Tierwohl Finanzierung

„Die neue Initiative Tierwohl ist eine Jahrhundertchance“

Die Initiative Tierwohl (ITW) setzt ihre Tierwohlprogramme ab 2021 fort und baut die Finanzierung und Sichtbarkeit um. Ihr Tierwohlgeld erhalten die Bauern künftig vom Schlachtunternehmer.

Die Initiative Tierwohl verändert ab 2021 ihre Finanzierung und erhöht die Kriterien für Schweinehalter leicht. Die neuen Bedingungen hat ITW Geschäftsführer Dr. Alexander Hinrichs heute auf der Grünen Woche in Berlin vorgestellt. Ab Januar 2021 startet die dritte, ebenfalls dreijährige Programmphase. Darauf hätten sich die Teilnehmer aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel geeinigt. "Wer Tierwohl will, kann es ab 2021 haben, Ausreden gelten dann nicht mehr", sagte Hinrichs vor der Presse. Die Kriterien seien für die Breite der Landwirtschaft und auch für die Breite der Bevölkerung "jenseits der Bio-Eliten" geeignet, so Hinrichs weiter.

ITW-Fleisch wird sichtbar

Eine entscheidende Neuerung, auf die vor allem der Lebensmitteleinzelhandel gedrängt hatte, ist, dass ab 2021 auch für große Teile des Schweinefleisch-Sortiments die Nämlichkeit gilt. Verbraucher können künftig am ITW-Produktsiegel erkennen, dass das Schweinefleisch aus Ställen teilnehmender Landwirte stammt. Bei Geflügelfleisch gilt das schon länger.

Mehr Tierhalter können mitmachen

Auch für die Landwiret ändert sich einiges. Der ITW-Chef machte deutlich, dass man ab 2021 wesentlich mehr Tierhalter benötige als jetzt, da der Handel große Teile seines Sortiments auf ITW-Ware umstellen möchte. Hinrichs appellierte an die Bauern mitzumachen. „Die neue Programmphase der ITW ist eine Jahrhundertchance. Denn erstmals kann Tierwohl breitenwirksam über den Markt getragen werden“, sagte Hinrichs.

Einheitliche Kriterien ohne Wahlmöglichkeit

Die Kriterien für Schweinehalter vereinheitlicht die ITW und hebt sie leicht an. Künftig wird es keine Wahlmöglichkeiten jenseits der Pflichtmaßnahmen mehr geben. Der neue Kriterienkatalog entspricht weitgehend den aktuell gültigen Grundanforderungen mit Tageslichteinfall, 10 % mehr Platz und umfassenden Maßnahmen zur Tiergesundheit. Die Kriterien „zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial“ und „Raufutter“ werden zu einem Kriterium zusammengefasst. Raufutter wird damit zur Pflicht. Bei Geflügel werden sich die Kriterien nicht ändern.

5,28 € pro Mastschwein

Neu ist vor allem die Finanzierung. Künftig werden die Mehrkosten für das Plus an Tierwohl nicht mehr über einen Fonds sondern über den Markt finanziert. Der teilnehmende Schweinemäster erhält ab 2021 vom Schlachtunternehmen zusätzlich zum Marktpreis einen Tierwohlaufpreis von 5,28 € pro Mastschwein. Dieser Betrag ist für alle teilnehmenden Landwirte gleich und wird von der Initiative Tierwohl festgelegt. Die Höhe des Betrags wird regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst. Die Schlachtunternehmen verhandeln dann mit dem Lebensmitteleinzelhandel oder anderen Abnehmern bilateral die erforderlichen Aufschläge für Tierwohlfleisch aus. „Wir sind zuversichtlich, dass dieses Modell Einkaufspreise ermöglicht, die sich ein Großteil der Verbraucher leisten kann und wird“, sagte Hinrichs. „Uns geht es nicht darum, Tierwohl so teuer zu machen, dass das ausschließlich Bio-Eliten bezahlen können.“

Übergangsfonds für Ferkelerzeuger

Zuächst gilt das neue Finanzierungsmodell nur für die Mäster. Denn ein dicker Brocken dürfte für die ITW die Umsetzung von geschlossenen Lieferketten, also von der Geburt des Tieres bis zum Endprodukt beim Verbraucher, werden. Um genug Ferkelerzeuger zu gewinnen, setzt die ITW ein Übergangsfonds auf, aus dem die Tierwohl-Maßnahmen der Ferkelerzeuger honoriert werden und der vom Lebensmitteleinzelhandel mit 2 Cent pro verkauftem Kilogramm Schweinefleisch finanziert wird. Der Fonds wird sich auf ein voraussichtliches Volumen von jährlich ungefähr 30 Mio. € belaufen. „Unser Ziel ist die Schließung der gesamten Lieferkette von der Sauenhaltung bis zur Schlachtung bis 2024. Dann soll die Finanzierung auch der Ferkelerzeugung über den Markt erfolgen“, so Hinrichs weiter.

Weitere Details zur dritten Programmphase und ein ausführliches Interview mit ITW-Geschäftsführer Dr. Alexander Hinrichs lesen Sie in der neuen top agrar-Ausgabe, die am 23. Januar erscheint.


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