Schweinemarkt

ISN warnt vor Schweinestau; EU-Agrarausschuss fordert Private Lagerhaltung

Sollten durch die Coronaausfälle bei den Mitarbeitern in der Schlachtbranche zu wenig Tiere verarbeitet werden, droht ein neuer Schweinestau. EU-Politiker fordern sofortige marktregulierende Maßnahmen

Die Personalsituation in den deutschen Schlacht- und Zerlegebetrieben hat sich zuletzt weiter verschärft, denn immer häufiger fallen Mitarbeiter durch Corona-Infektionen oder Quarantänemaßnahmen aus. Dies hat zur Folge, dass weniger Schweine geschlachtet oder bestimmte Teilstücke in der Zerlegung nicht hergestellt werden können. Regional kam es deshalb zu verzögerten Ablieferungen, obwohl das Lebendangebot wegen des Bestandsabbaus kleiner als in den Vorjahren ausfällt.

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Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) sprach von einer zugespitzten Lage am Schweinemarkt aufgrund der Omikron-Welle. Zwar sei es bisher noch nicht zu großen Überhängen gekommen, „doch kann sich diese Situation schnell ändern, wenn sich die Personalsituation an den Schlachthöfen weiter verschärft“, warnte ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack.

Wenn zu wenige Tiere verarbeitet würden, drohe wieder ein Schweinestau. Dieser dürfte zwar wegen des gesunkenen Schweinebestandes nicht mehr so groß wie vor einem Jahr ausfallen, doch stünden die Schweinehalter bereits am finanziellen Abgrund und bräuchten keine weiteren Verschärfungen der Lage.

„Wir haben den Eindruck, dass die Schlachtunternehmen erheblich in den Infektionsschutz investiert haben“, erklärte Staack. Jetzt komme es auch stark auf das Augenmaß der Behörden an. „In keinem Fall darf es wieder zu Situationen kommen, wie wir sie im vergangenen Jahr am Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück mit der langen Schließung gesehen haben", mahnte der ISN-Geschäftsführer.

EU-Abgeordnete fordern Öffnung der Privaten Lagerhaltung für Schweinefleisch

Der Agrarausschuss des Europaparlaments wirft der Europäischen Kommission unterdessen Untätigkeit auf dem EU-Schweinefleischmarkt vor und fordert in einem Brief an EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski sofortige marktregulierende Maßnahmen. Da die Intervention von Schweinefleisch in der EU-Marktordnung nicht vorgesehen ist, bleibt als Maßnahme zur Stützung der Preise vor allem die Private Lagerhaltung (PLH). Außerdem müsse die EU-Kommission die EU-Werbekampagnen für Schweinefleisch ausdehnen, um bestehende Absatzmärkte abzusichern und ne ue zu erschließen, fordern die Europaabgeordneten laut aiz.info in ihrem Brief.

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Dabei kommt der Agrarausschuss des Europäischen Parlaments zu einer sehr viel pessimistischeren Einschätzung der Marktlage als die EU-Kommission. Der erste Fall der Afrikanischen Schweinpest in Norditalien könnte schwerwiegende Folgen haben, wenn der Absatz von Parmaschinken wegbrechen sollte, führt Norbert Lins im Brief an Wojciechowski aus.

Die EU-Abgeordneten warnen vor strukturellen Brüchen im Schweinefleischsektor. Die Untätigkeit der EU-Kommission werde zu einer weiteren Konzentration bei der Erzeugung führen, mit all den negativen Konsequenzen einer industriellen Schweineproduktion für das Klima und die Umwelt. Wegen des nicht mehr kostendeckenden Preises werden zahlreiche kleine Landwirte ihre Schweineerzeugung aufgeben und die großen Erzeuger ihre Lücken ausgleichen, befürchten die Europaabgeordneten. Die von der EU-Kommission ins Spiel gebrachten Programme der 2. Säule der GAP und die nationalen Beihilfen würden das Problem nicht lösen, sind die EU-Abgeordneten überzeugt.

Die EU-Kommission will nun im Sonderausschuss Landwirtschaft mögliche Maßnahmen für den Schweinefleischsektor vorstellen. Gegen die Öffnung der PLH hatte sich Michael Scannell von der EU-Kommission noch vergangenen Dienstag im Agrarausschuss ausgesprochen. Scannell argumentierte mit den kurzen Produktionszyklen für Schweinefleisch und der unternehmerischen Einstellung der Produzenten, was zu einer Beseitigung der Überschüsse bei schlechten Preisen führen müsse. Die EU-Kommission wolle sich um Alternativen zu China im Export bemühen und sehe gute Chancen in den Philippinen, in Südkorea und in Vietnam. Die Öffnung der PLH gebe die falschen Signale und verzögere die Bereinigung des Marktes, betonte der Kommissionsmitarbeiter im Ausschuss.


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