top agrar plus Interview

„Junge Landwirte offen für die Weiterentwicklung der Tierhaltung“

DBV-Veredlungspräsident Hubertus Beringmeier fordert neben der Haltungs- auch die Herkunftskennzeichnung bei Schweinefleisch und mehr Unterstützung für die deutschen Ferkelerzeuger.

Im Vorfeld des Deutschen Bauerntages nächste Woche in Lübeck haben wir mit Hubertus Beringmeier über die Situation der Nutztierhalter gesprochen.

Herr Beringmeier: Hohe Futterkosten, sinkender Schweinefleischabsatz, ASP, Exportstopp, Reformstau auf politischer Ebene. Worauf muss sich die Branche Ihrer Meinung nach in den kommenden Monaten einstellen?

Beringmeier: Ich glaube, dass wir den größten Preisdruck auf die Schweinepreise jetzt hinter uns haben. Die Schweinebestände sowie die wöchentlichen Schweineschlachtungen sind zuletzt deutlich gesunken. Bis die Betriebsleiter aber wieder Gewinne erzielen, dauert es noch. Das Problem bleiben die anhaltend hohen Kosten, vor allem bei Futter und Energie.

Insbesondere die Ferkelerzeuger leiden weiter massiv unter der schwierigen Lage. Ein Grund ist die schleppende Einstallbereitschaft der Mäster. Können Sie das nachvollziehen?

Beringmeier: Bundesweit stehen nach unseren Schätzungen im Schnitt ca. 20 % der Mastställe leer. Ich habe zuletzt mit Engelszungen auf meine Mästerkollegen eingeredet, neue Ferkel einzustallen, um den Druck auf die Sauenhalter nicht noch weiter zu verschärfen. Im Hinblick auf die neue Ernte spüre ich derzeit ein wenig Entspannung, Ferkel flossen zuletzt wieder besser ab. Kein Verständnis habe ich dafür, wenn Mäster vereinbarte Zuschläge oder Übergewichte nicht mehr zahlen. Dann verhalten wir uns nicht besser als Teile der abnehmenden Seite, von der wir immer Fairness einfordern. Als Mäster müssen wir Rücksicht auf die Ferkelerzeuger nehmen.

Gerade jungen Landwirten ist nicht zu verübeln, wenn sie angesichts des enormen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Drucks das Handtuch werfen. Wie nehmen Sie die Stimmung bei den Junglandwirten wahr?

Beringmeier: Ich freue mich, dass viele junge Landwirte die Situation nicht so schwarz sehen. Gerade die Jüngeren stehen einer Weiterentwicklung in der Nutztierhaltung in Richtung mehr Tierwohl offen gegenüber. Viele machen sich trotz der derzeit schwierigen Rahmenbedingungen Gedanken darüber, wie sie ihre Ställe umbauen können. Entscheidend ist nun, dass die Politik dem landwirtschaftlichen Nachwuchs endlich Rechts- und Planungssicherheit verschafft.

Inwieweit spielt das Thema Tierwohl in der Gesellschaft derzeit überhaupt noch eine Rolle? Die hohe Inflationsrate lässt vielen Verbrauchern doch gar keine andere Wahl, als günstiges Fleisch einzukaufen.

Beringmeier: Durch die hohe Inflation schwächelt der Absatz von ITW-Fleisch oder Ware aus Haltungsform 3 und 4 momentan. Viele Verbraucher schauen derzeit noch genauer aufs Geld. Dennoch werden uns die Megatrends Tierwohl, Biodiversität,...

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