Heidl und Otte-Kinast: „Herber Rückschlag für praktikablen Tierschutz“

Im Ausschuss für Agrarpolitik und Verbraucherschutz des Bundesrats gab es - wie berichtet - am Montag keine Mehrheit für Anträge, die eine Verlängerung der Frist der betäubungslosen chirurgischen Kastration männlicher Ferkel vorsahen.

Im Ausschuss für Agrarpolitik und Verbraucherschutz des Bundesrats gab es - wie berichtet - am Montag keine Mehrheit für Anträge, die eine Verlängerung der Frist der betäubungslosen chirurgischen Kastration männlicher Ferkel vorsahen. "Statt einen tierschutzgerechten und praktikablen Weg zu ermöglichen und Strukturbrüche in der deutschen Sauenhaltung zu vermeiden, hat damit aktuell eine Mehrheit der Bundesländer im Agrarausschuss des Bundesrates der Ideologie absoluten Vorrang gegeben", erklärt der bayerische Bauernpräsident Walter Heidl.

„Die Entscheidung ist ein herber Rückschlag für praktikablen Tierschutz in Deutschland. Hier wurde nicht nur ein Antrag auf Fristverlängerung abgelehnt, sondern die Zukunft der Kastration unter örtlicher Betäubung durch den Landwirt. Ich verstehe nicht, warum eine Methode, die in anderen Ländern der EU erlaubt ist, in Deutschland keine Chance bekommt. Denn die Ferkel aus diesen Ländern werden ja an deutsche Schweinehalter vermarktet. “

Der Bayerische Bauernverband fordert die Bundesländer auf, vor der anstehenden Sitzung des Bundesrates am 21. September einen Plenarantrag auf den Weg zu bringen, der letzlich ein zeitnahes Verfahren mit praktikablem Tierschutz vorsieht. Gleichzeitig ist die Bundeslandwirtschaftsministerin gefordert, alles Notwendige zu tun, um den Strukturbruch bei deutschen Ferkelerzeugern zu verhindern. „Es dürfen nicht noch mehr Ferkel aus Dänemark oder den Niederlanden mehrere hundert Kilometer durch Deutschland transportiert werden, weil unsere heimische Ferkelerzeugung aus ideologischen Gründen zerstört wurde“, betont Heidl.

Niedersachsen bleibt am Ball
 
„Maßlos enttäuscht“ reagierte auch Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast:  „Ein Verzicht auf die Fristverlängerung bedeutet für viele Familienbetriebe das Ende der Sauenhaltung“, warnte die CDU-Politikerin.
 
Der Tierschutz in der Tierhaltung sei ihr ein wichtiges Anliegen – der Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration müsse so zügig wie möglich erfolgen. „Derzeit ist es jedoch aus verschiedenen Gründen noch nicht möglich, die bekannten Alternativen der Ferkelkastration ohne Betäubung flächendeckend umzusetzen. Niedersachsen setzt sich daher weiterhin dafür ein, dass bei Ferkeln eine Kastration ohne Betäu­bung für eine begrenzte Zeit weiterhin zulässig ist“, so die Ministerin.
 
Der Tierschutz würde laut Otte-Kinast bei einem Verzicht übrigens auch nicht gewinnen: Wer Ferkel aus dem Ausland bezieht, nehme lange Transportwege in Kauf und habe kaum Kontrollen darüber, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten und kastriert wurden. Auch deshalb sei es klares Ziel, dass es weiterhin Ferkel aus Nieder­sachsen gibt und nicht nur aus Dänemark oder den Niederlanden.

Thomas Schröder zufrieden

Als „gute Nachrichten" bezeichnete hingegen Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, den Beschluss. Damit sei eine wichtige Hürde genommen. "Wir können jetzt nur an das Plenum des Bundesrates appellieren, sich in der Sitzung am 21. September ebenso zu entscheiden und für das bestehende Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration ab 2019 einzustehen. Es darf nicht sein, dass die Politik vor der Branche einknickt und die Ferkel fünf weitere Jahre leiden müssen, obwohl tierschutzgerechte Alternativen existieren und es ausreichend Zeit für eine Umstellung gab."
 

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