Herdenmanagement

"Pigtastic": Junglandwirte programmieren ihren eigenen Sauenplaner

Die bekannten Sauenplaner konnten zwei Landwirtssöhne aus Schleswig-Holstein nicht überzeugen. Deshalb programmierten sie ihre eigene Anwendung. top agrar hat sich die App „Pigtastic“ zeigen lassen.

Sauenplaner bieten mittlerweile eine Fülle von Eingabe- und Auswertungsmöglichkeiten. Den beiden Brüdern Ruben und Adrian Soth aus Lockstedt in Schleswig-Holstein waren die am Markt verfügbaren Managementprogramme für den elter­lichen Nebenerwerbsbetrieb mit 85 Sauen im geschlossenen System jedoch zu umfangreich und unübersichtlich. „Während meines Agrarstudiums habe ich Praktika in anderen Sauenbetrieben absolviert und dabei verschiedene Varianten von Sauenplanern ausprobiert. Die Arbeit mit den Programmen machte oft keinen Spaß, sodass die Dokumentation von wichtigen Kennzahlen vernachlässigt wurde“, erklärt der 21-jährige Hofnachfolger Ruben Soth.

Entwicklung am heimischen PC

Gemeinsam mit seinem Bruder Adrian entschied sich Ruben Soth, einen eigenen Sauenplaner zu entwickeln. Den Anstoß zur Entwicklung einer App gaben zwei Faktoren: Bruder Adrian Soth ist Wirtschaftsinformatiker und arbeitet bei einer Softwarefirma in Hamburg. Eigentlich wollte der 25-Jährige nur seine Programmierfähigkeiten etwas trainieren. „Ruben meinte dann: Wieso machst Du nicht was Sinnvolles für den Betrieb?“, berichtet Adrian Soth. Seine Anforderungen an einen Sauenplaner stellte der Landwirt in einem Lastenheft zusammen. Nach Feierabend programmierte sein Bruder Adrian am heimischen Computer dann Schritt für Schritt die App. Später folgte der erste Praxistest im Stall. „Einige Fehler fielen erst auf, als wir mit der App im Stall gearbeitet haben. Derzeit verbessern wir die Bedienung immer noch laufend“, berichtet Ruben Soth über den andauernden Entwicklungsprozess.

Einsatz über Robustes Tablet

Im Stall nutzt Ruben Soth die App auf einem Tablet mit einer extra robusten und wasserdichten Hülle. Dank des zugehörigen Tragegurtes kann der Landwirt es um die Schulter hängen und Daten an jedem Ort im Stall eingeben. Die Daten werden in einer Cloud gespeichert und sind so von überall abrufbar. „Wir wollten mit dem Sauenplaner mobil sein, daher haben wir uns gegen ein stationäres Programm auf dem Stallcomputer entschieden“, erklärt Ruben Soth die Vorzüge des Tablets. Das Gerät nimmt der Landwirt auch zu Beratungsgesprächen mit. Dadurch spart er sich das vorherige Ausdrucken von Leistungsübersichten. Permanenten Internetzugang benötigt die App nicht. Sie kann im Stall „offline“ genutzt werden und es genügt, die Daten etwa einmal täglich in die Cloud hochzuladen. Das kann beispielsweise im WLAN des Stallbüros erfolgen.

Sauen mit Name und Foto

Wenn Ruben Soth die App Pigtastic öffnet, erhält er zunächst eine Gesamtübersicht über alle produktiven Sauen. Dank einer Filterfunktion kann er alle Tiere in den jeweiligen Produktionsbereichen oder Einzeltiere über die Eingabe der Ohrmarkennummer schnell finden. Eine Kurzübersicht liefert ihm zudem wichtige Infos zu den einzelnen Sauen. Dazu gehören neben dem Alter auch die Leistungskennzahlen sowie wichtige Termine, wie z. B. das nächste Abferkeldatum. Eine Besonderheit der App ist, dass die Sauen zusätzlich zur Sauennummer auch noch einen Namen tragen. Den generiert das System automatisch aus einer Namensliste, sobald der Landwirt die Sau im Programm neu anlegt.

„Im Gegensatz zur Rinderhaltung, wo jede Kuh einen Namen trägt, ist die Namensvergabe bei Sauen sicherlich unüblich. Wir wollten den Sauenplaner damit aber etwas persönlicher gestalten. Vielleicht haben ja...