden dagegen immer neue Hürden aufgebaut, es fehle eindeutig der politische Wille für die Umsetzung.

Die Ferkelerzeugung in Deutschland insgesamt sinkt bereits stark, während die Importe aus Dänemark steigen, erklärt dazu der Bauernverband. Der Selbstversorgungsgrad der Republik sei unter 80 Prozent gefallen und in Rheinland-Pfalz betrage der Anteil am bundesdeutschen Ferkelbestand gerade einmal noch 0,6 Prozent.

Da die Zeit immer knapper wird, fordert der BWV-Präsident die politisch Verantwortlichen dazu auf, endlich Farbe zu bekennen: „Wenn die Schweinhaltung in Rheinland-Pfalz nicht mehr gewünscht ist, muss das offen kommuniziert werden, dann wissen die Betriebe wenigstens woran sie sind.“

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Manfred Sommer

Regierung lässt Schweinehalter im Stich

Man lässt sehenden Auges die Ferkelerzeugung gegen die Wand fahren . Aber vielleicht ist es manchen nur Recht auf diese Weise die ungeliebte Schweinehaltung loszuwerden. Wenn’s dann woanders produziert wird ist es egal zu welchen Bedingungen.

von Wilhelm Gebken

Ich empfehle die Gründe zu hinterfragen

WARUM die Politik tatsächlich die Schweinehaltung ohne erkennbare sachliche Gründe derart unter Druck setzt. Also ich tippe hier auf eine deutsche Spezialität, den "Vorauseilenden Gehorsam". Die Bevölkerungsgruppe, die Schweinefleisch per se ablehnt ist rasant auf dem Vormarsch.

von Wolfgang Daiber

"Horrorzenario "

Man stelle sich vor ,unsere Ferkel gehen ein Tag in die "Sommerfrische " nach Holland, werden dort einer "Behandlung" unterzogen,dabei werden sie hollandische Ferkel. Nach ein paar Tagen. oder auch nur Stunden gehen sie wieder auf eine Ausflugstour werden dann Importferkel aus Holland die in Deutschland als OS-Ferkel willkommen sind und alles ist im "Grünen Bereich"....... Leute aus der Politik ihr seid ein "Sauhaufen von Arbeitsverweigerern".SO und Jetzt Kann mich die Redaktion Sperren...oder sich bei mir Melden

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