NRW-Antibiotikastudie: Erneut falsch gerechnet?

Vor gut zwei Wochen veröffentlichte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) die Überprüfung der im November 2011 präsentierten Antibiotikastudie. Doch der Agrarstatistiker Georg Keckl aus Hannover bemängelt nicht nur die ursprüngliche Studie, sondern auch deren erneute Prüfung durch das LANUV und die Prognos AG.

Vor gut zwei Wochen veröffentlichte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) die Überprüfung der im November 2011 präsentierten Antibiotikastudie. Doch der Agrarstatistiker Georg Keckl aus Hannover bemängelt nicht nur die ursprüngliche Studie, sondern auch deren erneute Prüfung durch das LANUV und die Prognos AG.

Nach der im November veröffentlichten Studie sollen 96,4 % der Masthühner einer antibiotischen Behandlung unterzogen worden sein. Keckl erklärt diesbezüglich, dass diese Tiere lediglich in Betrieben gehalten wurden, in denen im Untersuchungszeitraum antibiotische Behandlungen vorkamen. Das Vorgehen des LANUV, daraus abzuleiten, dass alle diese Tiere auch tatsächlich Antibiotika bekommen hätten, sei jedoch falsch.

Für die Datenerhebung waren die Kreisveterinäre beauftragt worden, die Gesundheitsbescheinigungen für die Schlachtung sowie zusätzliche Daten über den Antibiotikaeinsatz während der Mastzeit aufzuzeichnen. Wie Keckl, dem eigenen Angaben zufolge Originalmeldungen aus einigen Landkreisen vorliegen, verdeutlicht, sei es dabei teilweise zu einer Zusammenfassung von Tieren bzw. Mastdurchgängen gekommen. So lägen in den Rohdaten Mastdurchgänge mit bis zu 110.000 Tieren vor. So große Ställe gebe es in Deutschland jedoch nicht. Entsprechende Zusammenlegungen führen nach Aussagen Keckls bei der Auswertung und einer in diesem Zuge durchgeführten mehrstufigen Mittelwertbildung zu einer Reduzierung der antibiotikafreien Mastdurchgänge. Gleichzeitig werden antibiotikafrei aufgezogene Tiere unterschlagen.

Ungenauigkeiten seien auch bei der Auswertung der verwendeten Wirkstoffe aufgetreten. Nach Keckls Ermittlungen liegt das Maximum der verabreichten Wirkstoffanzahl bei neun (LANUV: acht) und die maximale Anwendungsdauer bei 24 Tagen (LANUV: 26). Eine Abhängigkeit des Antibiotikaeinsatzes von der Stallgröße ist nach Keckl aus diesen Daten nicht abzuleiten. Verlässliche Angaben sind seiner Meinung nach nur durch eine Wiederholung der Studie zu erlangen. Der Statistiker geht davon aus, dass die tatsächliche Anzahl der mit Antibiotika behandelten Tiere bei etwa 76 % liegt.

Quelle: Landwirtschaftliches Wochenblatt Westfalen-Lippe (16/2012)

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Artikel geschrieben von

Regina Imhäuser

Redakteurin Schweinehaltung

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