Bundesratsbeschluss

Kastenstand-Ende: Tierärzte enttäuscht über lange Übergangsfrist

Einen sofortigen Ausstieg aus der Kastenstandhaltung hatte die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz gefordert. Entsprechend enttäuscht zeigt sich Prof. Dr. Blaha.

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) zeigt sich enttäuscht von dem Beschluss des Bundesrates am Freitag zum Kastenstand. Wie deren stellvertretender Vorsitzender Prof. Dr. Thomas Blaha gegenüber dem NDR sagte, habe man sich deutlich kürzere Übergangsfristen zum Ausstieg aus der Kastenstandhaltung vorgestellt. Notwendig sei ein sofortiger Start in den Ausstieg gewesen, sagte er.

Blaha kritisierte zudem, dass die Regelung über die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung erfolgt. Diese sei kein modernes Instrument mehr, um die Tierhaltung zu regeln und müsse alle paar Jahre novelliert werden. Ein Gesetz, dass den sofortigen Start für den schrittweisen Umbau der Ställe in Gang gebracht hätte, wäre besser gewesen, sagte der frühere Professor der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Nicht akzeptabel

Zuvor hatte die TVT bereits in einer Pressemitteilung klargestellt, dass man eine Verlängerung der Kastenstandhaltung für nicht akzeptabel halte. Die Haltung von Sauen sei bei allen Bestandsgrößen ohne den Kastenstand möglich, meinen die Tierärzte und verweisen auf Skandinavien, wo die Gruppenhaltung von Sauen und die freie Abferkelung ohne Fixierung der Sau schon gesetzlich vorgeschrieben sei.

Auch in Deutschland würden Sauenhalter bereits auf die „kastenstandlose“ Haltung setzen. Die TVT habe schon 2018 in Ihrem Merkblatt „Eckpunkte einer tiergerechten Sauenhaltung“ (Merkblatt 95) Möglichkeiten einer praxistauglichen und tiergerechten Gruppenhaltung aufgezeigt. Es stünden also bereits Haltungssysteme ohne die zwangsweise Haltung im Kastenstand praxisreif zur Verfügung.

Als weiteres Problem sieht die TVT die immer wieder, unabhängig von den Haltungsbedingungen auftretenden Mängel und Defizite in der Tierbetreuung und Gesundheitsvorsorge in einzelnen Betrieben. Diese würden in den Empfehlungen des Kompetenznetzwerkes Nutztiere nicht ausreichend berücksichtigt. Betreuungsmängel könnten nämlich in allen Haltungsformen, auch in ökologischen und alternativen Haltungen, vorkommen und sind meist durch Managementfehler und oder menschliches Fehlverhalten verursacht.

Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „Um Tierleid zu vermeiden müssen also auch Betreuungsmängel in den Betrieben frühzeitig identifiziert werden. Hierfür bietet sich ein nationales Tiergesundheits- und Tierwohl-Monitoring an, für das die erforderlichen Daten bereits vorhanden sind. Durch das Monitoring kann bei Auffälligkeiten durch eine qualifizierte fachliche Beratung das Tierwohl in suboptimal arbeitenden Betrieben Schritt für Schritt verbessert werden. Bei permanenten Mängeln oder Uneinsichtigkeit kann durch eine risikoorientierte amtliche Überwachung und ggf. einhergehenden Sanktionierungen für Abhilfe gesorgt werden.“

Laut Blaha könne ein solches Monitoring in kürzester Zeit und mit einem vergleichsweise geringen Investitionsaufwand aufgebaut werden. Anhand der z. B. in den Tierbeständen und an den Schlachthöfen sowie in den Tierkörperbeseitigungsanlagen erhobenen Tiergesundheits- und Tierwohlindikatoren können seiner Meinung nach Betreuungsmängel einzelner Betriebe fortlaufend erfasst werden. „Damit bieten sie die Grundlage für eine fachliche Beratung bereits im Falle sich ankündigender tierschutzrelevanter Managementfehler und für zielgerichtete amtliche Kontrollen“, sagt Thomas Blaha.

