Interview

Schweinestau: Laumann hält an Corona-Auflagen fest!

NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann gilt als „harter Hund“. Die Corona-Auflagen in den Schlachthöfen will er trotz Schlachtstau nur bedingt lockern. Auch die Bauern nimmt er in die Pflicht.

Herr Laumann, die Schweinehalter kämpfen aktuell ums wirtschaftliche Überleben. Wie nehmen Sie die Sorgen und Nöte der Familien wahr?

Laumann: Ich kenne die Sorgen und Nöte sehr gut. Ich komme aus einem landwirtschaftlich geprägt Wahlkreis, mein Bruder führt unseren elterlichen Hof mit Schweinemast. Glauben Sie mir, ich weiß, was auf den Höfen los ist.

Der Berufsstand kritisiert, dass Sie zu viel Druck machen und die Corona-Auflagen in der Fleischbranche besonders scharf kontrollieren lassen. Deshalb können die Schlachter Kapazitäten nicht hochfahren. Das wäre angesichts des Schweinestaus aber dringend nötig. Schießen Sie übers Ziel hinaus?

Laumann: Nein! Schlachthöfe sind Orte, wo sich das Coronavirus gern aufhält und vermehrt. Deshalb müssen wir in der Fleischbranche besonders sensibel sein. Als Gesundheitsminister muss ich dafür sorgen, dass der Infektionsschutz nach bestem Wissen und Gewissen umgesetzt wird. Das Schlimmste, was den Bauern jetzt passieren kann, ist, dass wir einen zweiten Lockdown in einem großen Schlachthof bekommen.

Das können wir verhindern, indem wir wachsam bleiben und die Infektionsschutz- und Hygienestandards einhalten. Unsere Schlachthöfe sind nun mal nicht für Corona-Bedingungen gebaut. Die Bauern können aber sicher sein, dass wir nicht mehr fordern als unbedingt nötig ist. So dürfen zum Beispiel bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück die Abstände am Zerlegeband reduziert werden, wenn dafür mehr getestet wird. Auch mein erklärtes Ziel ist, den Durchsatz in den Schlachthöfen möglichst groß zu halten.

Die Fleischbranche kritisiert, dass es keine einheitlichen Auflagen für das Testen und den Arbeitsschutz gibt. Warum werden die Fleischbetriebe in NRW unterschiedlich behandelt?

Laumann: Das stimmt nicht. In der Corona-Fleischverordnung sind die Mindestvorgaben z.B. im Hinblick auf die Testdichte für alle Unternehmen einheitlich geregelt. Unterschiede entstehen, weil einzelne Firmen freiwillig darüber hinaus gehen. Westfleisch z.B. testet weit mehr als gesetzlich gefordert wird.

Die Probleme in der Fleischbranche treffen die Bauern massiv. Der Schweinestau führt zu wachsenden Tierschutzproblemen in den Ställen. Berücksichtigen Sie die Nöte der Bauern bei Ihren Entscheidungen überhaupt?

Laumann: Selbstverständlich mache ich das. Aber ich darf bei meinen Entscheidungen den Infektionsschutz nicht außer Kraft setzen. Seien wir doch ehrlich: Die Misere, die wir jetzt in der Schlachtbranche haben, ist ein Problem der großen industriellen Schlachthöfe. Es gibt sie, weil...

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