Schweinehaltung

Pig Port: Neue Generation Außenklimaställe

Das Gesicht vieler Schweineställe wird sich verändern: Die Tiere erhalten künftig Zugang zu Außenklima und Stroh. top agrar stellt in einer Serie die neuen Konzepte für Außenklimaställe vor.

Vielen Sauenhaltern und Mästern fällt es schwer, sich gedanklich von ihren bewährten Stallsystemen mit Vollspaltenboden und automatischer Klimaführung zu verabschieden. Das ist nachvollziehbar, schließlich wurde das Haltungssystem in den letzten 30 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert. Die Arbeitseffizienz ist ebenso gestiegen wie die biologischen Leistungen.

Doch die Zeiten ändern sich. Große Teile der Gesellschaft akzeptieren diese vor allem auf Effizienz getrimmte Haltungsform nicht mehr. Viele Verbraucher wollen, dass die Schweine Zugang zu Außenklima bekommen und sie sich mit Stroh oder anderen Beschäftigungsmaterialien die Zeit vertreiben können. Tierwohl liegt voll im Trend. Das zeichnet sich vor allem in den verschiedenen Labelprogrammen ab, die in den letzten Jahren entstanden sind. In vielen Programmen ist der Außenklimareiz neben anderen Vorgaben heute fester Bestandteil der Vorgaben.

Neue Konzepte gefragt

Angesichts des anstehenden Richtungswechsels in der Veredlung entstehen mehr und mehr Außenklimaställe. Erinnerten die Pionierställe zunächst eher an enge Ställe mit viel Handarbeit, entstehen mittlerweile schicke, lichtdurchflutete Stallsysteme mit automatisch gesteuerten Windschutznetzen sowie computergesteuerter Futter- und Einstreutechnik.

top agrar stellt die neuen Schweinestallkonzepte in einer Serie vor. Dazu haben wir mehrere Landwirte besucht und uns die Haltung vor Ort erklären lassen.

------

Reportage

„Unser Pig Port 5 ist zukunftsfähig“

Familie Muth-Köhne ist neu in die Mast eingestiegen. Anstatt einen konventionellen Maststall zu bauen, entschied sich Juniorchef Rainer für einen Pig Port mit Großgruppen und Einstreuroboter. Den Mist nutzt er für die Biogasanlage.

Familie Muth-Köhne hat schon mehrfach Mut bewiesen: Bereits in den 1970er-Jahren stiegen sie in der stark von der Milchviehhaltung geprägten Region im sauerländischen Schmallenberg in die Sauenhaltung ein. Mittlerweile hält der Betrieb gut 1.500 Sauen.

Im Jahr 2011 bauten sie zusammen mit einem Nachbarbetrieb eine Biogasanlage mit gut 1.100 kW Leistung und 2016 investierten Georg, Ursula und Juniorchef Rainer Muth-Köhne in die bis dato eher wenig verbreitete Futterfermentation. „Ein wenig gegen den Mainstream schwimmen und mal was Neues ausprobieren, das hat bei uns im Betrieb eigentlich immer gut funktioniert“, betont Seniorchef Georg Muth-Köhne.

Sohn Rainer steht seinem Vater in puncto Experimentierfreudigkeit in nichts nach. So hat sich der 25-jährige Landwirtschaftsmeister vor gut zwei Jahren dazu entschlossen, neu in die Schweinemast einzusteigen. „Wir können mit den 1.500 Mastplätzen zwar nur einen Teil unserer eigenen Ferkel mästen. Es ist aber ein Anfang“, erklärt Rainer Muth-Köhne.

Außenklimastall mit Stroh

Beim Stallsystem hat sich die Familie bewusst gegen einen konventionellen Schweinemaststall mit Vollspaltenboden und Zwangslüftung entschieden. Entstanden ist stattdessen ein Außenklimastall mit Großgruppen, Stroheinstreu und komplett überdachtem Außenauslauf. Belegt wurde dieser erstmals im Dezember 2020. „Wir wollten ein Haltungskonzept bauen, das zukunftsfähig ist, mit dem wir jederzeit auf Bioproduktion umsteigen können und das beim Verbraucher auf eine große Akzeptanz stößt“, begründet Betriebsleiter Rainer Muth-Köhne seine Entscheidung.

Ins kalte Wasser gesprungen ist der junge Betriebsleiter aber nicht. Bevor der Stallbau beantragt wurde, reiste er viel herum und schaute sich Außenklima-Stallkonzepte bei Berufskollegen in Deutschland, Schweden, Österreich und Dänemark an.

Am Ende fiel die Entscheidung für die Mast im Außenklimastall nach intensiver Beratung mit Pig Port-Erfinder Rudi Wiedmann ohne Gegenstimmen in der Familie. Und dann ging alles ganz schnell. Bereits nach gut einem Jahr lag die Baugenehmigung vor. Zugute kam dem Landwirt dabei, dass der Stall im bergigen Sauerland auf einer Anhöhe von 450 m über Normalnull steht.

Zudem bot Rainer Muth-Köhne der Gemeinde an, einen Wanderweg zum Stall zu bauen. So können die Touristen den Auslauf und die Tiere sehen. Dadurch schafft er einen touristischen Mehrwert für die Urlaubsregion. „Ich bin dankbar, dass wir schnell bauen durften. Denn wenn neue Bau- bzw. Haltungskonzepte auf den Markt kommen, kann man oft nur am Anfang Vermarktungsvorteile mitnehmen“, ist sich Rainer Muth-Köhne sicher.

Der Stall besteht aus einer Halle mit Leimholzbindern und isolierten Trapezblechen als Dacheindeckung. Der Betonboden ist vollständig planbefestigt. An der nördlichen Wand des Stalles hängen elektrisch justierbare Doppelstegplatten, die Südseite ist offen. Hier liegt auch der komplett überdachte Außenauslauf. „Zur Überdachung gibt es bei gut 1.100 mm Regen pro Jahr keine Alternative“, betont Rainer Muth-Köhne.

Zum Stallinneren ist der Auslauf mit Windschutznetzen abgetrennt, die sich elektrisch hoch- und runterfahren lassen. Das passiert automatisch in Abhängigkeit von der Temperatur, der Windstärke und der Windrichtung. Die Fütterung arbeitet mit Trockenfutterautomaten, die automatisch befüllt werden.

Die Mastschweine stehen in 200er-Großgruppen, jedes Schwein hat 1,6 m2 Platz. Das schreibt der Vermarkter vor. Insbesondere das große Flächenangebot wirkt sich natürlich erheblich auf den Baupreis aus. Pro Mastplatz hat Familie Muth-Köhne deutlich über 1000 € investiert.

Der Einsatz von Stroh bedeutet, dass der Arbeitsaufwand steigt. Auch im Stall von Familie Muth-Köhne ist das so. Allerdings haben Vater und Sohn von Anfang an darauf geachtet, dass ihnen die Arbeit im neuen Stall nicht über den Kopf wächst bzw. sie nicht zu viel mit der Hand erledigen müssen.

Roboter streut Buchten ein

Neben der automatischen Airfeed-Fütterung haben sie sich deshalb auch für einen Einstreuroboter entschieden. Dieser fährt auf einer Hängeschiene ca. 3 m über den Buchten längs durch den Stall und wird automatisch befüllt. Rainer Muth-Köhne muss lediglich regelmäßig neue Quaderballen auf den Annahmetisch legen....