Empfehlungen des Ethikrates schnell umsetzen

Lob gibt es von der TVT für die Ausführungen des Ethikrates. Die Tierschützer forderten die Bundesregierung auf, das Konzept des Kompetenznetzwerkes kurzfristig umzusetzen und in diesem Zusammenhang einen vollkommenen Verzicht auf die Haltung von Sauen in Kastenständen sowie ein sofort einzuführendes Gesundheitsmonitoring in das vorliegende Konzept zur Transformation der Nutztierhaltung zu integrieren.

Der deutsche Ethikrat hatte am 16. Juni in seiner Stellungnahme erhebliche Reformen gefordert, um künftig Mindeststandards eines akzeptablen Umgangs mit Nutztieren zu erreichen. Unter den derzeit rechtlich normierten Bedingungen in der Zucht, Haltung und bei der Schlachtung würden den Tieren, auch durch den wirtschaftlichen Druck, überwiegend vermeidbare Schmerzen und Leiden zugefügt.

Schon im Februar hatte das von Bundesminister a. D. Jochen Borchert geleitete „Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung“ dem BMEL ein Konzept vorgelegt, mit dem die Nutztierhaltung in Deutschland in die Lage versetzt werden soll, den fachlichen und gesellschaftlichen Ansprüchen an den Tier- und Umweltschutz zu entsprechen und trotzdem weiter wettbewerbsfähig zu bleiben, da die aktuelle Situation gesellschaftlich immer weniger akzeptiert wird. Nach Meinung der TVT wurde damit mit Zeitplan und Finanzierungskonzept ein umfassendes, umsetzbares Konzept erarbeitet, mit dem den systematischen Mängeln der intensiven Tierhaltung, etwa den Einschränkungen des natürlichen Verhaltensrepertoires der Tiere, begegnet werden könne.

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Der Bundesrat hat am Freitag die Neufassung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung angenommen. Sie leitet den Ausstieg aus der Kastenstandhaltung für Sauen ein.


Diskussionen zum Artikel

von Rosi Brase

Das sollten Sie alle mal lesen!

"Tiere als Mitarbeiter" https://news.topagrar.com/i/p-q4IyKww0xss1WQog_uelsCsi_oLc0JCl8HSYgyX2c Bei topagrar.com nachzulesen, sehr interessant!

von Rosi Brase

Warum können bzw. wollen wir das nicht??

"Die Haltung von Sauen sei bei allen Bestandsgrößen ohne den Kastenstand möglich, meinen die Tierärzte und verweisen auf Skandinavien, wo die Gruppenhaltung von Sauen und die freie Abferkelung ohne Fixierung der Sau schon gesetzlich vorgeschrieben sei." Bloß nichts ändern, läuft ... mehr anzeigen

von Karlheinz Gruber

Na ja,

gleich mal die Gegenfrage: Was sind Sie von Beruf? Dann: 1. Ja es funktioniert in anderen Ländern. Aber man darf hier bestimmte Bereiche nicht außer acht lassen: Klimazonen, Verluste von Ferkeln, Marktabschottung usw.; 2 hat bisher immer die Wissenschaft und Politik die Bauern beraten, ... mehr anzeigen

von Peter Schmid

Keine Ahnung von Sauenhaltung und Ferkelverluste

Dieser Wichtigmacher und Schwätzer Hr Blaha,ein haufen Kohle einschieben und Landrite in den Ruin treiben,er sollte mal sein Gehirn einschalten ,welche Kosten hier entstehen und im übrigen waren es Leute wie er von der Beratung ,die dieses System propagiert haben.Wenn man für dummes ... mehr anzeigen

von Markus Schieferstein

Unfair

Wenn so eine wirtschaftlich extreme Veränderung vom Gesetzgeber beschlossen wurde und die verantwortliche Politik vor den Folgen die Augen verschließt und nicht wirtschaftlich hilft, dann sind Klöcker und co. nicht mehr tragbar. Es kann und darf nicht sein, das in einen so ... mehr anzeigen

von Silvana Walter

Du hast kein Recht auf irgendwas

Einfach nur traurig das kein einziger von den Betreibern nach den armen Seelen fragt um die es hier geht. Als würde es den Tieren nichts ausmachen das Mensch sie so ausnutzt, auf wäre reduzieren und sie hinrichten oder hinrichten lassen. Wann wird auf die eingegangen die es ... mehr anzeigen

von Markus Grehl

Ihr Standpunkt?

