Afrikanische Schweinepest

IGS-Mitgliedsbetriebe veröffentlichen Vorschläge zur ASP-Bekämpfung

In einem 18-seitigen Dokument kritisieren Interessenvertreter schweinehaltender Betriebe in Ostdeutschland die ASP-Bekämpfung. In einem Acht-Punkte-Plan fassen sie ihre Forderungen zusammen.

Mehr als 500 Fälle von Afrikanischer Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen wurden seit dem ersten Ausbruch im September 2020 in Deutschland registriert. Angesichts der zunehmenden ASP-Ausbreitung kritisieren die Mitgliedsbetriebe der Interessengemeinschaften der Schweinehalter (IGS) in Brandenburg, Sachsen und Thüringen sowie des Schweinewirtschaftsverbandes Sachsen-Anhalt Mängel beim Umgang mit der Tierseuche. In einem am vergangenen Freitag veröffentlichtem sogenannten „Whitepaper“ weisen sie auf die außerordentliche Dringlichkeit hin, die ASP schnell und effektiv in Deutschland auszurotten. Die Betriebe wollen mit diesem 18-seitigen Dokument vorbeugende Maßnahmen für einen strukturierten und zielführenden Umgang des Bundes, der Länder, der Kreis- und Ortsbehörden mit künftigen Tierseuchen empfehlen.

Acht-Punkte-Plan

Die Mitgliedsbetriebe der IGS in Brandenburg, Sachsen und Thüringen sowie der Schweinewirtschaftsverband Sachsen-Anhalt fordern folgende Punkte, zur Eindämmung der Seuche auf deutschem Hoheitsgebiet:

  • 1. Entlang der gesamten brandenburgischen Ostgrenze soll die Landesregierung in Potsdam schnellstens veranlassen, dass ein lückenloser fester Zaun errichtet wird, um weitere ASP-infizierte Wildschweine abzuhalten. Bestehende Anlagen müssen ergänzt werden. Darüber hinaus fordern die IGS-Mitgliedsbetriebe und der Schweinewirtschaftsverband Sachsen-Anhalt, die Lücken in der festen Abtrennung entlang der Autobahnen 10, 11, 13 und 17 von Norden nach Süden zu schließen. Dies sei einfach zu erreichen, wenn vorhandene Zäune ergänzt werden, Wildbrücken versperrt und unter Autobahnbrücken mobile Weideroste verlegt werden.

  • 2. Zudem fordern sie die konsequente Bejagung von Schwarzwild mit Personal aus dem öffentlichen Dienst, Polizei und/oder Bundeswehr in Zusammenarbeit mit den örtlichen Jägern. Hierfür bedürfe es eines überregionalen Bejagungskonzeptes, das in Kooperation mit Forstwissenschaftlern, Landwirten und Jägern entwickelt, verbindlich festgelegt und kommuniziert werde.

  • 3. Eine bundesweite Versorgung mit Laborverbrauchsmaterial sollte zentral vom Krisenstab des BMEL organisiert werden. In der Bekämpfungszeit dürfe die Untersuchung von Falltieren und erlegten Wildschweinen unter keinen Umständen vernachlässigt werden, betonen IGS-Mitgliedsbetriebe und der Schweinewirtschaftsverband Sachsen-Anhalt.

  • 4. Die Landesregierungen von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen werden zudem aufgefordert, in Absprache mit der Bundesregierung Vereinbarungen mit der Regierung von Polen treffen, um die ASP konzertiert und effektiv zu bekämpfen. Es sei wichtig, eine wildschweinfreie Zone auf beiden Seiten der Grenze zu etablieren und dafür eine gemeinsame Strategie zu entwickeln.

  • 5. Höfe aus gefährdeten Gebieten sollen eine Ausgleichszahlung erhalten. Schäden, die sich aus den Besonderheiten der Schlachtung ergeben, sollen ebenso wie Schäden aus der verminderten Flächennutzung im Ackerbau ausgeglichen werden.

  • 6. Die Schweinehalter fordern außerdem, die Landkreise bei der Seuchenbekämpfung nicht allein zu lassen. Der Krisenstab im Potsdamer Verbraucherschutzministerium solle die Maßnahmen mit den Landkreisen und den kreisfreien Städten in Brandenburg zur Bekämpfung der ASP besser koordinieren, sich mit den anderen Landesregierungen und dem Bundeskrisenstab zielführender abstimmen und dauerhaft umfassend informieren. Vor allem Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern sollen einbezogen werden.

  • 7. Die Freilandhaltung von Schweinen muss in den gefährdeten Gebieten sofort untersagt und das Verbot dann auch durchgesetzt werden, so die IGS-Mitgliedsbetriebe und der Schweinewirtschaftsverband Sachsen-Anhalt.

  • 8. Die Schweinehalter fordern zudem, die Regionalisierungsverhandlungen mit China, Japan und anderen asiatischen Staaten zur Chefsache zu machen. Hier müsse sich Bundeskanzlerin Merkel persönlich einbringen und damit eine Priorität zum Nutzen für beide Verhandlungsparteien setzen.


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