Initiative Tierwohl

ITW-Schweine: Haben LEH und Schlachter die Bauern gelinkt?

Am Schweinemarkt gibt es aktuell zu viele Tierwohl-Tiere und Schlachthöfe zahlen zum Teil keinen Bonus. Das sorgt für Unsicherheit. Wir haben bei der Initiative Tierwohl nachgefragt.

Die Bauern haben in den letzten Monaten bewiesen, dass sie zu mehr Tierwohl bereit sind. Die Anmeldezahlen für die dritte Runde der ITW sind jedenfalls überwältigend. Doch jetzt kommt Frust auf. Der Grund: Viele Bauern erhalten nicht den versprochenen Bonus in Höhe von 5,28 € pro Schwein. Wie kann das sein? top agrar hat bei Robert Römer, Geschäftsführer der ITW, nachgehakt.

Herr Römer, seit dem 1. Juli sollen die Schlachtbetriebe den ITW-Bonus an die Bauern auszahlen. Offenbar zahlen aktuell aber einzelne Schlachtbetriebe den Bonus nur für die vertraglich zugesicherten ITW-Schweine. Der Markt brauche derzeit nicht mehr ITW-Fleisch, heißt es. Wie sehen Sie die aktuelle Situation?

Robert Römer: Das ist unterschiedlich. Wir wissen von manchen Schlachtbetrieben, dass sie noch Mastschweine suchen. Bei anderen ist offensichtlich derzeit kein weiterer Bedarf. Der Start in eine Marktlösung wird immer begleitet von der Suche nach der Balance zwischen Angebot und Nachfrage. Was uns sehr erfreut und positiv stimmt für die weiteren Herausforderungen, ist die große Bereitschaft der Landwirte, die ITW-Anforderungen umzusetzen. Wir werden mit den Wirtschaftsbeteiligten in der Kette die Optionen besprechen und prüfen, welche Schritte für eine steigende Nachfrage nach ITW-Schweinen sinnvoll sind. Hilfreich könnte z.B. eine steigende Nachfrage nach verarbeiteten Produkten mit ITW-Kennzeichnung sein.

Es heißt, die ITW habe die Schlachtbetriebe von der Zahlungspflicht des ITW-Bonus befreit. Stimmt das?

Römer: Wir haben nichts verändert. Die Schlachtbetriebe – sofern sie die Tiere als ITW-Tiere ankaufen – sind verpflichtet, die 5,28 € (netto) auf der Abrechnung separat auszuweisen und den Bonus zu zahlen.

Es soll Nebenverträge zu der Branchenvereinbarung zwischen der ITW und den Schlachtern geben. Darin soll stehen, dass die Schlachtunternehmen bis zwei Tage vor der Lieferung ITW-Schweine stornieren können. Gibt es wirklich solche Regelungen?

Römer: Dass Vereinbarungen zwischen den Beteiligten zur Lieferung von ITW-Schweinen getroffen werden, ist richtig und sinnvoll. Nur so haben der Mäster und der Schlachtbetrieb eine ausreichende Planungssicherheit. Über die Details und derartige Regelungen sind wir als ITW aber nicht informiert, das geschieht bilateral.

Kann sich die Initiative Tierwohl da...


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