Wie stehen Sie zum Wolf, der tötet grausam andere Tiere oder auch Katzen in ihrem Umgang mit Mäusen? Zudem würde mich auch interessieren was Sie zu den Zuständen der Tierhaltungen von NABU und Co sagen die ihre Tiere elendig verrecken lassen.

von Rudolf Rößle

ZOO

heute Thema in Bayern Im Radio. Die Mehrzahl der Kommentare und Wissenschaftler sind für deren Abschaffung.

von Marianne Averbeck

Bastelstunde für Sauen

Seitdem ich mich mit dem Thema Nutztierhaltung näher informiert habe, ist mir der Appetit auf Fleisch vergangen. Wie können Menschen so mit Lebewesen umgehen? Die Massentierhaltung ist ein Verbrechen an den Tieren. Nur der Profit zählt. Die Tiere sind Lebewesen, die wie der ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

@Averbeck

Auf welchem Planeten leben Sie eigentlich? Reden Sie nicht irgendetwas daher, sondern schauen Sie sich die moderne Nutztierproduktion in der Praxis an!Alles andere gibt‘s im Zoo...

von Christian Bothe

Blaha

Als ein in Leipzig studierter Tierarzt hat er doch in der Vergangenheit Kastenstände mitgetragen und Schweine später in Gemeinschaftspraxis mit betreut!Er sollte eigentlich noch wissen, das man diese technische Entwicklung weltweit eingeführt hat, um Ferkelverluste zu minimieren. Jetzt ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Blaha nur noch Bla Bla !

Aber es gibt andere Tierarztverbände !!!

von Gerhard Steffek

Theorie versus Realität

Wer solche "Freunde" hat, braucht keine Feinde. Oder fürchten die Tierärzte hier nur um ihre eigene Daseinsberechtigung? Denn wenn ich so lese, die Betreuung wäre oft genug mangelhaft, dann weiß ich wohin der Hase laufen soll. __ __ "Big Brother is watching you!" kommt mir hier in den ... mehr anzeigen

von Karin Wagner-Lindloff

Tierquälmolloch Deutschland

Wenn die Fleischfabrikanten den fühlenden, sensiblen Tieren ein wenig mehr Respekt entgegen gebracht hätten, bräuchten wir diese Diskussionen nicht. Es gibt mehrere Studien, dass die Sau, die Platz hat, ihre Ferkel überhaupt nicht erdrückt. Es ist reine Bequemlichkeit der ... mehr anzeigen

von Werner Buchner

Anfang vom Ende

Auflagen Kontrollen, Sanktionen nur so weiter. Wir sind auf dem besten Weg die Nutztierhaltung in Deutschland komplett abzuschaffen.

von Karin Wagner-Lindloff

Klöckners Billig, -Qual, -Ramschfleisch

Billiger, Billiger, Billiger, um die Tiere von überfüllten billigen Grilltellern in den Müll zu schmeißen, ist auch keine Lösung. Qualität und Respekt ist unumgänglich. Da sollten die Ramschfleischfabrikanten mal drüber nachdenken. Jeder Gewerbetreibende hat Rechte und ... mehr anzeigen

von Lars Henken

Warum halten die Tierärzte dann selbst keine Sauen?

Wenn die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) mit ihrem stellvertretenden Vorsitzender Prof. Dr. Thomas Blaha so genau weiß, wie man Sauen halten müsste, dann frage ich mich, warum diese Menschen von der Forschung und Tiermedizin leben und nicht selbst größere ... mehr anzeigen

von Karin Wagner-Lindloff

Massentierhaltung

Herr Henken, schlimmer könnten die das allerdings nicht machen.

von Andreas Gerner

Mimimi

Das ordnungsrechtliche Ende ist in 8 Jahren. Da nur Bauförderung kriegt (kriegen kann), wer schneller umbaut, ist das faktische oft früher. Und da ein Haufen Ferkelerzeuger aufgeben werden (Fass ohne Boden), Ist die Mehrzahl der Kastenständen in den nächsten wenigen Jahren schon leer. ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Wenn die Kastenstände aus Metall sind,

lassen die sich gut in das Ausland verkaufen.

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