Fleisch

Initiative Tierwohl will Finanzierung umstellen und sichtbarer werden

Die Initiative Tierwohl will künftig für alle Kunden und Käuferschichten präsent sein. Die Finanzierung wird dazu umgestellt, zudem wird die Kennzeichnung und das Produktprogramm erweitert.

Die Initiative Tierwohl plant eine massive Ausweitung der Kennzeichnung von Fleisch in Supermärkten und Geschäften. Die Gesellschaft hat zudem den Einstieg in eine dritte Projektphase ab 2021 und eine grundsätzliche Umstellung der Finanzierung beschlossen.

Wie Geschäftsführer Alexander Hinrichs gegenüber der WELT sagte, dürfe Tierwohl nicht nur Sache einer Bio-Elite sein. Jedem Verbraucher müsse es beim Einkauf möglich sein sich für mehr Tierwohl zu entscheiden.

Die Fortsetzung der Initiative zeigt laut WELT, dass Erzeuger, Fleischwirtschaft und Handel sich nicht auf die für 2020 angekündigte Einführung des lange geplanten staatlichen Tierwohl-Labels verlassen wollen. Weitere Verzögerungen würden den gesellschaftlichen und ethischen Druck noch verstärken, unter dem das Thema Fleischkonsum steht.

Bei der Initiative Tierwohl fließen bislang jährlich über 130 Mio. Euro vom Lebensmittelhandel in einen Fonds, der die Mittel an die teilnehmenden Züchter und Mäster verteilt. Dieses System wird nun geändert, so die Zeitung weiter. Laut Hinrichs erfolgt die Finanzierung künftig über den Markt statt über das bisherige Fondsmodell. Die Schlachtbetriebe würden teilnehmenden Schweinemästern dann einen festen Aufschlag zahlen, der sich aktuell auf 5,28 Euro pro Tier beläuft.

Das Verfahren sei mit dem Bundeskartellamt abgestimmt. Schrittweise solle dieses Prinzip auf die Vorstufen wie Ferkelaufzüchter ausgeweitet werden. Auch die Geflügelmäster sollen einen einheitlich definierten Aufpreis erhalten. Wie stark der Aufschlag die Verbraucherpreise verteuern wird, ist laut Hinrichs schwer absehbar. Gegenüber Erzeugern, die lediglich die gesetzlichen Mindestforderungen erfüllen, gelten nur moderate Erhöhungen als durchsetzbar.

Bei einem Praxistest der Hochschule Osnabrück wurden gerade einmal Preisaufschläge zwischen neun und 13 % für Tierwohl-Produkte von den Verbrauchern akzeptiert, erinnert die WELT weiter. Die tatsächliche Zahlungsbereitschaft für bessere Haltungsbedingungen liege danach deutlich niedriger als der immer wieder in Umfragen erklärte Wille, mehr fürs Tierwohl zu zahlen.

Bei der Initiative Tierwohl haben 2019 4319 Mastbetriebe mitgemacht, rund 24 % der Produktion wurden damit erfasst. Dieser Anteil müsse deutlich steigen, um den Kunden demnächst genügend individuell gekennzeichnete Ware bieten zu können, meint Hinrichs. Ab 2021 will er Tierwohl-Produkte bei Schweinefleisch in großem Umfang auf der Verpackung kenntlich machen. Dies sei jetzt bereits bei Geflügel der Fall. Bei Schweinefleisch, der wichtigsten Sorte, gibt bisher nur allgemeine Hinweise.

Die Marktdurchdringung solle bis zum Start der Kennzeichnung am Produkt in einem Jahr auf mindestens 30 bis 35 % steigen, sagte der Geschäftsführer der Zeitung weiter. Auf lange Sicht sollten doppelt so viele Schweinehalter mitmachen wie derzeit. Bei Geflügel seien es bereits jetzt 60 %. Auch der Lebensmittelhandel wünsche sich eine intensivere Produktkennzeichnung, so Hinrichs. So werde eventuelle schon 2022 auch Wurst einbezogen.

Der ITW-Chef bedauert allerdings, dass sich die Gastronomie bisher weitgehend wegducke, wenn es um das Thema Tierwohl und dessen Finanzierung gehe.


Diskussionen zum Artikel

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von Arndt Kremers

Das Ende scheint Nahe

Wenn dieses Finazierungssystem so umgestellt wird, bedeutet dies das Ende der Zuschläge. Das bisherige Finanzierungssystem war der Garant dafür das auch in schlechten Marktsituationen das Geld an die Erzeuger ausgezahlt wurde. Wie soll das denn demnächst z.B. das Geld an den Ferkelerzeuger ausgezahlt werden? Muss er sich das Geld vom Mäster holen? Ich kann unsere Vertreter in diesen Gremien nicht verstehen, das sowas mitgetragen wird. QS und Tierwohl wird in Ihren Strukturen ja auch von der Landwirtschaft mit finanziert. Aber die bekommen ja genug Aufwandentschädigung für Ihr Kaffetrinken in den Sitzungen.

von Markus Grehl

ITW, QS, V-Log

und das 29% billiger... jede Woche im Aldiprospekt zu sehen. Was bringt uns der ganze Sch... wenn wir trotzdem Ware zum verramschen produzieren?

von Norbert Post

ITW

Nach der ersten Runde ITW von 2015-2018 wurden einfach die Zuschläge halbiert, und es konnte die doppelte Menge an Schweinen an dem Programm teilnehmen ohne die Kosten zu erhöhen.Kann man noch einmal so machen, aber ich glaube , dann wird es keine Teilnehmer mehr geben, die diesen Aufwand dafür betreiben.

von Herbert Platen GbR

Der Kunde

muss den Mehraufwand bezahlen! Wenn es über den Schlachtbetrieb gemacht wird, wird es darauf hinaus laufen das zuerst ein Mehrpreis bezahlt wird und wenn genügend Betriebe investiert haben in die zusätzlichen Anforderungen, dann wird der Preisaufschlag als Basispreis gesehen und den anderen abgezogen sowie das Fleisch weiterhin im Laden verramscht. Das hatten wir schon Mal bei der Einführung von QS.

von Christian Bothe

ITW

Der richtige Weg! Einfach weiter so verbraucherfreundlich Marketing betreiben Dr.Hinrichs und nicht auf irgendein in den Schubladen von Klöckner staatliches Label warten.

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