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Kurswende in der Schweinehaltung: Das sagen die Praktiker Plus

Der Bundesrat hat die TierSchutzNutztV novelliert, der Bundestag die Regierung zur Umsetzung der Borchert-Pläne aufgefordert. top agrar hat mit Praktikern über die Folgen gesprochen.

So viel ist sicher: Durch die vom Bundesrat Anfang Juli beschlossene Novellierung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (kurz TierSchutzNutztV) steht die Veredlung in Deutschland vor einem tief greifenden Umbauprozess. Betroffen sind vor allem Ferkelerzeuger. Folgende Stimmen haben wir von Schweinehaltern, Beratern und Verbänden gesammelt:

  • Bernhard Feller, Bauberater, LWK NRW
  • Robert Dietz, Sauenhalter aus Möhnesee (NRW)
  • Manfred Aue, Sauenhalter aus Fürstenzell (Bayern)
  • Bernhard und Bernd Heiming, Ferkelerzeuger aus Dorsten (NRW)
  • Georg Schwienhorst, Bioferkelerzeuger, Hoetmar (NRW)
  • Hendrik Timphaus, Sauenhalter aus Vechta (Niedersachsen)
  • Markus Lehmenkühler, Sauenhalter aus Geseke (NRW)
  • Dr. Torsten Staack, ISN

90 % der Betriebe müssen umbauen

Bernhard Feller, Bauberater, LWK NRW: Die Änderungen sind für die Ferkelerzeuger eine echte Herausforderung. Nach meiner Einschätzung müssen über 90 % der Betriebe ihr Deckzentrum umbauen. Im Abferkelbereich dürfte der Anteil noch weitaus höher liegen. Knackpunkt der neuen Regelung ist die Forderung nach Gruppenhaltung im Deckzentrum. Damit die Haltung in dieser kritischen Phase funktioniert, sind die Ställe umzubauen. Besonders für abgesetzte Sauen, die ihre Rangordnung neu festlegen und die anschließend in die Rausche kommen, müssen Lösungen gefunden werden, die sicherstellen, dass sich die Sauen während der Gruppenfindungsphase nicht verletzen. Nötig sind v. a. größere Laufgangbreiten und damit mehr Fläche. Für die Zeit der Gruppenfindung fordert der Gesetzgeber 5 m² Platz pro Sau in der Zeit vom Absetzen bis zur Belegung. Ob die Zusatzfläche durch eine Arena, durch Reduzierung der Stallplätze im Abteil, oder andere Möglichkeiten geschaffen wird, kann nur betriebsindividuell entschieden werden. Wichtig: Belegte Sauen gelten als tragend, und damit sind ab diesem Zeitpunkt die entsprechenden Flächenvorgaben aus dem Wartestall einzuhalten. Die neuen Vorgaben verlangen den Betrieben sicherlich viel ab. Aber eine mehrtägige Fixierung der Sauen während der Rausche wäre nicht mehrheitsfähig gewesen. Deshalb ist der jetzige Kompromiss besser als der sofortige Vollzug des Magdeburger Urteils.

Erste Umbauideen sind schon im Kopf

Robert Dietz, Sauenhalter aus Möhnesee (NRW): Durch die neuen gesetzlichen Vorgaben kommen auf unseren erst 2011 neu gebauten Stall mit 560 Sauen hohe Investitionen zu. Der Stall muss um ein komplett neues Deckzentrum erweitert werden. Ein Vorteil ist, dass wir die Anlage nach Baurecht genehmigt bekommen haben. Wie ich die neuen Anforderungen umsetze, weiß ich noch nicht im Detail. Erste Ideen und Lösungen habe ich aber schon. In das bisherige Deckzentrum könnte ich Bewegungsbuchten für laktierende Sauen bauen. Dadurch kompensiere ich die spätestens in 15 Jahren wegfallenden 24 Abferkelbuchten im jetzigen Abferkelstall. Noch keine Lösung habe ich für unseren Stammbetrieb. Dort stehen 200 Sauen in Altgebäuden in Dorflage. Dieser Betriebsteil ist kontinuierlich gewachsen. Hier können wir nicht mal eben so ein Deckzentrum mit 5 m² pro Sau anbauen. Auch der Umbau der Abferkelbuchten wäre nicht möglich. Ich müsste den Bestand um 50 % reduzieren. Das macht dann aber auch fürden optimistischsten Sauenhalter keinen Sinn mehr. Nun muss ich überlegen, ob ich den Standort in acht Jahren schließe. Dann müsste ich mit meinen Mästern klären, wie ich deren Mastkapazitäten weiter mit meinen Ferkeln auslaste.

BImSch-Anlage: Droht jetzt der Filter?

Bernhard...

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Einen sofortigen Ausstieg aus der Kastenstandhaltung hatte die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz gefordert. Entsprechend enttäuscht zeigt sich Prof. Dr. Blaha.


Diskussionen zum Artikel

von Karin Wagner-Lindloff

Massentierhaltung

Jeder Gewerbetreibende in jeder Branche muss die Gesetzlichen Bedingungen erfüllen. Hätte man die Tiere gar nicht erst dermaßen gequält, müsste die Billigfleischfabrikanten jetzt nicht umbauen und nicht jammen. Bio oder nicht Bio! ARTGERECHTE HALTUNG IST DIE ZUKUNFT!!! WARUM ... mehr anzeigen

von Matthias Zahn

Sehr oberflächlich

Sie machen es sich ziemlich leicht mit ihren oberflächlichen Phrasen...... Ein Frage an den Profi: Wir kann es sein, dass die Leistungen der Sauen immer besser werden, wenn sie doch so "gequält" werden? Nur ein Tier dem es gut geht, bringt hohe Leistungen. Und die sind nötig, damit man ... mehr anzeigen

von Stephanie Winhard

Ich habe keine Ahnung von Ferkelerzeugung,...

frage mich aber, wo die Bios jetzt noch mehr Platz zur Verfügung stellen müssen oder reichen da die 5m² wie bei den Konvis auch? Wenn ja, wie vermittelt man dem Verbraucher das? "Nur" für Bio-Futter, wenn die Schweine doch nicht mehr Platz haben, als die aus der "konventionellen ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Stimmt!!!

Die Frage ist treffend! Somit sind auch die Biobetriebe mit betroffen, den damit verlieren sie ein Verkaufsargument. Ich möchte fast sagen, letztendlich ist das alles ein perfides Vorgehen der "gutverdiener Klientel" die ihr Gewissen durch besseres Tierwohl beruhigen, aber nicht dafür ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Rettet das "W" !

Die AgrarWende verkommt zum Agrarende.

von Gerhard Steffek

Absehbar!!!

Denke, von den 90 % die umbauen müßten werden es 50 % nicht machen. Damit kann sich ein jeder ausrechnen wohin das geht. Für die Restlichen, die diesen Beruf weitermachen wollen, bleibt dann trotz allem der Makel der Massentierhaltung. Ob das so erstrebenswert ist?

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Ist nur noch Bio

erstrebenswert? Am besten wir machen auf Wind und Solar und beziehen unsere Lebensmittel aus Billiglohnländer.

von Wilhelm Grimm

Ich bin kein Schweinehalter und frage mich,

ob sich das alles noch lohnt ?

von nikolai nissen

aus die maus

das wird fuer die meisten das aus bedeuten die Verdienstspannen werden keine alternativen zulassen

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