Internationaler Erfahrungsaustausch zu Kastrations-Alternativen

Auf Initiative der Uni und einiger Wirtschaftsverbände fand gestern eine internationale Videokonferenz zum Thema Ferkelkastration statt. Die Experten plädierten dafür, alle vier Alternativen zur betäubungslosen Kastration ergebnisoffen zu diskutieren und kein Verfahren von vornherein auszuschließen.

Während man in Deutschland auf Länder- und Bundesebene immer noch darum ringt, beim Thema Ferkelkastration endlich Rechtssicherheit zu erhalten, werden kastrierte Ferkel aus den Niederlanden und Dänemark im QS Programm zugelassen. Dies sorgt zu Recht für Unruhe unter den deutschen Ferkelerzeugern. Deshalb hatten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Universität Bonn gemeinsam mit Wirtschaftsverbänden am gestrigen Dienstag (14.08.18) zu einer internationalen Videokonferenz mit Expertinnen und Experten aus Schweden, Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Österreich und der Schweiz eingeladen.

Ziel der Viedeokonferenz sei gewesen, Argumente und Erfahrungen auszutauschen, um mehr Bewegung in die festgefahrene Diskussion hier in Deutschland zu bekommen, heißt es in einer Pressemitteilung. Neuste Forschungsergebnisse zur Isofloran-Narkose, zur Lokalanästhesie, zum Schmerzmanagement sowie zur Form und Registrierung der Arzneimittelgaben seien untereinander ausgetauscht und unter Tierwohl-Aspekten diskutiert worden.

Bei dem Erfahrungsaustausch sei es aber auch darum gegangen, einen Lösungsvorschlag vorzustellen, von dem die gesamte Fleischwirtschaft in Europa profitieren könnte. Denn bereits heute zeichne sich ab, dass rund um die Themen Tierwohl und Tiergesundheit auf Druck des Lebensmitteleinzelhandels neue Wege der Qualifikation und Personenzertifizierung eingeschlagen werden müssen.

„Glücklicherweise beginnen wir auch in Deutschland nicht am Punkt Null“, so Prof. Dr. Brigitte Petersen, die eine kürzlich gestartete grenzübergreifende Public-Private-Partnership-Initiative zur Sachkunde koordiniert. „ Wir können auf Strukturen zurückgreifen, die auf Initiative der Wirtschaft in den letzten Jahren entstanden sind“, so Dr. Susanne Lehnert von der Bildungsgenossenschaft „Education and Qualification Alliance“ (EQAsce). Die Stärken der beiden Genossenschaften TIGA e.G (Tiergesundheitsagentur) und EQAsce seien die Erfahrungen bei grenzübergreifenden Entwicklungen von Problemlösungsstrategien.

Im Fall der TiGA geschehe dies derzeit für die Online-Beantragung von Sachkundenachweisen ähnlich wie beim Sachkundenachweis Pflanzenschutz. Parallel dazu akkreditiere die EQAsce entsprechend neue Angebote der Qualifizierung für Tierhalter und Bestandsbetreuenden Tierärzte, wenn es um Eingriffe am Tier und den Einsatz bestimmter Medikamente geht.

Experten schätzen, dass es zunächst eine von den Branchenstandards ausgehende Forderung der Weitergabe von Qualifizierungsnachweisen geben werde. Wenn die Gesetzeslage auch hierzulande für Eingriffe am Tier mit entsprechenden Arzneimitteln geregelt sei, erwartet man für die die TIGA in den nächsten Jahren auch die Übernahme hoheitlicher Aufgaben. Die TIGA könnte dann als Zentralstelle für die Beantragung von Nachweisdokumenten fungieren.

Die EQAsce sei von Beginn an als internationale Akkreditierungsagentur angelegt. Sie widme sich derzeit verstärkt der Harmonisierung von Ausbildungsinhalten sowie der Zertifizierung von Dozenten und Prüfern. Denn geeignete Trainer für die Qualifizierung von Landwirten würden mehr denn je benötigt - sowohl in Deutschland als auch den Nachbarländern.
 

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